• vom 21.08.2012, 17:02 Uhr

Mensch

Update: 22.08.2012, 17:16 Uhr
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US-Militär investiert 2,4 Millionen Euro in einen Nasenspray, der Selbstmorde verhindert

Sprühstoß gegen den Suizid


Von Alexandra Grass

  • Wissenschafter forscht an der Überwindung der Blut-Hirn-Schranke.

Wien. Alleine im Juli 2012 zählte das US-Militär 38 Selbstmorde in seinen Reihen. Seit Beginn dieses Jahres wurden insgesamt 120 Fälle registriert. Um diesem Problem Herr zu werden, finanziert die Armee jetzt die Erforschung eines Hormon-Sprays. Ein Sprühstoß könnte Suizidgedanken sofort vertreiben.

18- bis 24-Jährige - wie die meisten Armeesoldaten - sind besonders gefährdet.

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Der renommierte Neurowissenschafter und Zellbiologe Michael Kubek von der Indiana School of Medicine hat nun umgerechnet 2,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um - geht es nach den Wünschen der US-Armee - innerhalb von drei Jahren ein anwendbares Produkt zu entwickeln.

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In Zusammenarbeit mit der Purdue-Universität und der Hebräischen Universität in Jerusalem hat Kubek herausgefunden, dass das Hormon Thyreoliberin (TRH) eine wichtige Rolle bei der Verhinderung von Selbstmorden spielt. TRH ist ein Eiweißstoff, der im Hypothalamus, dem wichtigsten Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems, gebildet wird. Dieses Hormon besitzt antidepressive Effekte und wirkt vor allem sehr schnell, wie man bereits seit den 1970er Jahren weiß.

Blut-Hirn-Schranke
Um jedoch wirken zu können, muss TRH auch bis ins Gehirn vordringen können. Dabei gilt es, die sogenannte Blut-Hirn-Schranke zu überwinden - was bis dato das eigentliche Problem darstellt. Die Schranke dient als Schutz für das Gehirn, verhindert aber nicht nur das Eindringen giftiger Substanzen oder potenzieller Krankheitserreger in das Organ, sondern auch die Weiterleitung von Hormonen und Neurotransmittern (Botenstoffen, die Informationen von einer Nervenzelle zur anderen leiten).

Als Soforthilfemaßnahme
Wissenschafter in der ganzen Welt arbeiten stetig daran, Wirkstoffe über nanotechnologisch wirksame Sprays in das Gehirn transportieren zu können. Mit der Nasenspray-Idee sei nun ein neuer Weg gefunden worden, "wie wir es bis ins Gehirn schaffen können", erklärte Kubek im Onlinenachrichtenportal "The Daily". Tabletten, Flüssigkeiten oder Injektionen mit demselben Wirkstoff seien nämlich nicht zielführend.

Der Thyreoliberin-Spray soll vor allem als Soforthilfemaßnahme fungieren. Denn die herkömmlichen Therapiemethoden und Wirkstoffe gegen Depressionen greifen üblicherweise erst nach vier- bis sechswöchiger Anwendung. Es geht dabei aber nicht um einen gänzlichen Ersatz der bisherigen Arzneimittel. Der Hormon-Nasenspray könnte suizidgefährdete Menschen allerdings bis zum Wirkungseintritt der vom Arzt verordneten Antidepressiva sofort stabilisieren.

Das sei wichtig, denn "die Phase unmittelbar nach dem Therapiestart ist ein sehr gefährlicher Zeitrahmen im Leben eines Patienten", betont Ken Duckworth, medizinischer Direktor der Nationale Alliance on Mental Illness, gegenüber "The Daily". Vor allem Patienten zwischen 18 und 24 Jahren - in diesem Alter befinden sich sehr viele Armeesoldaten - sind am meisten gefährdet in dieser Zeit.

Drei-Jahres-Projekt
Das Militär hilft Kubek nun, eigenen Aussagen zufolge in diesem drei Jahre dauernden Projekt bei menschlichen Patienten zu beweisen, ob "das wirklich Leben retten kann".

Die Organisation Tragedy Assistance Programm for Survivors zur Unterstützung von Militärangehörigen und deren Familien sieht als Hauptgrund der erschreckend hohen Suizidzahlen in der Armee, dass das Problem unter den Tisch gekehrt werde. Es gebe zu wenig - oder zu späte - Betreuung. Betroffene würden psychische Belastungen aus Scheu vor der Reaktion von Kollegen oder Vorgesetzten meist nicht eingestehen. Auch eine medikamentöse Option würde daran wenig ändern.

Der härteste Feind
"Suizid ist der härteste Feind, mit dem ich es in 37 Jahren Armee zu tun bekommen habe. Ein Feind, der nicht nur Soldaten tötet, sondern auch zehntausende Amerikaner jedes Jahr", erklärt der zuständige Armeegeneral Austin J. Loyd in einem offiziellen Statement nach Bekanntgabe der aktuellen Zahlen. "Trotzdem glaube ich, dass Suizid vermeidbar ist."

Seine Forschungen seien nicht nur eine Lösung für Soldaten, betont Kubek. Der Spray könnte eines Tages auch in die Hände und Nasen von Zivilisten gelangen. "Wenn das funktioniert, werden wir eine ganz neue Art von Arzneimitteln haben."




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-21 17:08:06
Letzte Änderung am 2012-08-22 17:16:54


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