• vom 01.08.2017, 16:24 Uhr

Klima

Update: 01.08.2017, 16:52 Uhr

Menschheit

Ressourcen verbraucht




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  • Die Welt befindet sich ab Mittwoch im Öko-Defizit. Ab jetzt leben wir von 2018.

Der ökologische Fußabdruck ist in Industrienationen besonders groß. - © Fotolia/Africa Studio

Der ökologische Fußabdruck ist in Industrienationen besonders groß. © Fotolia/Africa Studio

Wien. (gral) Die globale Industrie und ihre Konsumenten belasten die Atmosphäre mit Treibhausgasen stärker, als diese sie absorbieren kann. Die Wälder werden schneller abgeholzt, als sie sich regenerieren können. Weltweit werden mehr Fische gegessen als geboren. Die industrielle Landwirtschaft nimmt die fruchtbaren Böden in Beschlag, sodass immer mehr Tiere für den Menschen gedachte Nahrungsressourcen verzehren. All diese Prozesse führen dazu, dass das Naturkapital der Erde nach und nach aufgebraucht wird - und das sogar viel schneller, als uns lieb ist, warnen das Global Footprint Network sowie die Umweltorganisationen WWF und Global 2000.

Leben vom Vorrat der Zukunft
In diesem Jahr habe die Menschheit den Plattformen zufolge bereits in den ersten sieben Monaten ihr gesamtes Jahreseinkommen an erneuerbaren Umweltressourcen aufgebraucht - Experten sprechen vom sogenannten Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day), der heuer auf das früheste Datum seit dem Beginn der Überlastung des Planeten in den 1970er Jahren fällt. Die für das Jahr 2017 natürlich verfügbaren Ressourcen sind also aufgebraucht. Ab heute, Mittwoch, leben wir daher für den Rest des Jahres von den Vorräten der Zukunft.

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Dabei sei zu bedenken, "dass weltweit immer noch viele Milliarden Menschen in bitterer Armut und mit sehr kleinen Footprints leben", schreibt der WWF auf seiner Homepage. Die Übernutzung finde nur durch eine globale Minderheit statt, zu der auch wir Europäer gehören. Immerhin 60 Prozent des weltweiten ökologischen Fußabdrucks verursachen die reichen Länder alleine durch ihren CO2-Ausstoß. Würden alle Menschen so leben wollen wie wir, bräuchte es demnach drei Planeten, um die Ressourcen bereitzustellen.

Die Konsequenzen aus diesem besonders hohen Verbrauch seien etwa Wetterextreme, Hungersnöte und Artensterben, betonen die Experten unisono. Ökosysteme wie Korallenriffe, tropische Regenwälder oder ganze Flusssysteme drohten zu verschwinden. Knapper werdende Ressourcen gelten auch als Ursache für Konflikte und Kriege.

Seit Jahren rutscht das Datum des Welterschöpfungstages im Kalender nach vorne. Würden alle Menschen so wie wir Österreicher leben, befände sich die Erde heuer gar bereits seit dem 11. April im ökologischen Defizit. Aus Sicht des WWF könne die Öko-Schuld der Alpenrepublik nur durch eine systematische Halbierung des Energieverbrauchs und den Umstieg auf naturverträgliche, erneuerbare Energieversorgung abgebaut werden.

Sparsamer Lebensstil gefordert
Neben dem hohen Energieverbrauch schreitet hierzulande aber auch die Verbauung der Natur voran. Nach wir vor gehen täglich rund 15 Hektar wertvoller Boden unter Asphalt und Beton verloren. Das sei das Sechsfache des Zielwertes in der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie. Durch diese Verbauung wird dem Boden die Fähigkeit zum Speichern von CO2 und Wasser genommen.

Dass der Welterschöpfungstag erst später im Jahr erreicht wird, liegt an Schwellen- und Entwicklungsländern mit niedrigerem Verbrauch. Berechnet wird dieser Stichtag mit dem ökologischen Fußabdruck - eine Art Buchhaltungssystem für die Ressourcen der Erde. Einerseits steht das Angebot etwa an Wäldern, Feldern, Gewässern. Andererseits geht es um den Bedarf des Menschen, etwa um Energie zu gewinnen, zu bauen oder Vieh zu halten. Auch Abgase und Abfälle spielen eine Rolle, wodurch der Fußabdruck von Industrienationen groß ist.

Um diesen aktiv zu verkleinern, empfehlen Umweltschützer, häufiger vegetarisch zu essen, Lebensmittelabfälle zu vermeiden und sparsamer zu heizen. Ebenso fallen Flugreisen und Autofahrten stärker ins Gewicht als öffentliche Verkehrsmittel.

Als zentrales Staatsziel fordert die Plattform Footprint die Umsetzung aller von den Vereinten Nationen festgelegten sogenannten Sustainable Development Goals. Diese Ziele für nachhaltige Entwicklung traten am 1. Jänner 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren in Kraft und gelten für alle Staaten. Der WWF fordert für Österreich vor allem eine nachhaltigere Ausrichtung der Landwirtschaft mit mehr Ökolandbau sowie einen unumkehrbaren Kohleausstieg.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-01 16:30:06
Letzte ńnderung am 2017-08-01 16:52:53



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