• vom 11.06.2013, 17:32 Uhr

Klima


Naturschutz

Neue Arten bringen neue Gefahren




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Von Heiner Boberski

  • Bisher größtes Treffen von Forschern und Managern über praktischen Naturschutz in Zeiten des Klimawandels
  • Im Lebensraum Hochgebirge verändern sich Fauna und Flora, aber nicht nur dort.

Sauters Felsenblümchen (Draba sauteri) kommt nur in den nördlichen Kalkalpen vor.

Sauters Felsenblümchen (Draba sauteri) kommt nur in den nördlichen Kalkalpen vor.© wikimedia Sauters Felsenblümchen (Draba sauteri) kommt nur in den nördlichen Kalkalpen vor.© wikimedia

Mittersill/Wien. Es ist nicht nur der Klimawandel, der in jüngster Zeit, zum Teil dramatisch, Naturlandschaften verändert. "Wir prangern Länder in den Tropen an, wenn sie den Regenwald abholzen, aber wir zerstören unsere Umwelt genauso", sagt Christian Komposch, Zoologe und Geschäftsführer der privaten Einrichtung "Oekoteam - Institut für Tierökologie und Naturraumplanung" in Graz. "Unsere Art der Landnutzung hat Effekte auf die gesamte Biosphäre", ergänzt Harald Pauli, Botaniker am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beide Experten nehmen am heute zu Ende gehenden fünften Forschungssymposium des Nationalparks Hohe Tauern in Mittersill zum Thema "Dynamik und Naturschutz in Schutzgebieten" teil.


Komposch spricht von einem "außerordentlichen Ort der Begegnung". Das bisher größte Treffen dieser Art im Alpenraum versammelt an die 300 Forscher und Praktiker, Manager aus dem Bereich Naturschutz, das Programm umfasst Sitzungen und Workshops mit 77 Referenten aus 14 Nationen sowie zahlreiche Posterpräsentationen. Der Koordinatorin der Veranstaltung, Kristina Bauch vom Nationalpark Hohe Tauern, zollt Komposch für ihre Leistung höchste Anerkennung.

Die Naturschutzgebiete stehen vor der Herausforderung, den Lebensraum für wenige Exemplare rar gewordener Arten zu schützen und die Biodiversität möglichst zu erhalten. Die klimatischen Veränderungen, so Harald Pauli, führen dazu, dass Pflanzen, denen es in tieferen Lagen zu warm wird, immer höhere Etagen besiedeln müssen, dort aber wieder andere verdrängen. Im Ural sei der Wald im 20. Jahrhundert innerhalb von 70 Jahren um etwa 100 Meter höher gewandert. Viele Pflanzen könnten lange aushalten, sagt Pauli, aber einige seltene drohen ganz zu verschwinden, etwa Sauters Felsenblümchen, benannt nach einem österreichischen Botaniker aus dem 19. Jahrhundert.

Es sind, so Komposch, der Spezialist für Spinnen und Kleintiere ist, vor allem die an wenigen Standorten im Gebirge heimischen "Endemiten" im Pflanzen- und Tierreich, mit deren völligem Aussterben zu rechnen ist, wenn ihr Lebensraum zerstört wird. Sie brauchen als "Relikte der Eiszeit" genau jene kühle Umgebung, in der sie bisher gelebt haben.

Malaria-Mücke und Schwarze Witwe stehen vor der Tür
Als Koordinator des 1987 gegründeten Netzwerks "Gloria" (Global Observation Research Initiative in Alpine Environments), das sich zunächst mit den botanischen Veränderungen im Alpenraum befasste und heute weltweit auch zoologische und geologische Auswirkungen des Klimawandels in Gebirgsregionen erfasst und analysiert, weiß Harald Pauli, dass die Alpen vergleichsweise noch gut dastehen. Allgemein, vor allem in trockeneren, niederschlagsärmeren Zonen werden Gebirge immer instabiler, es kommt verstärkt zu Bergstürzen.

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Dokument erstellt am 2013-06-11 17:35:05



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