• vom 29.06.2012, 15:46 Uhr

Mensch

Update: 30.06.2012, 14:03 Uhr
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Sich auf Urlaub zu freuen, erfreut Menschen mehr als der Urlaub selbst

Vorfreude wirkt wie eine Droge


Von WZ-Korrespondent Roland Mischke

  • Dopamin, der "Neurotransmitter der Begierde", gibt den Ausschlag.

St. Gallen. Wolfram Schultz staunte nicht schlecht. Der weltweit führende Dopamin-Forscher an der Universität Cambridge in England testet an Menschenaffen, wie dieser Neurotransmitter wirkt. Wie andere Botenstoffe fließt Dopamin zwischen Synapsen, die Andockstellen zur Botenweiterleitung, an Gehirnzellen. Bekamen die Affen nach einer Übung eine Belohnung, nahmen sie diese als selbstverständlich hin: Bananen oder einige Nüsse selbst brachten ihre Körper nicht in Glücksaufruhr. Ein kräftiger Glücksschub schien nur dann die Affengehirne zu befeuern, wenn sie wussten, dass die Belohnung kurz bevorstand. Dann waren die Tiere hoch erregt.

Zur Vorfreude auf den Urlaub gehört oft die Vorstellung makelloser Strände.

Zur Vorfreude auf den Urlaub gehört oft die Vorstellung makelloser Strände.© Cmon - Fotolia Zur Vorfreude auf den Urlaub gehört oft die Vorstellung makelloser Strände.© Cmon - Fotolia

Als ob ein Cocktail von Drogen das Gehirn überflutet
In diesen Wochen rüsten sich Millionen Menschen, um auf Reisen zu gehen. Der Sommerurlaub gilt traditionell als Höhepunkt des Jahres. Die sich da vorbereiten empfinden Spannung, manchmal ein Kribbeln unter der Haut, oder erhoffen sich etwas. Sie können gar nicht anders, denn die Vorfreude auf das Ereignis wirkt wie Speed, als würde das Gehirn von einem gewaltigen Cocktail an Drogen überflutet. Bilder makelloser Strände, sanft buckelnder Landschaften, Abende, die leuchtend im Sonnenuntergang versinken, von einem Abendessen in schönem Ambiente und mehr Zeit für die Liebe. Beim Gedanken an den Urlaub überschwemmen diese Bilder das Bewusstsein.

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Erst seit kurzem wissen Forscher, dass Dopamin des Typs D2 diese Wirkung erzielt. Es erreicht den Nucleus accumbens, jenen Bereich im Mittelhirn, der sofort heftig reagiert auf den "Neurotransmitter der Begierde", wie Dopamin auch genannt wird. Das ist so bei der Vorfreude auf ein Wiedersehen mit einem geliebten Menschen, bei einem anstehenden Sportwettstreit, bei besonderem Essen oder erwartetem Sex.

Stesshormone im Körper werden reduziert
Der Nucleus accumbens, das zentrale Belohnungszentrum im Kopf, aktiviert die Erwartung enorm, indem er ein Hochgefühl auslöst. Das verursacht aber ein Problem. Die Dopamin-Schübe im Vorfeld des Urlaubs sind stark anhaltend, am Zielort angekommen, lassen sie augenblicklich nach, denn das Hirn hat nun nichts mehr, worauf es sich freuen kann. Gleichgültigkeit macht sich breit, oft gepaart mit Langeweile. Es ist alles nicht so toll wie erwartet, es gibt manches zu mäkeln.

"Die Eigenschaft der Dopamin-Neuronen, nur positiv zu antworten, wenn die Belohnung besser als vorausgesagt ausfällt, erklärt womöglich, warum wir ständig mehr Belohnungen brauchen", resümiert Wolfram Schultz. Der Professor empfiehlt deshalb, sich auch im Urlaub Gelegenheiten zu verschaffen - einen Ausflug, eine ungewöhnliche Tagesgestaltung, eine arrangierte Überraschung -, die Vorfreude verursachen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-29 15:53:06
Letzte Änderung am 2012-06-30 14:03:02


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