• vom 07.09.2012, 17:21 Uhr

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2000 Experten beim Weltkongress der Internationalen Gesellschaft für Gewebszüchtung im Wien

Zuchtgewebe erleichtert Leben


Von Eva Stanzl

  • Maßgeschneiderte Medikamententests an menschlichen "Organoiden".

Wien.

Künstliche Blutgefäße sind die Voraussetzung für im Labor gezüchtete Organe.

Künstliche Blutgefäße sind die Voraussetzung für im Labor gezüchtete Organe.LBI Künstliche Blutgefäße sind die Voraussetzung für im Labor gezüchtete Organe.LBI

Künstlich hergestellte Organe, Knochen, Knorpel, Blutgefäße, Haut und Zähne, sowie im Labor gezüchtetes Rückenmark: Das ist die Vision des Tissue Engineering (Gewebezüchtung): Rund 2000 Fachexperten präsentieren derzeit beim dritten Weltkongress der Internationalen Gesellschaft für Gewebszüchtung und Regenerative Medizin (Termis) in Wien ihre Ergebnisse.

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Dabei geht es um weit mehr als den bloßen Test aufs Exempel, wie der Fall war als vor Jahren Wissenschafter des Massachusetts Institute of Technology eine Maus schufen, auf deren Rücken ein Ohr wuchs. Medienwirksam und auf für manche Menschen schaurige Weise diente das Versuchstier dem Beweis, dass Knorpelzellen auf Polymer-Gerüsten im Körper anwachsen können, um bei Unfällen verlorene Körperteile zu ersetzen.

Stammzellen als Basis
für "Organoide"
Heute werden viele Arten von gesundem Gewebe im Labor hergestellt, um Krankes im Körper zu ersetzen. Knochenbrüche sollen somit schneller und besser verheilen, Rückenmarksverletzungen leichter zu ertragen sein, altersbedingte Rückenschmerzen der Vergangenheit angehören und künstlich hergestellte Netzhäute geschädigten Augen neue Sehkraft verleihen. In Wien verglichen Forscher aus 65 Ländern, wie nahe sie diesem Ziel sind.

Grundlage des Tissue Engineering sind oftmals induzierte pluripotente Stammzellen. Zur Erklärung: Embryonale Stammzellen von aus der künstlichen Befruchtung übrigen Embryonen sind Alleskönner, weil sie sich noch in alle Zelltypen entwickeln können. Aufgrund dieser Eigenschaft wären sie ideal, um ganz bestimmte Gewebetypen zu züchten. Da sie allerdings auch Krebs fördern, kommen sie in Gewebezüchtung nicht zum Einsatz. Die Mediziner bedienen sich zumeist ausdifferenzierter Zellen, etwa Haut- oder Harnzellen, und programmieren sie zurück zu Alleskönnern. Mit den induzierten Alleskönnern konnten etwa japanische Forscher jüngst eine Netzhaut im Labor schaffen, die sie nun klinisch testen. Experten erwarten, dass um 2015 eine gezüchtete Leber und um 2020 Herzgewebe, das die Folgen von Herzinfarkt wieder gut machen soll, in die klinischen Testphasen gehen.

"Freilich handelt es sich dabei noch nicht um vollständige Organe, wie eine ganze Leber oder ein ganzes Herz", betont Kongressorganisator Heinz Redl. Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für experimentelle und klinische Traumatologie, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Vielmehr fertigen wir Leber-Organoide an." Die allermeisten Organe sind komplex und bestehen nicht nur aus einem, sondern aus vier oder fünf Zelltypen. Nur künstliche Harnblasen, Speise- und Luftröhren werden heute klinisch verwendet, denn sie bestehen nur aus einem bis zwei Zelltypen.




Schlagwörter

Tissue Engineering, Organe

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Dokument erstellt am 2012-09-07 17:26:07


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