• vom 13.08.2016, 11:30 Uhr

Geschichte

Update: 13.08.2016, 14:47 Uhr

Berliner Mauer

Am Rande des Dritten Weltkriegs




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Von Rolf Steininger

  • Mit dem Mauerbau im August 1961 trieb die permanente Krise um West-Berlin ihrem Höhepunkt zu.



Berlin, August 1961: Zwischen den Sektoren entsteht sehr schnell die Mauer.

Berlin, August 1961: Zwischen den Sektoren entsteht sehr schnell die Mauer.© Steininger/Univ. Innsbruck Berlin, August 1961: Zwischen den Sektoren entsteht sehr schnell die Mauer.© Steininger/Univ. Innsbruck

Am 10. November 1958 kündigte Nikita Chruschtschow im Moskauer Sportpalast die Aufkündigung des Potsdamer Abkommens an. Er drohte damit, dass die Sowjetunion einen Friedensvertrag mit der DDR abschließen werde. Die Westmächte würden dann ihre Rechte verlieren und müssten mit der DDR Verträge über ihren Zugang nach Berlin aushandeln. West-Berlin, das "große Loch inmitten der Republik" - so SED-Chef Walter Ulbricht - würde gestopft, das "Geschwür am Körper Europas" - so Chruschtschow - beseitigt werden.

Am 27. November 1958 legten die Sowjets nach und überreichten den drei Westmächten eine gleichlautende Note, in der sie die Umwandlung West-Berlins in eine selbstständige politische Einheit forderten - und das innerhalb der nächsten sechs Monate. Sollte bis dahin keine Lösung erreicht sein, würden sie einseitig handeln und alle Kompetenzen der DDR übertragen. Diesem Ultimatum ließen sie am 10. Jänner 1959 den Entwurf eines Friedensvertrages mit Deutschland folgen, der auf einer Gipfelkonferenz beraten werden sollte.

Die Antwort der USA

Präsident Eisenhower war unter keinen Umständen bereit, der sowjetischen Erpressung nachzugeben. Unterstützt wurde er dabei von seinen Militärs, die noch weiter als er gehen wollten. Als Verteidigungsminister Neil McElroy die Möglichkeit eines Präventivschlages andeutete, warnte Eisenhower: "Wenn wir uns einmal entschlossen haben, militärische Gewalt anzuwenden, dann sind dieser Gewalt keine Grenzen gesetzt. Dies ist eine Tatsache, über die wir uns im klaren sein müssen." Bei einem Atomkrieg würden mindestens 76 Millionen Amerikaner sterben, aber man könne dennoch keiner Erpressung nachgeben.

Am 16. Februar 1959 schlugen die Westmächte den Sowjets für den Sommer - nach Ablauf des sowjetischen Ultimatums - eine Viermächte-Außenministerkonferenz in Genf vor. Moskau stimmte zu, die Konferenz fand statt - und endete am 5. August ohne Ergebnis. Allerdings war das sowjetische Ultimatum vom Tisch, und die Großmächte begannen sich zu arrangieren: Chruschtschow wurde zu einem Besuch in die USA eingeladen. Wenig später einigte man sich auf eine Gipfelkonferenz in Paris für Mai 1960.

Information

Rolf Steininger, geboren 1942 in Plettenberg/Westfalen, ist Em. o. Univ.-Prof. und war von 1984 bis 2010 Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck.

Dazu sollte es dann allerdings nicht kommen. Am 1. Mai 1960, 15 Tage vor der geplanten Konferenz der "Großen Vier" - Eisenhower, Chruschtschow, Großbritanniens Macmillan und Frankreichs de Gaulle - wurde bei Swertlowsk ein amerikanisches Spionageflugzeug vom Typ U-2 abgeschossen und der Pilot Francis Powers gefangengenommen.

Chruschtschow, dem bekannt war, dass die USA seit 1956 Flüge dieser Art durchführten, nahm diesen Zwischenfall zum Anlass, die Konferenz platzen zu lassen. Er kam zwar nach Paris, forderte aber noch vor Beginn der Konferenz von Eisenhower eine öffentliche Entschuldigung, die dieser verweigerte.

Über Chruschtschows Motive kann immer noch nur spekuliert werden. Der entscheidende Grund war offensichtlich seine Erkenntnis, dass er in der Berlin-Frage angesichts der Haltung des Westens - insbesondere der USA, aber auch Frankreichs - nicht das erreichen würde, was er sich möglicherweise erhofft hatte. Auf der Rückreise von Paris gab er in Ost-Berlin zu erkennen, dass er auf ein erneutes Gipfeltreffen in sechs bis acht Monaten hoffte: "Die Sache geht uns nicht aus den Augen; warten wir noch, dann wird sie besser heranreifen." Er setzte jetzt auf Eisenhowers Nachfolger, der im November gewählt wurde - und John F. Kennedy hieß.

Auf amerikanischer Seite erkannte der elder statesman und ehemalige Außenminister Dean Acheson, dass es Chruschtschow bei dem ganzen Unternehmen um mehr ging als "nur" um Berlin und die DDR, nämlich genau um das, was der Kremlchef am 31. März 1961 gegenüber Ulbricht deutlich machte: Würde man Kennedy den Friedensvertrag mit der DDR "abringen, reißen wir die NATO in Stücke, denn die deutsche Frage zementiert die NATO".

Aus genau dem Grund war an ein amerikanisches Nachgeben nach wie vor nicht zu denken, wie US-Botschafter Thompson dann Chruschtschow am 24. Mai in Moskau unmissverständlich klarmachte: "Wir werden auf Gewalt mit Gewalt reagieren." Wir wissen inzwischen, dass es zwei Tage darauf zu einer denkwürdigen Sitzung des Präsidiums der KPdSU kam und was dort diskutiert wurde. Chruschtschow nannte Kennedy da einen "Hurensohn" (umgekehrt nannte Kennedy Chruschtschow intern einen "Bastard und Hurensohn") und analysierte die Gefahrenlage folgendermaßen:

"Am gefährlichsten ist Amerika, aber Frankreich und Großbritannien werden den USA nie folgen bei der Entfesselung eines Krieges jetzt in Europa, weil die Atomwaffenexplosionen hauptsächlich auf dem Territorium West-Deutschlands, Frankreichs und Englands stattfinden werden. Das sind kluge Leute, und das kapieren sie. Daher bin ich der Ansicht, dass in dieser Sache ein Risiko liegt und dass dieses Risiko, das wir eingehen, gerechtfertigt ist. Ich würde sagen, dass es, in Prozenten ausgedrückt, zu über 95 Prozent keinen Krieg geben wird."

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Dokument erstellt am 2016-08-12 14:56:05
Letzte ─nderung am 2016-08-13 14:47:57



21. Oktober 1817
21. Oktober 1817

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