• vom 18.07.2015, 18:00 Uhr

Geschichte


Potsdamer Konferenz 1945

Codename "Endstation"




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Von Rolf Steininger

  • Im Juli 1945 tagten in Potsdam die drei Siegermächte USA, Russland und Großbritannien. Ihr Ziel war es, die Nachkriegswelt neu zu ordnen.

Die Konferenz tagt: Stalin ist am linken Bildrand oben zu sehen, Truman sitzt ihm gegenüber - und Churchills Hinterkopf zeigt sich halblinks im Vordergrund.

Die Konferenz tagt: Stalin ist am linken Bildrand oben zu sehen, Truman sitzt ihm gegenüber - und Churchills Hinterkopf zeigt sich halblinks im Vordergrund.© Rolf Steininger, Universität Innsbruck Die Konferenz tagt: Stalin ist am linken Bildrand oben zu sehen, Truman sitzt ihm gegenüber - und Churchills Hinterkopf zeigt sich halblinks im Vordergrund.© Rolf Steininger, Universität Innsbruck

Von seiner bis dahin weitesten Dienstreise schrieb der neue amerikanische Präsident Harry S. Truman am 16. Juli 1945 einen Brief an seine 92-jährige Mutter und an seine Schwester in Missouri: "Liebe Mama und Mary, bin gestern Nachmittag in Berlin gelandet und wurde von den Außenministern und höchsten Funktionären Großbritanniens und Russlands und einem Kontingent amerikanischer Soldaten empfangen, das ich abschreiten musste. Dann wurden wir in ein schönes Haus an einem See bei Potsdam geführt. Es gehörte früher dem Direktor einer Filmgesellschaft, der, wie man sagt, nach Russland geschickt worden ist - warum weiß ich nicht . . ." Am nächsten Tag begann im Potsdamer Schloss Cecilienhof, dem Sommersitz des ehemaligen preußischen Kronprinzen, die Konferenz der "Großen Drei": Truman, Kremlchef Josef Stalin und der britische Premierminister Winston Churchill. Von Churchill stammte der Codename für eine der folgenschwersten Konferenzen des 20. Jahrhunderts: "Terminal" - Endstation.

Trotz der vielfältigen Differenzen der Amerikaner und Briten mit den Sowjets und des zeitweise offen zutage tretenden Misstrauens, insbesondere Stalins gegenüber Truman und Churchill, war auf der Konferenz nicht mit Milde gegenüber den Deutschen zu rechnen: "Noch hasste und fürchtete der ganze Kontinent Deutschland mehr als Russland", wie es Robert Murphy, der politische Berater des amerikanischen Oberbefehlshabers in Deutschland, General Dwight D. Eisenhower, formulierte.

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Deutschlands Zukunft
Man einigte sich daher schnell auf politische und wirtschaftliche Grundsätze zur künftigen Behandlung Deutschlands, die im Grunde schon seit der Konferenz von Jalta (4.-11. Februar 1945) unstrittig waren: Entwaffnung, Entmilitarisierung, Entnazifizierung, demokratische Umgestaltung des Erziehungs- und Gerichtswesens, Wiederaufbau des politischen Lebens und der lokalen Selbstverwaltung nach "demokratischen" Grundsätzen. Übermäßige Konzentration der Wirtschaft sollte vernichtet und "das Hauptgewicht auf die Entwicklung der Landwirtschaft und der Friedensindustrie für den inneren Bedarf" gelegt werden. Einzelne Formulierungen wurden wörtlich den "Richtlinien für die amerikanische Delegation" entnommen, was bei den Amerikanern später den Eindruck verstärkte, die Konferenz sei für sie ein voller Erfolg gewesen.

Eine Frage rückte immer mehr in den Mittelpunkt, die mitentscheidend für das weitere Schicksal Deutschlands werden sollte: Reparationen. Als Stalin seine Forderung von Jalta wiederholte - 10 Milliarden Dollar Reparationen für sein Land (nach heutiger Kaufkraft etwa 100 Milliarden) -, lehnten Amerikaner und Briten dies ab. Reparationen in dieser Größenordnung würden ihrer Meinung nach in ihren Zonen das wirtschaftliche Chaos in einem Maße erhöhen, das dem Kommunismus dort Tür und Tor öffnen würde; zum anderen wären ihre Zonen nicht mehr in der Lage, sich selbst ohne fremde Hilfe zu erhalten. Diese Hilfe aber konnte nur, wie nach dem Ersten Weltkrieg, von den USA kommen.

Mit anderen Worten: die USA würden letztlich die Reparationen für die Sowjetunion zahlen. Das aber war nicht machbar. Seiner Frau Bess schrieb Truman: " Der Weihnachtsmann ist tot. Amerika wird niemals wieder Reparationen zahlen, die ganze Welt ernähren und als Dank dafür einen auf die Nase bekommen." Der amerikanische Botschafter in Moskau, Averell Harriman, wies auf die kulturellen Unterschiede zu den Sowjets hin und meinte zu Truman, der gerne Geschichten über Dschingis Khan las, der Sieg der Roten Armee über die Nazis komme einer "Invasion Europas durch die Barbaren" gleich.

Am 25. Juli wurde die Konferenz unterbrochen. In Großbritannien war ein neues Parlament gewählt worden, und Churchill flog nach London, um bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses zugegen zu sein. Er kehrte nicht mehr nach Potsdam zurück. Die Labour Party hatte die Wahl gewonnen, der neue Premierminister hieß Clement Attlee, ein "Schaf im Schafspelz", wie Churchill ihn im Wahlkampf ziemlich bösartig, aber nicht ganz falsch charakterisiert hatte. Der Gewerkschafter Ernest Bevin wurde neuer Außenminister. Sie nahmen am 28. Juli in Potsdam die Plätze von Churchill und Anthony Eden ein.

In der Zwischenzeit hatten Amerikaner und Sowjets das Reparationsproblem "gelöst". Die Lösung klang harmlos, tatsächlich erwies sie sich für die Einheit Deutschlands als verhängnisvoll. Die Amerikaner hatten vorgeschlagen, dass jede Besatzungsmacht ihre Reparationsansprüche aus ihrer jeweiligen Zone befriedigen solle. Die Sowjetunion sollte darüber hinaus aus den westlichen Besatzungszonen Reparationen - 10 Prozent gratis und 15 Prozent im Austausch gegen Sachlieferungen, in erster Linie Lebensmittel - erhalten. Eine konkrete Zahl wurde nicht genannt; allerdings sollte die Entnahme der Reparationen der deutschen Bevölkerung so viel Mittel belassen, dass sie ohne Hilfe von außen existieren könnte.

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Dokument erstellt am 2015-07-16 14:20:05
Letzte ńnderung am 2015-07-17 12:15:05



22. Februar 1817
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