• vom 29.04.2017, 17:00 Uhr

Geschichte


Schulwesen

Das Schulwesen als Politikum




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Von Leo Leitner

  • Zu den wichtigen Reformen Maria Theresias gehörte eine Neuorganisation des gesamten Bildungssektors. Das Herzstück des kaiserlichen Konzepts war die heute noch bestehende Theresianische Akademie.



Das Theresianum-Gebäude in einer Abbildung aus dem Jahr 1825.

Das Theresianum-Gebäude in einer Abbildung aus dem Jahr 1825.© Anonym/imagno/picturedesk.com Das Theresianum-Gebäude in einer Abbildung aus dem Jahr 1825.© Anonym/imagno/picturedesk.com

Die ersten Jahre ihrer Regierung waren fast ohne Unterbrechung Kriegsjahre, in denen Maria Theresia um Erhalt und Sicherung ihrer Länder kämpfen musste. Vor allem die aufgezwungenen Kriege gegen den Preußenkönig Friedrich II., den "bösen Nachbarn im Norden", die im Verlust Schle-siens mündeten, waren eine ungeheure Belastung. Erst nach dem Frieden von Aachen (1748) begann eine Phase der Beruhigung, in der mit Nachdruck die "inneren Geschäfte" betrieben werden konnten.

Information

Leo Leitner, Sektionschef i. R., war als Lehrer und Erzieher tätig und leitete von 1970 bis 1992 die Allgemeine Pädagogische Sektion im Unterrichtsministerium. Er betreute als Kurator die Theresianische Akademie in Wien.

Der aus Schlesien stammende Graf Friedrich Wilhelm Haugwitz schuf die große Staatsreform von 1749. Die Überwindung partikulärer Interessen und die Stärkung der zentripetalen Kräfte markierten den Weg zur Herrschaftsform des aufgeklärten Absolutismus. Die Eigendefinition Maria Theresias als "alleiniges und selbstregierendes Haupt des Hauses" - später wird die Rolle der "allgemeinen und ersten Mutter des Landes" stärker betont werden - fügt sich hier ein. Daraus leitete sie als Herrscherin und Mutter die Verpflichtung ab, Inhalte und Ziele der Bildung der Jugend zu bestimmen. Im Hintergrund sind die strengen Instruktionen zur Erziehung der eigenen Kinder spürbar.

"Das Schulwesen aber ist und bleibet allzeit ein Politicum." Dieser Satz in einem Hofdekret des Jahres 1770 war der Abschluss einer durch lange Zeit geführten Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat über die Zielbestimmung der schulischen Bildung. Noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Kirche uneingeschränkt und unbeeinflusst für Unterricht und Erziehung von der einfachsten schulischen Form im niederen Schulwesen bis zur Universität zuständig. Die Schule war ein " Ecclesiasticum".

Staatliche Interessen

In der Zeit des aufgeklärten Absolutismus wurde wachsende Kritik an dieser Machtstellung der Kirche geübt. Karl VI. (Kaiser von 1711 bis 1740) und vor allem seine Tochter und Thronerbin Maria Theresia setzten deutliche Akzente zur Änderung dieser Situation. Die staatlichen Interessen, mit dem Herrscherhaus an der Spitze, wurden maßgebende Kriterien bei der Bestimmung der Bildungsaufgaben. So war das "Politicum" zu verstehen, das nun das "Ecclesiasticum" verdrängte.

Die großen Schulorden aber (Piaristen und Jesuiten) waren nach wie vor die unverzichtbaren Träger des Unterrichtes. Die Piaristen betreuten das "niedere Schulwesen" und die Gymnasien. Sie waren aufgeschlossener in der geforderten Aufnahme neuer Lehrinhalte. Einer von ihnen, P. Gratian Marx, legte 1775 den Entwurf für ein neues Gymnasium vor.

Bei den Jesuiten (Gesellschaft Jesu) war für Kollegien wie Universitäten die Latinität (Latein als Unterrichtssprache) gültig. Das in der "ratio studiorum" straff geordnete Bildungssystem war von unverrückbaren Elementen des gelehrten, von exzellenten Fachleuten erteilten Unterrichts bestimmt.

Neue Sprachen, Naturwissenschaften, Staatsrecht, Technik und Ökonomie waren die Gebiete, aus denen die neuen Lehrinhalte übernommen werden sollten. Deutsch wurde als Unterrichtssprache zumindest für wichtige Teilgebiete der einzelnen Fächer gefordert. Der ausgeübte massive Druck zur Einführung der Neuerungen erschreckte die Fakultäten. Gerard van Swieten, den die Jesuiten für die Seele der an ihnen geübten Kritik hielten, warnte vor einer möglichen Provoka- tion der Professoren, die im Eingriff der Staatsgewalt einen Angriff auf ihre Autonomie erblickten. (Vgl. auch Artikel Seite 36.)

Maria Theresia aber, von ihrem Gemahl und von Haugwitz tatkräftig unterstützt, drängte auf Konsequenzen in den Lehr- und Studienplänen. Neues musste kommen, das Alte zurückgedrängt, zumindest eingeschränkt werden. Dem "Unnützen" stand das "Nützliche", der "brauchbare Mensch" gegenüber.

Im Kräftebild der Regentin waren die Neigung zum Militärischen und das Gespür für die Dynamik des Ökonomischen von nicht geringem Wert. Das Wort "werktätig" hatte in ihrem Wortschatz einen festen Platz! Groß ist die Zahl ihrer "Ordnungen" und "Entschließungen", die sie zu Produktion und Handel erlassen hat, Anstöße zu Unternehmungen, Schritte im Kleinformat wie in großräumiger Sicht, manches war plötzlicher Einfall oder unausgereift, vieles visionär.

Ein kleines Beispiel kann dies illustrieren: Auf einen Vorschlag zur Einführung einer eigenständigen fachlichen Ausbildung von Schülern reagierte sie positiv - und erlaubte die praktische Erprobung. Die ausgezeichneten Prüfungsergebnisse am Ende dieses "Schulversuches" führten zur definitiven Einrichtung einer
"realschull". Das Land und der Dienst für die Landesfürstin brauchten gut ausgebildete Männer, die "durchbrechen" konnten und mit Fleiß und Hingabe dienten.

Im letzten Abschnitt ihrer Denkschrift von 1751 spricht Maria Theresia diesen Punkt deutlich an: es seien "junge Leute mit Fleiß nachzuziegeln, damit sich selbste von Jugend auf eine rechtschaffene Idee von dem Werk machen und durch ihren Eifer und Application sich in den Stand setzen, in der vorgeschriebenen systematischen Ordnung dem Landesfürsten und dem Publico treue, ersprießliche und ausgiebige Dienste zu leisten".

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Dokument erstellt am 2017-04-28 13:51:10
Letzte ńnderung am 2017-04-28 14:08:57



20. Oktober 1817
20. Oktober 1817

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