• vom 07.06.2017, 17:49 Uhr

Geschichte

Update: 07.06.2017, 19:59 Uhr

Grabtuch von Turin

Die Bewahrung des Mythos




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Um das Alter des Tuches festzustellen, haben drei Teams aus der Schweiz, Großbritannien und den USA in unabhängigen Radiokarbon-Analysen 1988 einen mehrere Zentimeter großen Abschnitt des Stoffs untersucht. Als Ursprungsjahr entpuppte sich die Zeit von 1260 und 1390 - das Turiner Grabtuch wurde zur Fälschung erklärt.

Inzwischen wurde diese Datierung wieder infrage gestellt. Laut Turiner Forschern spricht ein Münzabdruck über dem rechten Auge dafür, dass das Tuch doch älter ist, da die Münze zur Zeit des römischen Statthalters Pontius Pilatus geprägt wurde. Zudem wurden Spuren von 58 Arten von Pollen und 30 Abdrücke von Pflanzen entdeckt, die damals ausschließlich im Nahen Osten existierten.

Klarheit durch weitere Tests
Klarheit könnten nur weitere Tests schaffen. "Bei den Radiokarbon-Datierungen wurden Stellen vom Rande des Tuchs untersucht, die jüngeren Ursprungs sind. Um klar sagen zu können, ob es aus dem ersten Jahrhundert stammt, müsste man einen Faden aus der Mitte entnehmen und mit moderneren Methoden untersuchen", so Karina Grömer, Expertin für Textile Archäologie am Naturhistorischen Museum Wien. Heute bräuchte man nur wenige Milligramm für viel präzisere Radiokarbon-Ergebnisse. Zum letzten Mal wurde das Tuch allerdings 2003 für Forschung freigegeben.

2015 publizierte ein US-Team DNA-Analysen an früheren Proben und fand dabei Zellfragmente und Blut-Partikel im Tuch entdeckt. "Allerdings könnten die Partikel von jedem sein. Selbst wenn das Tuch konservatorisch gut behandelt wurde, wurde es als Reliquie von allen möglichen Menschen berührt, präsentiert, hochgehalten, mit Weihrauch besprenkelt und sogar nach Konstantinopel gebracht. DNA aus Schweiß, Nasenbluten - das alles hat nichts mit Authentizität zu tun", sagt Grömer.

Bettina von Trott zu Solz lässt sich davon nicht beeindrucken. Für sie ist die Sache eindeutig. Als Ausstellungskuratorin rechnet sie mit Besuchern, die "vom Glauben angeregt sind" sagt sie. Und bringt auf den Punkt, was zu glauben ist: "Der Mann auf dem Tuch ist ein gekreuzigter Mensch, und wir wissen, dass die Römer viele Menschen gekreuzigt haben. Aber wir haben sonst keinen Menschen, der mit einer Dornenhaube gekreuzigt wurde - das war der Spott, den man nur Jesus hat angedeihen lassen, und auf dem Grabtuch sieht man sehr deutlich die Blutwunden um das Haupt." Und somit wären alle Zweifel beseitigt. Oder?

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Dokument erstellt am 2017-06-07 17:53:07
Letzte ─nderung am 2017-06-07 19:59:05



17. Oktober 1817
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