• vom 01.03.2012, 15:27 Uhr

Klima

Update: 01.03.2012, 15:33 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Wie gefährlich sind niedrige Dosen wirklich?

Alles nur Strahlenphobie?: Fukushima und die Gesundheitsgefahren



  • Viele Japaner haben nach dem GAU in Fukushima Angst.
  • Untersuchungen laufen.

Warabi. Akiko legt den Geigerzähler auf den Tisch und blättert in Listen radioaktiver Messdaten. "Unsere Stadt plant einen Schulausflug nach Nikko, aber da sind die Strahlenwerte zu hoch", klagt die junge Mutter, die ihren echten Namen lieber nicht nennen will. 0,202 Mikrosievert pro Stunde seien dort gemessen worden. Das liegt zwar deutlich unter dem Grenzwert von einem Mikrosievert. Bei ihr in Warabi aber liege der Richtwert für Dekontaminierungen bei 0,19 Mikrosievert. "Warum müssen die Kinder ausgerechnet nach Nikko? Es ist schwer, den Beamten das klar zu machen", klagt die Japanerin.

Werbung

  Doch nicht nur in ihrem Heimatort Warabi, der immerhin 220 Kilometer vom havarierten AKW Fukushima Daiichi entfernt liegt, findet man Akikos Sorge übertrieben. Auch die Regierung und manche Experten halten niedrige Dosen für unbedenklich. Mütter wie Akiko, die dennoch Angst um ihre Kinder haben, können oft mit niemandem darüber reden und müssen sich selbst von Ärzten mitunter anhören, sie seien "hysterisch" und sollten mit ihrer Strahlenphobie aufhören.

Wie gefährlich sind niedrige Dosen wirklich? 
Im vergangenen November, rund neun Monate nach Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März, berief die Regierung ein Expertengremium ein. Nach nur vier Wochen kam es zu dem Schluss, dass das Gesundheitsrisiko durch eine Strahlenbelastung von 20 Millisievert im Jahr - dem Grenzwert für Evakuierungen - "niedriger ist als andere Krebsursachen" wie etwa Rauchen. Doch derartige Vergleiche können viele Japaner nicht überzeugen. Wie gefährlich sind niedrige Dosen wirklich?

  Unter Wissenschaftern ist diese Frage umstritten. In Japan laufen deswegen eine Reihe von Untersuchungen, auch, um die Bevölkerung zu beruhigen. So führt die Präfektur Fukushima seit Ende Juni 2011 eine Befragung unter allen seinen zwei Millionen Bürgern durch, um herauszufinden, welcher Strahlung sie ausgesetzt waren. Sie werden befragt, wo sie am 11. März und an den folgenden Tagen zu welcher Uhrzeit waren und auch, was sie in den ersten zwei Wochen gegessen haben. Die Daten werden dann mit der Verbreitung der radioaktiven Wolke abgeglichen und so die Strahlendosis nachträglich berechnet.

Untersuchungen laufen  
Doch haben nicht nur viele Menschen vergessen, was sie in den dramatischen Tagen nach "3/11" genau gemacht hatten. Auch schlägt dem Leiter der Untersuchung, Shunichi Yamashita, der an Studien über die Überlebenden des Atombombenabwurfs auf Nagasaki mitwirkte und die Folgen von Tschernobyl mit untersuchte, Widerstand entgegen. Er war durch anfangs abwiegelnde Äußerungen zur Reizfigur geworden. Bis Ende Jänner hatte nur ein Bruchteil der befragten Bürger in Fukushima ihren Fragebogen abgegeben. Yamashita behauptete unter anderem, es gebe für Jahresdosen von unter 100 Millisievert - normalerweise der Grenzwert für AKW-Arbeiter - keine Beweise für erhöhte Krebsraten.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-03-01 15:30:26
Letzte Änderung am 2012-03-01 15:33:11


Beliebte Inhalte



Der Satellit beherbergte zahlreiche Species. - Bild: Roskosmos
  • De Biosputnik ist zurück.
  • weiter

  • Neue Arbeitsgruppe erforscht große Fragen zur Entstehung des Universums.
  • weiter

Als Edi Finger "narrisch" wurde: Hans Krankl schickt mit seinem Siegestreffer von Córdoba das deutsche Nationalteam bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 nach Hause. - Schnoerrer/epa/PictureDesk.com Wien. Welcher Raum bietet den idealen Rahmen für eine Ausstellung über "Meldungen, die Österreich bewegten"? Richtig...weiter

Der Innsbrucker Quantenphysiker Peter Zoller ist kürzlich in Jerusalem mit dem renommierten Wolf-Preis für Physik 2013 ausgezeichnet worden. - APAweb/EPA/ABIR SULTAN
  • Peter Zoller für "grundlegende Beiträge zur Quantenoptik und zur Physik von Quantengasen" mit Wolf-Preis geehrt.
  • weiter

Marienkäfer: asiatisch (l.) und europäisch. - corbis
  • Asiatische Marienkäfer infizieren und dezimieren ihre europäischen Verwandten.
  • weiter

Beim Klonen entnahmen die US-Wissenschafter unter anderem der Eizelle den Kern. - OHSU/dpa
  • Forscher klonen erstmals menschliche Stammzellen, daraus wird jedoch noch kein geklontes Kind geboren.
  • weiter

Der Satellit beherbergte zahlreiche Species. - Bild: Roskosmos
  • De Biosputnik ist zurück.
  • weiter

Dank und viel Beifall für Helmut Denk. - apa/Hochmuth
  • Scheidendes ÖAW-Präsidium zieht positive Bilanz und erhält Anerkennung.
  • weiter

Klonen kann gefährlich sein, wie Steven Spielbergs "Jurassic Park" zeigt. - apa/Universal/Amblin
  • Klonen ist ein zentrales Thema der Science Fiction in Film und Literatur.
  • weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung