• vom 01.10.2012, 12:59 Uhr

Geschichte

Update: 01.10.2012, 19:32 Uhr
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Historiker schuf Standardwerke wie "Zeitalter der Extreme"

Eric Hobsbawm ist tot



  • Marxistischer Geschichtswissenschafter starb im Alter von 95 Jahren in London.

Eric Hobsbawm 2008 in Wien.

Eric Hobsbawm 2008 in Wien.APAweb / Schlager Eric Hobsbawm 2008 in Wien.APAweb / Schlager

London/Wien. "Gefährliche Zeiten" heißt die Autobiografie von Eric Hobsbawm, in der er sein Leben mit dem Geschehen des 20. Jahrhunderts verknüpft. Tatsächlich blickte der marxistische Historiker auf ein bewegtes Leben zurück: von der Geburt in Ägypten über die Jugend in Wien und Berlin – bis er vor den Nationalsozialisten nach England flüchtete.
Am Montag verstarb Hobsbawm 95-jährig nach langer Krankheit in London. Sein Leben lang verband er Politik und Geschichtswissenschaft: "Der Historiker muss genau unterscheiden zwischen seiner Funktion als Wissenschafter und als politisch Aktiver, das bedeutet aber nicht, dass er gänzlich parteilos, sozusagen frei schwebende Intelligenz ist. Das kann er nicht sein", sagte er im Jahr 2008 im Gespräch mit der APA.

Sohn jüdischer Eltern

Hobsbawm wurde am 9. Juni 1917 in Alexandria, Ägypten, als Sohn eines jüdischen Ehepaars geboren. Seine Schulzeit verbrachte er im Wien der Zwischenkriegszeit. 1931 ging er nach Berlin, von wo er 1933 vor den Nazis fliehen musste. Seitdem lebte er in London. Nach dem Studium der Geschichte an der University of Cambridge nahm er 1947 seine Lehrtätigkeit am Birkbeck College an der Universität London auf. Von 1971 bis zur Emeritierung 1982 hatte er eine Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der University of London inne.

1984 erhielt er einen Lehrstuhl an der New School of Social Research in New York. Gastprofessuren führten ihn an die Stanford University, das Massachusetts Institute of Technology, die Cornell University, die New School for Social Research in New York, die Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, das College de France und an die Unversidad Nacional Autonoma in Mexiko.

Als Autor wichtiger wissenschaftlicher Publikationen hat Hobsbawm Standardwerke geschaffen. Zu seinen wichtigsten Büchern zählen "Sozialrebellen" (1962), "Europäische Revolution 1789-1848" (1962), "Revolution und Revolte" (1977), "Die Blütezeit des Kapitals 1848-1875" (1977), "Das imperiale Zeitalter 1875-1914" (1989), "Nationen und Nationalismus" (1991), "Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts" (1995), "Das Gesicht des 21. Jahrhunderts" (2000). Im Mittelpunkt seiner Bücher stehen Unterdrückte, Unterprivilegierte und Schwache – vor allem Arbeiter, Landarbeiter, Rebellen, Widerstandskämpfer – und deren Weg der Emanzipation. Hobsbawm war seit seiner Jugend überzeugter Marxist.

Vielfach geehrt

Hobsbawm erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderen den "Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 1997", den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 1999 und den Ernst-Bloch-Preis 2000 sowie die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold (2003) oder den Bochumer Historikerpreis 2008. Hobsbawms Verbundenheit mit Österreich und Wien drückte sich in regelmäßigen Besuchen aus und durch Kontakte zu österreichischen Zeithistorikern.

2008 wurde er Ehrendoktor der Uni Wien, und die Stadt Wien ernannte ihn zum Ehrenbürger. Gegenüber der APA sagte er anlässlich dieser Verleihung, Wien habe ihn vor allem kulturell geprägt: "Ich bin als Kind zu ,Wilhelm Tell‘ ins Theater gegangen, aber auch zu ,Einen Jux will er sich machen‘ oder zu Ferdinand Raimund. Meine Mutter hat sich ,Die letzten Tage der Menschheit‘ gekauft, sobald sie erschienen waren, die hab ich sofort gelesen. Da muss schon etwas davon hängen geblieben sein." "Er war ein linker Kosmopolit und einer der über die Möglichkeiten der Menschen auf der Welt nachdachte", würdigte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny den verstorbenen Historiker.

Ö1 ändert sein Programm

Der Radiosender Ö1 ändert anlässlich des Todesfalls sein Programm und sendet am 4. Oktober ab 21 Uhr im Rahmen von "Im Gespräch" die Wiederholung der Sendung "Das 20. Jahrhundert – das Zeitalter der Extreme" aus dem Jahr 2007.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-01 13:01:04
Letzte Änderung am 2012-10-01 19:32:45


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