• vom 16.09.2017, 18:30 Uhr

Geschichte


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Bolzerei ums Heustadelwasser




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Nach dem Höhepunkt 1951, als der ÖAMTC und der deutsche Schwesterclub ADAC als gemeinsame Veranstalter auftraten und das Starterfeld für die Strecke über die österreichischen Alpen und durch das bayrische Voralpenland 111 Fahrer zählte, nahm der Stellenwert der Alpenfahrt aufgrund der vom ÖAMTC vorgenommenen motorradlastigen Gewichtung des Programms in den kommenden Jahren rapide ab.

Die zumeist in kleineren Städten ausgetragenen Rennen "rund um den Kirchturm" waren bis Mitte der 1950er Jahre fixer Bestandteil des Rennkalenders und höchst populär. Dicht drängten sich am Straßenrand tausende Zuschauer, um Autos und Motorräder mit manchmal kuriosem Design und abenteuerlichem Unter- oder Übersteuern aus nächster Nähe zu erleben. Bei den Autorennen waren Otto Mathé mit seinem selbst gebauten "Fetzenflieger", einer Mittelmotorrennflunder mit einem 1500-ccm-Porschemotor, und Kurt Koresch auf BMW-Veritas die heimischen Größen: Der einarmige Tiroler dominierte die kleinen, der Personaldirektor der Österreichischen Nationalbank die großen Klassen.

Auch im Ausland konnten Österreicher reüssieren. Paul Fürst Metternich, Spross eines berühmten Adelsgeschlechts, belegte bei der Carrera Panamericana Mexicana 1952 mit einem Porsche 1500, dem hubraumkleinsten Wagen des Rennens, den beachtlichen achten Platz. Als Reminiszenz an diesen Erfolg brachte die Sportwagenschmiede drei Jahre später ein Modell unter der Bezeichnung "Carrera" auf den Markt. Wolfgang Denzel sorgte 1954 mit seinem Sieg bei der 17. Auflage der Coup des Alpes für einen der größten österreichischen Rallyeerfolge, und Gotfried Köchert, dem "rasenden Juwelier" aus Wien, gelang es als erstem Österreicher, am Nürburgring am obersten Treppchen zu stehen. Im Rahmenprogramm zum Grand Prix hatte er das Sportwagenrennen bis 1500 ccm gewonnen.

Just in diese Aufbruchsstimmung hinein erließ die OSK 1956 ein Verbot für Automobil-Straßenrennen. Gerechtfertigt sah man dies durch einen gerade noch glimpflich ausgegangenen Feuerunfall beim Bäderpreis von Traiskirchen, aber wohl auch durch eine mehrere Todesopfer fordernde Mille Miglia sowie die Katstrophe von Le Mans im Jahr davor. Vom Verbot ausgenommen waren eigens angelegte Rennstrecken - aber die gab es noch nicht.

In dieser Situation entstand Ende 1956 mit dem Österreichischen Automobil-Sport-Club (ÖASC) ein neuer Veranstalter. Dessen treibenden Kräfte Willy Löwinger, Ernst Vogel und Martin Pfundner organisierten 1957 erstmals auf dem Flugplatz in Aspern ein internationales Rundstreckenrennen, trugen am Salzburger Gaisberg den ersten FIA-Meisterschaftslauf Österreichs aus und sorgten für die Wiederbelebung der Österreichischen Alpenfahrt, die unter der Bezeichnung Semperit-Rallye fester Bestandteil der österreichischen Motorsportgeschichte wurde und in den 1960er Jahren mehrmals zur Rallye-EM zählte.

Flugplatzrennen

Neben dem boomenden Rallyesport waren die End-50er und 1960er Jahre eindeutig die Jahre der Flugplatzrennen, wie etwa jene in Innsbruck, Langenlebarn, Linz, Graz, Klagenfurt und Aspern. Zum wichtigsten Flugplatzrennen entwickelte sich Zeltweg, wo 1963 Österreichs erster Formel-1-Grand-Prix und ein Jahr später der erste heimische Formel-1-WM-Lauf ausgetragen wurde. Nahezu zeitgleich mit dem Aufstieg von Zeltweg erfolgte auch der Karriereverlauf von Jochen Rindt, der sich auf Simca und Alfa Romeo die ersten Sporen verdiente, später Formel-Junior-Fahrer in der von Curt Barry, Rolf Markl und dem Schauspieler Gunther Philipp gegründeten "Ecurie Vienne" wurde und schließlich mit beeindruckenden Formel-2-Erfolgen und dem Le-Mans-Sieg 1965 den Sprung in die Formel 1 schaffte.

1969 wurde in Zeltweg - nahezu zeitgleich mit dem Salzburgring - der Österreichring eröffnet, auf dem 1970 die Formel 1 erstmals gastierte und die in Massen herangeströmten Zuschauer einen Sieg des Belgiers Jacky Ickx und den Ausfall Jochen Rindts erlebten. 1970 stellte in doppelter Hinsicht eine Zäsur im österreichischen Motorsport dar: Zum einen verlor er drei Wochen nach dem Zeltweg-GP in Monza seine Lichtgestalt Rindt, zum anderen war mit der Inbetriebnahme der beiden Rennstrecken unwiderruflich die Ära seiner Professionalisierung angebrochen.


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Dokument erstellt am 2017-09-14 16:51:06
Letzte ─nderung am 2017-09-15 16:31:23



16. Dezember 1817
16. Dezember 1817

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