• vom 23.01.2015, 16:54 Uhr

Geschichte

Update: 26.01.2015, 10:29 Uhr

Kulturerbe

"Geraubtes Kulturgut nützt dem Terror"




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Von Eva Stanzl

  • Ägyptologin Wafaa El Saddik appelliert daran, keine Kulturgüter aus Kampf- und Kriegsgebieten zu kaufen,
  • erneuert ihre Forderung nach einem Obolus für Nofretete und gibt Aufschluss über des Pharaos Bart.



"Wiener Zeitung": Sie engagieren sich stark für den Schutz von Kulturgütern in Kampf- und Kriegsgebieten. Welche Aktivitäten stehen auf Ihrer Liste an oberster Stelle?

Wafaa El Saddik: Viele Menschen in Ägypten wissen nicht, was Kulturerbe bedeutet. Ich habe vor 15 Jahren einen Verein gegründet, über den deutsche Experten in ägyptischen Museen referieren und Schulkindern und deren Eltern den Wert dieser Objekte verdeutlichen. Weiters machen wir Informationsveranstaltungen und zeigen Filme darüber, was im Zuge der Plünderungen in den letzten Jahren passiert ist. Wir versuchen zu vermitteln, wie gefährlich es ist, sein Kulturerbe nicht zu schützen: Mit Raubplünderungen geht die Geschichte eines Ortes verloren.

Tutanchamun ohne Bart? Dieses Foto, aufgenommen um 1923 vom Entdecker des Pharaonengrabs Howard Carter, zeigt die Totenmaske nach der Öffnung des Sargs. Erst danach sollen die Teile restauriert und wieder zusammengefügt worden sein.

Tutanchamun ohne Bart? Dieses Foto, aufgenommen um 1923 vom Entdecker des Pharaonengrabs Howard Carter, zeigt die Totenmaske nach der Öffnung des Sargs. Erst danach sollen die Teile restauriert und wieder zusammengefügt worden sein.© Griffith Institute/Howard Carter Tutanchamun ohne Bart? Dieses Foto, aufgenommen um 1923 vom Entdecker des Pharaonengrabs Howard Carter, zeigt die Totenmaske nach der Öffnung des Sargs. Erst danach sollen die Teile restauriert und wieder zusammengefügt worden sein.© Griffith Institute/Howard Carter

Wie viele Kulturgüter sind während der Herrschaft der Muslimbrüder verschwunden?


In Mittelägypten, etwa in El Heba, wurden archäologische Stätten zu 90 Prozent geplündert. Die Plünderer nahmen, was sie fanden, und verkauften es an Händler im Ausland. Da viele Orte wenig erforscht sind, ist die Mehrzahl der gestohlenen Objekte nicht registriert. Somit wissen wir nur, wo etwas zerstört wurde, aber nicht, was und wie viel. Da wir nichts zurückholen können, werden wir nun bei vielen Orten nie wissen, bis zu welcher Zeit sie zurückgehen.

Gibt es eine Idee, wie viel im Irak, in Syrien und Libyen verschwindet?

Die Terroristen, die diese Länder kontrollieren, lassen das niemanden prüfen. Terroristische Gruppierungen wie die IS verkaufen diese Objekte, um damit Waffen zu kaufen: Jeder, der sie kauft, unterstützt Terrorgruppen. Es ist daher ganz wichtig, was aus diesen Ländern derzeit auf den Markt kommt, nicht zu kaufen. Selbst wenn man in ein Objekt verliebt ist, tötet man mit dem Kauf jeder Figurine, jedes Tellers und jedes Schmuckstücks andere Menschen.

Offenbar kennen sich die Plünderer fachlich aus.

Es gibt eine internationale Mafia, die ihre Leute damit beauftragt, bestimmte Orte zu plündern. Die Kulturobjekte verschwinden sehr schnell, werden an den Grenzen übernommen. Terrorgruppen sind die Auftraggeber und finanzieren sich damit, und die Mafia weiß genau, mit wem sie arbeiten kann: Diese Leute kommen mit Maschinengewehren und die Archäologen sind völlig machtlos.

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Dokument erstellt am 2015-01-23 16:59:07
Letzte nderung am 2015-01-26 10:29:05



22. November 1817
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