• vom 22.01.2015, 20:00 Uhr

Geschichte


Urmensch

Werkzeuggebrauch eine halbe Million Jahre früher als gedacht




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  • Schon Australopithecus africanus hantierte vor zwei bis drei Millionen Jahren mit Hilfsmitteln, lebte jedoch auch in Bäumen.

Der Urmensch Australopithecus africanus.

Der Urmensch Australopithecus africanus.© corbis/Regis Bossu Der Urmensch Australopithecus africanus.© corbis/Regis Bossu

Wien. Urmenschen hantierten schon früher als bisher angenommen mit Werkzeugen. Dies zeigt der innere Aufbau von Mittelhandknochen von Australopithecus africanus, einer Urmensch-Art, die vor zwei bis drei Millionen Jahren lebte. Dieser Aufbau verändert sich je nach Belastung und ist jenem von Neandertalern und modernen Menschen ähnlicher als dem von Affen, berichtet ein internationales Forscherteam unter österreichischer Beteiligung im Fachmagazin "Science".

Mittelhandknochen verändert
Je nach dem Ausmaß der Belastung verändern sich nämlich die sogenannten Trabekeln. Das sind kleine Bälkchen im Knocheninneren, die eine schwammartige Stützstruktur bilden. Bei Schimpansen, die einen Ast umgreifen und mit der Hand ihr ganzes Körpergewicht tragen, sehe diese Struktur ganz anders aus als bei Neandertalern und modernen Menschen, erklärte Dieter Pahr vom Institut für Leichtbau und Struktur-Biomechanik der Technischen Universität (TU) Wien. Die Benutzung von Werkzeug würde die Handknochen auf eine ganz spezielle Art beanspruchen, weil sie gleichzeitig Kraft und Präzision erfordert. Dies ist etwa der Fall, wenn man einen Steinkeil festhält, um damit scharfe Flintabschläge aus einem anderen Stein herauszuklopfen.


Dies lasse sich auch nach Millionen von Jahren noch an den Knochenfossilien feststellen. Mit Computertomografen (CT) könne man dreidimensionale Bilder der inneren Knochenstrukturen anfertigen und daraus berechnen, in welche Richtungen die Knochen hauptsächlich belastet wurden. Die TU-Forscher lieferten mit den von ihnen entwickelten speziellen Computeralgorithmen für die Auswertung von CT-Aufnahmen von Knochen einen wesentlichen Beitrag zu dem Ergebnis.

Urmensch in den Baumkronen
Unter der Leitung von Matthew Skinner von der Universität Kent in Großbritannien hatten die Wissenschafter die Trabekel-Strukturen in Mittelhandknochen von Zwergschimpansen, modernen Menschen, Neandertalern und eben den Australopithecus-Urmenschen verglichen. "Man sieht, dass Australopithecus africanus auf keinen Fall ein Affe war, auch wenn er noch nicht ganz beim Menschen angelangt war", erklärte Pahr. Die Knochenstruktur lasse jedenfalls darauf schließen, dass Australopithecus africanus bereits eigene Werkzeuge angefertigt und schließlich auch benutzt hat.

"Dieses Ergebnis stärkt die vor Kurzem aufgekommene Vermutung, dass die Verwendung von Steinwerkzeugen menschheitsgeschichtlich deutlich weiter zurückreicht, als man früher dachte", erklärte der Wissenschafter. Die ältesten bisher gefundenen Steinwerkzeuge sind rund 2,6 Millionen Jahre alt. In dem Fachartikel schreiben Skinner und Kollegen nun jedoch von einer Vorverschiebung des Werkzeuggebrauchs um immerhin eine halbe Million Jahre.

Manche dieser feinen Bälkchenstrukturen in den Handknochen würden jedoch auch darauf hinweisen, dass Australopithecus africanus auch einige Zeit seines Lebens in den Baumkronen verbrachte.




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Dokument erstellt am 2015-01-22 17:17:10




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