• vom 03.08.2012, 17:36 Uhr

Mensch

Update: 03.08.2012, 18:24 Uhr
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Im Chat nennt er sich "Invitro" - der Name wurde ihm in die Wiege gelegt

Österreichs erstes Retortenbaby wird 30


Von Petra Tempfer

  • Zlatan Jovanovic wurde als erster Mensch in Österreich durch In-vitro-Fertilisation gezeugt.
  • "Das meiste über meine Entstehung habe ich durch die Medien erfahren."

Wien.

Auf sein neues Auto ist Zlatan Jovanovic besonders stolz, er ist gelernter Mechaniker. Dass er selbst etwas Besonderes ist, wurde ihm erst mit etwa zwölf Jahren bewusst, wie er sagt.

Auf sein neues Auto ist Zlatan Jovanovic besonders stolz, er ist gelernter Mechaniker. Dass er selbst etwas Besonderes ist, wurde ihm erst mit etwa zwölf Jahren bewusst, wie er sagt.© Wiener Zeitung Auf sein neues Auto ist Zlatan Jovanovic besonders stolz, er ist gelernter Mechaniker. Dass er selbst etwas Besonderes ist, wurde ihm erst mit etwa zwölf Jahren bewusst, wie er sagt.© Wiener Zeitung

Als "ganz normal" bezeichnet er sich - ein junger Mann eben, der seinen 30. Geburtstag am Sonntag "am liebsten gar nicht feiern würde, weil er einen daran erinnert, wie alt man schon ist". Dem Medienrummel zu seinem Jubiläum kann er allerdings nicht entgehen. Ist Zlatan Jovanovic doch am 5. August 1982 als erstes Retortenbaby Österreichs nach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) zur Welt gekommen. Das weltweit erste Retortenbaby war vier Jahre früher in Großbritannien geboren worden.

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Dass er etwas Besonderes ist, wurde Zlatan Jovanovic erst in der Hauptschule bewusst. "Als ich in der 2. oder 3. Klasse war, hat meine Lehrerin einen Artikel über mich auf das Klassenbrett gehängt und über das Thema geredet. Da hab ich mich dann auch dafür interessiert", erzählt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das meiste über seine Entstehung habe er über die Medien erfahren - zu Hause sei es nie Gesprächsthema gewesen.

Die Sehnsucht nach
einem Kind war zu groß
Zwar sei er schon als kleines Kind - speziell zu seinen Geburtstagen - oft fotografiert worden. "Nachgefragt habe ich aber nie." Seitdem er 16 Jahre alt ist, gibt er auch Interviews. Heute sind dem gelernten Kfz-Mechaniker, der an einer Wiener Tankstelle arbeitet, die Hintergründe seiner Entstehung bewusst. "Ich bin leider ledig. Aber wäre ich in der Situation, würde ich auch alles versuchen, um mit meiner Frau ein Kind zu haben", sagt er.

Dass seine Geburt einen Medienrummel auslöste, war Baby Zlatan damals, vor 30 Jahren, nicht bewusst: das betreuende Ärzteteam um Wilfried Feichtinger (M.) und Mutter Jovanka (l.).

Dass seine Geburt einen Medienrummel auslöste, war Baby Zlatan damals, vor 30 Jahren, nicht bewusst: das betreuende Ärzteteam um Wilfried Feichtinger (M.) und Mutter Jovanka (l.).Luck Dass seine Geburt einen Medienrummel auslöste, war Baby Zlatan damals, vor 30 Jahren, nicht bewusst: das betreuende Ärzteteam um Wilfried Feichtinger (M.) und Mutter Jovanka (l.).Luck

Seine Mutter Jovanka Jovanovic, eine gebürtige Serbin, war vor 30 Jahren in dieser Situation. Beide Eileiter waren verklebt, sie wurde einfach nicht schwanger. "Ich hatte schon alles Mögliche probiert. Damals war es eine Schande, keine Kinder bekommen zu können. Viele Ehen sind daran zugrunde gegangen", erinnert sie sich. "Ohne Kind war mein Glück nicht komplett. Meine Sehnsucht war zu groß."

Als sie sich mit ihrem Problem an die Wiener Universitäts-Frauenklinik am AKH wandte, lernte sie mehrere junge Gynäkologen kennen, die sich mit In-vitro-Fertilisation beschäftigten. Unter ihnen Wilfried Feichtinger und Peter Kemeter, die vorrangig an der diesbezüglichen Forschung beteiligt waren und später ein privates IVF-Institut gründeten.

"Ich bin mit den Ärzten im Zimmer gesessen, und sie haben mir erklärt, welche Möglichkeiten es noch gäbe, schwanger zu werden. Als ich das von der IVF gehört habe, bin ich in Panik geraten, aufgesprungen und rausgerannt. Ich hab’ Zeit gebraucht, um nachzudenken. Dann bin ich wieder reingegangen und hab’ zugesagt. Aber ich war nicht sicher, dass es gelingt", sagt Jovanka Jovanovic, die damals im Zimmerservice eines Hotels arbeitete; ihr Mann war gelernter Maurer.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-03 17:29:09
Letzte Änderung am 2012-08-03 18:24:10


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