• vom 08.02.2016, 16:36 Uhr

Geschichte


Vorfahren

Wie Frühmenschen den Biss verloren




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  • Frühe Vertreter waren noch geübt im Nüsseknacken.

Wien. Während frühe Vertreter der Gattung der Australopithecinen mit großen Mahlzähnen noch bestens harte Nüsse knacken und Samenkörner zermalmen konnten, verloren spätere Individuen dieser Frühmenschen diese Fähigkeit offenbar, wie Forscher im Fachblatt "Nature Communications" berichten.

Die ersten Funde von Australopithecinen werden auf ein Alter von etwa vier Millionen Jahre datiert. Sie konnten zwar schon auf zwei Beinen gehen, ihnen fehlten aber mehrere charakteristisch menschliche Eigenschaften, wie das vergleichsweise große Gehirn, der Gebrauch von Werkzeugen oder das flache Gesicht mit kleinen Kiefern und Zähnen. Obwohl sich die Studie nicht direkt damit beschäftigte, inwieweit der chronologisch gesehen jüngste Vertreter diese Vormenschen-Gruppe, Australopithecus sediba, entwicklungsgeschichtlich schon auf dem Weg in Richtung Mensch gemacht hat, seien die Ergebnisse ein weiterer Hinweis, dass die Entwicklung der Ernährung ein wichtiger Anpassungs-Faktor war.

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Bisher gingen Wissenschafter davon aus, dass die Gebisse und Schädel der Vertreter dieser Gattung durchwegs auf das Beißen besonders harter Nahrung ausgelegt waren. "Die meisten Australopithecinen zeigen erstaunliche Anpassungen ihrer Kiefer, Zähne und Gesichter, die ihnen erlaubten, Nahrung zu erschließen, die sehr schwer zu öffnen oder zu kauen war. So konnten sie sehr effizient enorme Beißkräfte entwickeln", so Forschungsleiter David Strait von der Washington University in St. Louis.

Virtuelle Härtetests
Diesen Anpassungspfad dürfte Australopithecus sediba aber schon verlassen haben. Zu diesem Schluss gelangte nun das Team, dem auch der Anthropologe Gerhard Weber von der Uni Wien angehörte. Die Forscher analysierten einen 2008 in Malapa nahe Johannesburg gefundenen fossilen Schädel mit Hilfe von Computer-Tomographie und erstellten ein digitales Modell. Mit biomechanischen Tests unterzogen sie den virtuellen Schädel Härtetests am Computer. Im Gegensatz zu seinen Vorfahren hätte sich Australopithecus sediba beim extrem festen Zubeißen demnach vermutlich sogar den Kiefer ausgerenkt.

Trotzdem dürfte er noch gelegentlich auf harte Nahrung zurückgegriffen haben, worauf Spuren an den Zähnen hinweisen. Jedoch war er sicher nicht mehr gut daran angepasst, dauerhaft hohe Beißkräfte zu entwickeln. Gleichzeitig gebe es aber Hinweise auf eine bereits weiter entwickelte fingerfertige Hand. "Vielleicht ein Hinweis darauf, dass dieser späte Australopithecine schon recht häufig Werkzeuge benutzte, um seine Nahrung aufzuschließen", erklärt Weber. Damit zeige sich, dass bereits bei manchen Australopithecinen eine Reduktion der Bisskraft bemerkbar ist.




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Dokument erstellt am 2016-02-08 16:38:03



22. August 1817
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