• vom 21.06.2012, 16:51 Uhr

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Update: 21.06.2012, 17:15 Uhr
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Wiener Forscher bestätigen erstmals Joseph Schumpeters "Schöpferische Zerstörung"

Warum manche Produkte Geld bringen, andere nicht



  • Komplexe Erzeugnisse auf komplexen Märkten schaffen Wirtschaftswachstum.

Wien. (apa/est) Warum findet ein Produkt reißenden Absatz in Geschäften, und ein anderes ist ein Ladenhüter? Und wie kommt es, dass manche Länder wirtschaftlich kaum vorwärts kommen, während andere reich werden? Die Antwort liegt in der Fähigkeit einer Ökonomie, eine Vielfalt von Produkten herzustellen: Je komplexer das System, aus dem Erzeugnisse entstehen, desto reicher wird ein Land.

Kleidung bringt der Wirtschaft wenig, Technik bringt ihr viel.

Kleidung bringt der Wirtschaft wenig, Technik bringt ihr viel.© Rick Gomez/Corbis Kleidung bringt der Wirtschaft wenig, Technik bringt ihr viel.© Rick Gomez/Corbis

Physiker und Komplexitätsforscher aus Wien und aus den USA sind der Frage nachgegangen, warum nicht alle Nationen ein vergleichbares Wohlstandsniveau erreichen. Mit einem im Online-Fachjournal "PLoS One" publizierten mathematischen Modell konnten sie zeigen, dass eine kritische Masse an komplexen Produkten sowohl die Entwicklung als auch den Absatz noch komplexerer, erfolgreicher Produkte und Innovationen fördert und die Gesamtwirtschaft vorantreibt.

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Die Forscher haben den Export der letzten 50 Jahre in sämtlichen Ländern der Welt analysiert und dabei je 1000 Produkte in Betracht gezogen, um zu bestimmen, wie komplex deren Volkswirtschaften sind. "Danach haben wir ein Modell der Volkswirtschaften erstellt und überprüft, ob die Muster ähnlich sind", erklärt Studienautor Peter Klimek von der Medzinuni Wien,der die Arbeit mit Kollegen der Harvard University durchgeführt hat.

Das Team hat damit erstmals die bereits 1911 vom österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter formulierte These der "Schöpferischen Zerstörung" empirisch nachgewiesen.

Schumpeter analysierte Anfang des 20. Jahrhunderts, wie wirtschaftliche Dynamik entsteht. Als Treiber dieses Prozesses identifizierte er Pionierunternehmer, die stets nach neuen Kombinationsmöglichkeiten für bestehende Güter suchen und diese auch umsetzen. Dadurch würden eingespielte Praktiken verdrängt, was Schumpeter als "Schöpferische Zerstörung" bezeichnete. Innovationen werden demnach schubweise alle paar Jahren auf den Markt gebracht, wodurch sich, ausgehend von den Innovationen, auch die jeweiligen Volkswirtschaften in Schüben weiterentwickeln.

Zuvor waren manche Ökonomen davon ausgegangen, dass Volkswirtschaften sich langfristig auf einem ähnlichen Wohlstandsniveau einpendeln sollten. Klimek zufolge gibt es dieses Gleichgewicht aber nicht.

Die Schere klafft weiter auf
Um länderübergreifende Regelmäßigkeiten in den Produktzyklen zu identifizieren, haben er und seine Kollegen auch untersucht, welche Erzeugnisse andere verdrängen. So hätten elektrische und pharmazeutische Produkte in entwickelten Ländern den Platz von Nahrungsmitteln und Kleidung eingenommen. "Das liegt daran, dass die Herstellung eines Medikaments mehr Voraussetzungen und Fähigkeiten benötigt als die Herstellung eines Kleidungsstücks. Sind die Produktionsmittel aber einmal vorhanden, dann sind komplexe Produkte ökonomisch wirtschaftlich erfolgreicher", so Klimek.

Der Prozess der "Schöpferischen Zerstörung" zeigte sich in den Simulationen in den 1990er Jahren am stärksten in Osteuropa und Lateinamerika. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara waren die Effekte hingegen kaum auffindbar.

"Wir wollen damit erklären, warum es seit einem halben Jahrtausend das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle gibt und warum die Schere zwischen den Volkswirtschaften auseinandergeht, anstatt sich zu verkleinern", sagt Klimek. Die Erkenntnisse sollen Entscheidungsträgern neue Informationen liefern, wie sie die wirtschaftliche Produktivität eines Landes erhöht werden können.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-21 16:56:08
Letzte Änderung am 2012-06-21 17:15:34


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