• vom 30.11.2016, 17:23 Uhr

Klima


Klimawandel

"Neue Eiszeit werden wir nicht haben"




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Von Eva Stanzl

  • Der Klimawandel könnte die Erde noch härter treffen, als die Modelle vorhersagen - EU und China müssen Druck auf eine Regierung Donald Trump aufbauen, sagt der ehemalige US-Energieminister und Physik-Nobelpreisträger Steven Chu.

"Arktische Lawine": Steven Chu ist ein humorvoller Mann - aber mit einer ernsten Botschaft.

"Arktische Lawine": Steven Chu ist ein humorvoller Mann - aber mit einer ernsten Botschaft.© reu/Ernst "Arktische Lawine": Steven Chu ist ein humorvoller Mann - aber mit einer ernsten Botschaft.© reu/Ernst

Wien. Stellen Sie sich vor, Sie haben Beschwerden und gehen zum Arzt. Nach umfassenden Untersuchungen stellt er die Diagnose Diabetes Typ 2. Würden Sie ihm entgegnen: "Sie lügen", den Befund ignorieren, weiterhin täglich Kuchen essen und behaupten, Diabetes sei eine Erfindung der Chinesen? Wenn ja, dann würden Sie sich so verhalten wie der designierte US-Präsident Donald Trump, der den Klimawandel als Schwindel bezeichnet.

Anders als Trump würde der Quantenphysiker Steven Chu reagieren, der in der Regierung Barack Obama 1 von 2009 bis 2013 das Amt des Energieministers innehatte. "Bei einer ernsten Diagnose würde ich eine zweite Meinung einholen. Danach würde ich aber keine weiteren 10.000 Ärzte konsultieren in der Hoffnung, dass mir irgendeiner beste Gesundheit bescheinigt", sagte Chu am Mittwoch scherzhaft vor Journalisten - und ernst: "Ich weiß nicht, wie viele Meinungen Donald Trump zum Klimawandel eingeholt hat. Aber einige Leute stemmen sich gegen die Klimaprognosen - hier scheint es eine Korrelation mit der Ölindustrie zu geben." Ähnlich wie Vertreter der Tabakindustrie würden auch sie eine Illusion trotz erdrückender Beweise so lange wie möglich aufrechterhalten.

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"Das meiste ist Quatsch"
Ganz genau so geschehen am Sonntagabend, als Reince Priebus, der designierte Stabschef des künftigen US-Präsidenten, Amerikas harte Haltung gegen den Klimawandel bekräftigte. Trump hatte zuvor in einem Interview mit der "New York Times" die Abtrünnigkeit begangen, eine unvoreingenommene Haltung zum Pariser Klimaabkommen in Aussicht zu stellen, anstatt gemäß seiner Wahlkampfrhetorik rundweg aus den Klimazielen auszusteigen. "Das Einzige, was er (Trump) gemeint hat, ist, dass er sich unvoreingenommen alle Positionen anhören wird, von denen die meisten Quatsch sind, aber es bleibt bei Nichteinhaltung", sagte Priebus. Soll heißen: Oberstes Ziel sei die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie und kein Klimaabkommen werde dies verhindern.

Der Physik-Nobelpreisträger Chu, der am Mittwochabend am Institute of Science and Technology in Maria Gugging zum Thema "Klimawandel, saubere Energie und Nanotechnologie für Energie" referierte, ist der Ansicht, dass ein Nein zu den Klimazielen nicht so ohne weiteres möglich ist. "Es scheint so zu sein, dass ein Ausstieg erst in drei Jahren wirksam wird", sagte er. Trump könnte allerdings bereits jetzt von Präsident Obama gesetzte Schritte zurückfahren, und das könne sehr bald Schaden anrichten. "Leider haben wir nicht die Zeit, das Ende seiner Amtszeit abzuwarten, um danach unsere Bemühungen wieder aufzunehmen", warnt Chu.

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Dokument erstellt am 2016-11-30 17:26:05



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