• vom 13.11.2017, 17:00 Uhr

Klima


Umweltschutz

Warnung als Weckruf




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  • 15.000 Forscher ziehen ernüchternde Bilanz zum Zustand der Erde. CO2-Ausstoß steigt wieder.



Corvallis/Bonn/Wien. (gral/apa) Während seit Sonntag Politik und Wissenschaft bei der Bonner Weltklimakonferenz beraten, warteten Forscher am Montag mit einer schlechten Nachricht auf. Nach drei Jahren der Stabilität sei einer Studie zufolge der CO2-Ausstoß in diesem Jahr wieder angestiegen. Für 2017 sei ein Anstieg der globalen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Industrie um etwa zwei Prozent zu erwarten, beziffert das Global Carbon Project in seinem Jahresbericht. Bis Ende des Jahres würden die weltweiten Emissionen etwa 41 Gigatonnen betragen.

Bei diesem Rekordwert werde das globale Kohlenstoffbudget innerhalb von 20 bis 30 Jahren aufgebraucht sein. Danach werde es nicht mehr möglich sein, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, wie es 2015 in Paris vereinbart worden war.


Die wichtigsten Trends
Diesen Entwicklungen folgend, haben nun mehr als 15.000 Forscher aus 184 Ländern eine "Warnung an die Menschheit" abgegeben. Die im Fachblatt "BioScience" veröffentlichte Aufforderung zu konsequentem Umweltschutz ist der zweite Aufruf nach einem ersten vor 25 Jahren. Damals hatten 1700 Forscher neun drängende Problemfelder wie Klimawandel, Waldabholzung und Schwinden der Artenvielfalt beschrieben. Außer bei der Stabilisierung der Ozonschicht hätten die Menschen seither viel zu wenige Fortschritte gemacht, schreibt der Ökologe und Erstautor William Ripple von der Oregon State University. "Alarmierenderweise hat sich das meiste sogar verschlechtert."

In ihrer Warnung zeigen die Autoren wichtige Trends der letzten 25 Jahre auf: Das Bevölkerungswachstum hält an. Demzufolge reduziert sich stetig die Menge des pro Kopf verfügbaren Trinkwassers. Durch Dünger und Erdöl hat die Zahl sauerstoffarmer Todeszonen in den Ozeanen um etwa 75 Prozent zugenommen. Viele Fischarten sind bedroht. Das Tempo der Waldrodungen hat sich teils verlangsamt, dennoch gehen nach wie vor Wälder als Kohlendioxid-Speicher verloren. Um die Artenvielfalt ist es somit schlecht bestellt. Das Jahresmittel der weltweiten Oberflächen-Temperaturen zeigt über 25 Jahre ein Plus von 168 Prozent.

Positiv heben die Forscher neben der Stabilisierung der Ozonschicht den Aufwind bei den erneuerbaren Energien hervor. Zudem sinke in Regionen, in denen in Bildung von Mädchen und Frauen investiert werde, die Geburtenrate. Für mehr Veränderungen brauche es aber eine breite Welle öffentlichen Drucks auf die Politik, sind die Autoren überzeugt. Mögliche Maßnahmen seien eine Ausweitung der Schutzgebiete, mehr Einschränkungen für den Handel mit Wildtier-Produkten, Programme für Familienplanung und Bildung von Frauen sowie die Förderung einer stärker Pflanzenbasierten Ernährung, erneuerbarer Energien und nachhaltiger Technologie.

Langfristiger Klimawandel
Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre spielt eine besonders große Rolle. Er entscheidet darüber, ob sich die Erde in einem Treibhaus- oder Eishaus-Zustand befindet. Bevor der Mensch begann, die CO2-Konzentration zu beeinflussen, wurde diese allein durch ein Wechselspiel von geologischen und biologischen Prozessen, dem globalen Kohlenstoffkreislauf,bestimmt. Die Temperaturveränderungen auf der Erde sind daher nicht nur ein Resultat der menschlichen Aktivität. Wie eine Studie des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) Potsdam zeigt, trug auch das Auseinanderbrechen von Kontinenten maßgeblich zu einem erhöhten Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre bei. Auch bei heutigen Grabensystemen - etwa dem Ostafrikanische Rift oder dem Eger-Rift in Tschechien - kommt es zu Entgasungen. Diese CO2-Freisetzung entspreche zwar nur einem Bruchteil der derzeitigen menschlichen Kohlendioxidfreisetzung, doch die Vergangenheit zeige, dass dieser Kohlenstoffkreislauf den langfristigen Klimawandel schon über Jahrmillionen hinweg steuert, so die GFZ-Forscher im Fachblatt "Nature Geoscience".




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Dokument erstellt am 2017-11-13 17:02:05



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