• vom 16.09.2017, 09:00 Uhr

Geschichte


Weltpolitik

Diplomatie und Mystik




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Von Hans Göttel

  • Am 18. September 1961 verstarb der zweite UNO-Generalsekretär Dag Hammarskjöld bei einem Flugzeugabsturz. Er war vehementer Vertreter einer Weltregierung - und Vorbild für "Perry Rhodan".



Dag Hammarskjöld (hier 1959) war von 1953 bis 1961 UNO-Generalsekretär.

Dag Hammarskjöld (hier 1959) war von 1953 bis 1961 UNO-Generalsekretär.© UN/DPI Dag Hammarskjöld (hier 1959) war von 1953 bis 1961 UNO-Generalsekretär.© UN/DPI

Es war kein Geringerer als Albert Einstein, der den zweiten UN-Generalsekretär und schwedischen Diplomaten Dag Hammarskjöld (1905-1961) in seiner Intention bestärkte, die Vereinten Nationen zur Weltregierung zu formen, statt sich auf gutmeinende Pseudo-Aktivitäten einzulassen. Hier haben sich zwei getroffen, die einer Verstaatlichung der Welt durch die vielen Staaten nicht weiter zusehen, sondern eine Weltregierung als Ausdruck einer internationalen Gemeinschaft installieren wollten. Doch bis heute wollen weder die Eliten der Nationalstaaten, noch globale Aktivisten soweit denken. Sie bevorzugen das von großen Polizeiaufgeboten geschützte Schaulaufen zu den Weltgipfeln der Staatsmänner, die merkwürdigerweise weit abseits der Vereinten Nationen stattfinden, mit dem jeweiligen UNO-Generalsekretär als gelegentlichen Zaungast.

Information

Hans Göttel ist Studienleiter des Europahauses Burgenland und Autor des Buches "Dag Hammarskjöld für kosmopolitische Passagen" (erschienen im Verlag Akademie Pannonien), das am 19. September in der Donaucitykirche (bei der UNO-City) präsentiert wird (18.00 Uhr).

Für die globale Friedens- und Entwicklungsarbeit war aus Hammarskjölds Sicht nicht die Politik, sondern die Diplomatie zuständig, und er machte mit seiner Chinareise im Jänner 1955 gleich vor, wie das funktionieren könnte. Die Weltöffentlichkeit staunte nicht schlecht, als der Generalsekretär der Vereinten Nationen ohne Mandat in ein Land aufbrach, das gar nicht Mitglied der UNO, vielmehr völlig isoliert war, um dort inhaftierte US-Piloten, die im Zuge des Koreakrieges abgefangen und der Spionage verdächtigt wurden, zu befreien.

Begegnung mit KP-Chef

Es verbreiteten sich Legenden, wonach Hammarskjöld mit dem damaligen Premierminister und Führer der Kommunistischen Partei, Chou En-Lai, gar nicht über die gefangenen Piloten, sondern nächtelang über östliche und westliche Philosophien geplaudert haben soll, was allerdings so nicht stimmt. Die Verhandlungen waren hart und Hammarskjöld war in der Sache mitsamt seinen hervorragenden Beratern auf verlorenem Posten. Aber, in der historischen Begegnung des westlichen und östlichen Mandarins war die Sympathie als Dritte mit im Bunde - und so ist es gekommen, dass Hammarskjöld ein paar Monate später einen Großteil der inhaftierten Amerikaner freibekam, und zwar genau an seinem Geburtstag (29. Juli), verbunden mit persönlichen Glückwünschen Chou En-Lais. Das verschaffte ihm mit einem Schlag die Reputation, die er so dringend für sein Amt brauchte.

Mit seinem Einsatz zur Lösung der Suezkrise 1956 und der Gründung der UN-Friedenstruppen avancierte Hammarskjöld zum allseits anerkannten trouble shooter. "Leave it to Dag" hieß es nun immer öfters, wenn ein internationaler Krisenherd zu managen war - und Hammarskjöld nützte seine Möglichkeiten, um die Vereinten Nationen Schritt für Schritt als eigenständigen Akteur auf die Weltbühne zu stellen.

Seine überragenden diplomatischen Fähigkeiten, die er in Stellung brachte, um die verstaatlichte Welt zu überwinden und internationale Gemeinschaften zu formen, zehrten von einer besonderen Kraftquelle. Erst nach seinem Tod, als sein Tagebuch "Zeichen am Weg" erschienen war, vernahm die Welt den bisher verborgenen Mystiker. Nun begann man auch seine vielen Reden und Korrespondenzen mit Schriftstellern und Künstlern genauer zu lesen.

Viele, vor allem seine Landsleute in Schweden, erschraken angesichts einer Überzeugung, wonach das Weltgeschehen ein geistiges Gebilde sei, für das die Politik besser keine Zuständigkeit reklamieren sollte. Hammarskjöld dachte an internationale Gemeinschaften, die nicht aus den Interessen der Staaten, sondern aus einem gemeinsamen Geist der Menschen und Völker geformt werden sollten. Universitäten, Kirchen, Künstler und Intellektuelle waren für ihn die Agenten solch internationaler Gemeinschaften, während sich seine internationalen Beamten diplomatisch um die vielen Krisen in allen Erdteilen kümmerten.

Vorlbilder Kant, Linné

Auch der Philosoph Immanuel Kant, Autor des Aufsatzes über die "Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht", nahm, um kosmopolitisch weiter zu kommen, eine Abtrennung von der Politik vor und verwies auf den Unterschied zwischen moralischem und politischem Ideal: letzteres hat kein umfassendes Commonwealth im Sinn, sondern nur eine Föderation von Staaten.

Ein Modell für die Figur des Weltbürgers fand Hammarskjöld in seinem Landsmann, Carl von Linné (1707-1778), der den Pflanzen und Tieren ihren Namen gab. In ihm sah er das Vorbild für einen Europäer und Weltbürger, einen representative man im Sinne von Ralph Waldo Emerson (1803-1882). Ein solcher Mensch hebt sich aus der Masse der Mitmenschen durch die höchstmögliche Aktualisierung von Eigenschaften, die im Prinzip in allen Menschen angelegt sind, heraus.

An den paradigmatischen Gestalten von Linné und Hammarskjöld wird deutlich, dass Internationalität und Verwurzelung in der eigenen Nation programmatisch verbunden gehören: demnach sind nur weltoffene Bürger "wahre Schweden" - so wie "Deutschheit" sowohl bei den Aufklärern wie auch bei den Romantikern mit weltbürgerlicher Gesinnung verknüpft war. Für Novalis etwa bedeutete Deutschheit eine Verbindung von "Kosmopolitismus mit der kräftigsten Individualität".


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Dokument erstellt am 2017-09-14 17:00:14
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21. November 1817
21. November 1817

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