• vom 18.06.2014, 14:40 Uhr

Geschichte

Update: 18.06.2014, 14:43 Uhr

Ausgrabungen

Römisches Militärlager in Carnuntum mittels Bodenradar entdeckt




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  • "Es gibt für einen Archäologen in Österreich, ja fast in Europa, kaum etwas spannenderes, als in Carnuntum zu forschen"

Carnuntum. Im Archäologischen Park Carnuntum (Bezirk Bruck a.d. Leitha) haben Forscher ein römisches Militärlager entdeckt. Mittels Bodenradar stießen sie in tieferen Erdschichten auf einen Befestigungsgraben in der Größe von etwa 57.600 Quadratmetern oder sechs Fußballfeldern, hieß es in einer Aussendung.

"Das laufende Forschungsprojekt zur vollständigen Untersuchung des römischen Carnuntum steht knapp vor der Beendigung der Feldarbeiten. Die Magnet- und Radarbilder des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI Arch Pro, Anm.) zeigen südlich und nördlich des Amphitheaters und der Gladiatorenschule die deutlichen Überreste von römischen Zeltlagern. Darunter eines, das nach der Gründung der Stadt teilweise überbaut wurde, und bei dem es sich daher um eines der ersten Militärlager in Carnuntum handelt", sagte Wolfgang Neubauer, Direktor des LBI ArchPro.

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"Es gibt für einen Archäologen in Österreich, ja fast in Europa, kaum etwas spannenderes, als in Carnuntum zu forschen", betonte Franz Humer, wissenschaftlicher Leiter des Archäologischen Parks Carnuntum. Dieser Ort sei schon in der Antike einzigartig gewesen und sei es in der Jetztzeit europaweit nach wie vor, da nur sehr wenig von der antiken Stadt überbaut wurde.

Feldarbeiten zu Gladiatorenschule

Erst 2011 wurde die Entdeckung einer römischen Gladiatorenschule gemacht. Noch in diesem Monat wird mit der feldarchäologischen Untersuchung dieses über 12.000 Quadratmeter großen Areals begonnen und versucht, diesen Teil der römischen Geschichte wieder ans Tageslicht zu bringen. In Zusammenarbeit mit Archäologen, Architekten und Historikern soll die hölzerne Übungsarena im Innenhof der Gladiatorenschule rekonstruiert und an jener Stelle aufgebaut werden, an der vor rund 1.800 Jahren das Original gestanden hatte.

Im Rahmen des Projektes "ArchPro Carnuntum" wird unter der Leitung des LBI ArchPro mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und internationalen Partnern seit 2012 im Auftrag des Landes Niederösterreich der Untergrund von Carnuntum untersucht. Am Boden und aus der Luft wird mit sogenannten Prospektionsmethoden daran gearbeitet, das archäologische Erbe zu finden und sichtbar zu machen. Das Bodenradar ermöglicht, Überreste der römischen Stadt durch den Einsatz elektromagnetischer Wellen dreidimensional am Computer darzustellen.

Carnuntum war in der Antike eine der bedeutendsten Metropolen des römischen Reiches. Weltweit einmalig wurden im Archäologischen Park die wesentlichsten architektonischen Typen eines römischen Stadtviertels am Originalstandort funktionstüchtig mit den Mitteln der experimentellen Archäologie rekonstruiert. Ein Bürgerhaus, ein römisches Stadtpalais und eine öffentliche Thermenanlage öffnen ein Fenster in die Zeit der Kaiserkonferenz im frühen 4. Jahrhundert n.Chr. Diese einzigartige Präsentationsweise wurde 2014 von der Europäischen Kommission mit dem ersten Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-06-18 14:41:05
Letzte nderung am 2014-06-18 14:43:17




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