• vom 22.10.2014, 16:11 Uhr

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  • Ältestes Erbgut des modernen Menschen entschlüsselt.

Leipzig. (est) Ein Forscherteam aus Leipzig hat erstmals das Erbgut eines Mannes entziffert, der vor rund 45.000 Jahren durch Westsibirien streifte. Außer einigen Funden aus Afrika und dem Nahen Osten sind kaum ältere Überreste des modernen Menschen bekannt.

Die Forscher um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben das Erbgut des Mannes aus seinem linken Oberschenkelknochen isoliert und mit der sogenannten Radiokarbonmethode analysiert. Zuvor hatten sie genetische Untersuchungen der Menschengruppen der Neandertaler und Denisovaner gemacht, die DNA eines Homo sapiens aus dieser Zeit hatte aber noch gefehlt. Wie sich zeigte, trug der Mann, dessen Überreste in der Nähe des Ortes Ust-Ischim am Steilufer des Irtysch-Flusses gefunden wurden, ebenso wie heute lebende Europäer und Asiaten Neandertaler-Erbgut in sich, berichten die Wissenschafter im Fachblatt "Nature". Aus der Genom-Analyse geht hervor, dass sich die Vorfahren des Mannes und die Neandertaler vor 50.000 bis 60.000 Jahren vermischten. Der Anteil des Neandertaler-Genoms könnte aber darauf hindeuten, dass auch spätere Vorfahren des analysierten "Mannes von Ust’-Ishim", wie ihn die Forscher nennen, mit Neandertalern Kinder bekommen haben.


Der Neandertaler in uns
Die 45.000 Jahre alten Knochen enthalten 2,3 Prozent Neandertaler-Erbgut mit relativ großen, zusammenhängenden DNA-Anteilen. Der Anteil in heutigen Europäern liegt nach Angaben der Forscher bei 1,6 bis 1,8 Prozent und sei weiter verteilt.

"Der Ust’-Ishim-Mann ist einer der ältesten modernen Menschen, die außerhalb des Mittleren Ostens und Afrikas gefunden wurden", betont Mitautor Bence Viola. Er scheint zu einer Gruppe früher Auswanderer von Afrika nach Europa und Asien gehört zu haben und war mit den direkten Vorfahren der heute lebenden Menschen verwandt. Der Mann von Ust’-Ishim lebte zwar zu einer Zeit, in der sich die Entwicklungen von Europäern und Asiaten zu trennen begannen. Sein Erbgut führt aber weder nach Europa noch nach Asien, sondern bleibt regional. Somit muss es viele Auswanderergruppen gegeben haben.

Asiaten besitzen 1,7 bis 2,1 Prozent Neandertaler-Gene. Die Forscher gehen davon aus, dass sich seit der Zeit, in der der Mann in Sibirien lebte, pro Jahr im Schnitt ein bis zwei Mutationen im Erbgut der Europäer und Asiaten angesammelt haben.

Zuvor hatten die Leipziger Forscher gezeigt, dass der Fettstoffwechsel von Europäern stärker von Neandertaler-Genen beeinflusst wurde als jener von Asiaten und dass Neandertaler-Gene geholfen haben, sich an die kühlere Umgebung anzupassen.




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Dokument erstellt am 2014-10-22 16:14:02



23. Oktober 1817
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