• vom 21.10.2012, 09:00 Uhr

Klima

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Die Kunst des Heizens


Von Christian Hoffmann

  • Wärme braucht Energie und Energie ist teuer. Wie also kann man möglichst vernünftig heizen? Das "Wiener Journal" erkundigt sich bei Spezialisten für Energiemanagement.

 - © Jean Kobben - Fotolia

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Ernst Primas und die Firma Omtec bieten Energieberatung an. Mit Hilfe von Datenloggern wird der Energieverbrauch sowohl von Privaten als auch von Firmen erfasst und auf Möglichkeiten zur Einsparung untersucht. Deswegen hat Ernst Primas schon viele Heizungen gesehen und kennt viele Fälle, in denen Energie auf bizarre Weise verloren geht.

Falsche Einstellungen im Heizsystem sind eine der häufigsten Ursachen für den Verlust von Energie. Zum Beispiel in dem Einfamilienhaus, in dem die Ventile zur Fußbodenheizung im Obergeschoß irrtümlich geschlossen waren und die Therme zu immer höheren Leistungen angetrieben wurde, um halbwegs erträgliche Temperaturen zu liefern. Oder das Warmwasser permanent auf 85 Grad aufgeheizt wurde - 24 Stunden 365 Tage im Jahr -, obwohl man maximal 60 Grad und das nur am Morgen und am Abend braucht. "So läuft das meistens ab", sagt Ernst Primas. "Im oberen Stockwerk bleibt es kühl und dann legt der Laie selbst Hand an." Dann wird dort einem Ventil gedreht und da ein Schalter umgelegt, was nur mit sehr viel Glück zu einem guten Ergebnis führt. Die modernen Heizungssysteme sind nämlich so komplex, dass auch unter den Installateuren meistens nur die befriedigende Ergebnisse erzielen, die eigens auf eine bestimmte Marke geschult sind.

Information

INTERNET:
Omtec Energiemanagement: www.omtec.at
Central Danube: www.centraldanube.at

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Firmenkunden geht es dabei nicht besser. Zu den legendären Fällen des Ernst Primas gehört zum Beispiel eine Firma mit einem Verkaufslokal, deren Mitarbeiter sich über die morgendliche Kälte in den Arbeitsräumen beschwerten. Zugleich war die Vorlauftemperatur der Heizung, mit der das Wasser in den Heizkreislauf gepumpt wird, auf geradezu fantastische 80 Grad eingestellt. Und außerdem zeigte eine Auswertung der Daten, dass gegen 23 Uhr, wenn niemand mehr in den Geschäftsräumen anwesend war, weder Kunden noch Mitarbeiter, die beinahe tropische Temperatur von 28 Grad herrschte.

Auch hier war die Lösung dieselbe wie in dem zuvor erwähnten Einfamilienhaus. Das System war auf das Programm zwei "Einfamilienhaus" eingestellt, das die Temperauren zwischen 23 Uhr und sechs Uhr absenkte, mit dem Effekt, dass es morgens bei Arbeitsbeginn um sechs Uhr unangenehm kalt war. Als sich die Mitarbeiter beim Haustechniker darüber beschwerten, tat der das, was die meisten Laien auch tun: Er erhöhte Schritt für Schritt die Vorlauftemperatur, ohne etwas an der falschen Programmierung zu ändern. Das Ergebnis war niemals zufriedenstellend, die Energierechnung dementsprechend hoch. Mit einer richtigen Einstellung des Programms war das Problem einfach zu beheben.

Umwälzungen

Das sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass sich eine einfache Überprüfung der Heizanlage bei den Energiekosten auswirkt. "Außerdem gilt natürlich immer noch", ergänzte Ernst Primas, "dass etwa ein Grad weniger Raumtemperatur die Energiekosten um etwa sechs Prozent senkt." Wenn man dann auch noch vernünftig lüftet, also kürzer und öfter, anstatt Fenster lange offen stehen zu lassen, dann wirken sich schon diese einfachen Maßnahmen spürbar in der Abrechnung aus.

Natürlich gibt es auch viel krassere Fälle. Ernst Primas lacht, wenn er von dem Bürogebäude mit Glasfronten erzählt, das er mit der Firma Omtec untersucht hat. Eine der Glasfronten schaute nach Süden, die andere nach Norden. An sonnigen Wintertagen stiegen im Gegensatz zur Nordfront die Temperaturen an der Südfront deutlich an, was die Klimaanlage auf den Plan rief, deren Messfühler in den südseitigen Büros die Temperaturen zu hoch fanden. "Wirklich, so etwas gibt es!", sagt er. "Die Klimaanlage arbeitet gegen die Heizung." In solchen Fällen erarbeitet dann die Firma Omtec ein gesamtes Konzept, das alle Details von Heizung, Klima und Lüftung einschließt.


© Quelle: APA © Quelle: APA

Doch zurück in die Welt der privaten Heizer und deren Kampf um ein behagliches Raumklima: Neben der Einstellung des Systems gibt es da noch ein geheimnisvolles Wesen, das viele nie beachten und das trotzdem auf das Alltagsleben der Bewohner einen beträchtlichen Einfluss hat: die Pumpe, die das heiße Wasser zu den Heizkörpern transportiert. Die meisten dieser Pumpen verfügen über mindestens drei mögliche Einstellungen und wenn von denen die richtige im Einsatz ist, wird abermals Energie gespart. Die beste Wahl sind heutzutage natürlich drehzahlgeregelte Umwälzpumpen, die von sich aus wissen, wie viel Wasser wann in den Heizkreislauf zu pumpen ist und überflüssigen Aufwand sparen. Eine Investition von rund 100 Euro für die Pumpe plus Arbeitszeit zum Einbau kann sich in einem relativ kurzen Zeitraum bezahlt machen.

Ein dritter Punkt, mit dem sich beim Heizen bei gleichem Ergebnis Kosten drastisch senken lassen, ist der Einsatz von Brennwertkesseln. Bei dieser Technik wird die Wärme der vom Heizkessel erzeugten Abgase noch einmal genutzt. Sie gilt zwar schon seit gut zwanzig Jahren als der letzte Stand der Entwicklung, wird aber in vielen älteren Anlagen noch nicht genutzt. Man kann damit mindestens zehn Prozent, bei älteren Kessel sogar bis 25 Prozent an Energie gewinnen. Eine andere Zahl kann die Dimension ebenfalls gut verdeutlichen: Während alte Ölheizkessel ihre Abgase mit ungefähr 180 Grad Celsius abgegeben haben, bleiben bei modernen Brennwertkesseln in Kombination mit einem Niedertemperatur-Heizsystem gerade einmal 60 bis 70 Grad. Manchmal ergeben sich aus diesem Punkt auch Schwierigkeiten beim Umrüsten, weil so mancher ältere Kamin die höhere Temperatur braucht, um entsprechenden Zug zu entwickeln und auch mit der entstehenden Feuchtigkeit fertigzuwerden.

Ein Grad weniger Raumtemperatur entspricht zehn Prozent niedrigerem Verbrauch.

Ein Grad weniger Raumtemperatur entspricht zehn Prozent niedrigerem Verbrauch.© Ziegler Ein Grad weniger Raumtemperatur entspricht zehn Prozent niedrigerem Verbrauch.© Ziegler




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-15 10:24:17
Letzte Änderung am 2012-10-19 16:14:06


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