• vom 03.05.2012, 16:45 Uhr

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Mehr Frühchen durch Zivilisationskrankheiten und späte Mutterschaft

Zu früh und doch versorgt


Von Alexandra Grass

  • UN-Report: Weltweit sterben jährlich eine Million Frühgeborener.

Die Neonatologie kann immer mehr Winzlingen unter die Arme greifen. - © © Tom Stewart/CORBIS

Die Neonatologie kann immer mehr Winzlingen unter die Arme greifen. © © Tom Stewart/CORBIS

Wien. Weltweit kommen jedes Jahr 15 Millionen Kinder zu früh zur Welt - Tendenz steigend. 1,1 Millionen dieser Babys sterben kurz darauf, wie der erste Frühgeborenen-Report der Vereinten Nationen aufzeigt. Laut diesem Bericht könnten 75 Prozent der Kinder überleben.

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Auch entwickelte Länder schneiden relativ schlecht ab. Die höchste Quote an Frühchen hat zwar mit 18,1 Prozent Malawi in Südostafrika, die niedrigste Weißrussland mit 4,1 Prozent. Aber auch in den USA werden 12, in Österreich 10,9 und in Deutschland 9,2 Prozent der Kinder zu früh geboren.

Die Gründe dafür sind sehr vielfältig. In den Entwicklungsländern sind es freilich der Mangel an Hygiene, fehlender Schutz vor Infektionen und schlechtes medizinisches Wissen, wo dringender Handlungsbedarf besteht, betont die Südafrikanerin Joy Lawn, eine der Hauptautorinnen der Studie. In Ländern wie etwa Österreich tragen die sogenannten Zivilisationskrankheiten Übergewicht, Bluthochdruck oder verstärktes Rauchen das Ihre dazu bei.

Nicht zu unterschätzen sei allerdings auch der Einfluss der späten Schwangerschaften, betont der Neonatologe Bernhard Resch von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Vor allem zwischen den Schwangerschaftswochen 33 und 36 sei ein deutlicher Anstieg an Frühgeburten zu bemerken. Ein veränderter Hormonstatus bei höherem Alter der werdenden Mutter, häufiger auftretende Komplikationen und eine Zunahme an Mehrlingsgeburten - nicht zuletzt aufgrund vermehrt zur Anwendung kommender künstlicher Befruchtung - können Auslöser für eine Frühgeburt sein.

Das Känguru-Modell
Drei Viertel der Kinder könnten überleben, wenn nur einfachste Maßnahmen ergriffen würden, lässt der Bericht wissen. Etwa das sogenannte Känguru-Mutter-Modell, wobei die Babys, am Bauch getragen, gut warm gehalten werden können. Eine kostengünstige Injektion mit Cortison, die Müttern bei drohender Frühgeburt noch vor der Geburt verabreicht werden kann, um die Lunge des Babys schneller reifen zu lassen, kann dementsprechenden Problemen vorbeugen.

"Einfache Maßnahmen gibt es nicht. Sie sind immer komplex", betont hingegen Resch. "Sorgenpunkt" seien dabei die ganz Kleinen, wobei es in Österreich ethische Richtlinien in der Versorgung gibt. Ein Frühchen wird üblicherweise ab der vollendeten 23. Schwangerschaftswoche - mit dem Einverständnis der Eltern - in der neonatologischen Abteilung betreut. Die Überlebenschance liegt dann bei immerhin 50 Prozent. Etwa ein Drittel davon muss allerdings mit Folgeschädigungen im späteren Leben zurechtkommen. So können spastische Lähmungen, motorische Defizite, kognitive Leistungsschwächen, Lungenerkrankungen, Hörstörungen oder aufgrund vermehrter Sauerstoffgabe Erblindung auftreten.

Alle Chancen der Welt
"Ab der 24. Woche hat ein Kind alle Chancen der Welt, ohne Schäden zu bleiben", so der Mediziner. Das ist auch der Zeitpunkt, an dem die Ärzte von Gesetzes wegen zum Wohle des Kindes über dessen Leben entscheiden dürfen - mitunter auch ohne Einverständnis der Eltern.

Als Meilenstein in der Neonatologie bezeichnet Resch das immer ausgefeiltere "Feintuning" in der Betreuung der Frühchen. Es wird versucht, in der direkten Umgebung die Bauchhöhle der Mutter so gut wie möglich nachzuahmen, um die Entwicklung des Organismus positiv beeinflussen zu können. Über den Brutkasten erhalten die Frühgeborenen die nötige Wärme, der Geräuschpegel wird niedrig gehalten, Farblicht sorgt für eine beruhigende Wirkung und Körperkontakt für die emotionale Bindung.

Wichtig ist der Einsatz von Muttermilch, erklärt der Neonatologe. Mit Eiweiß, Kalzium und Phosphor angereichert, kann das Frühchen der Entwicklung gemäß optimal versorgt werden. Im Gegensatz zu früher sind die Eltern auf den Stationen gerne gesehen, was die Erfolgschancen für die Kinder erheblich vergrößert.




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Dokument erstellt am 2012-05-03 16:50:07


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