• vom 14.01.2013, 16:36 Uhr

Mensch


Geburten

Eine Frage, wie man die Babys zählt




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  • Studie will mit Mythen zur Fertilität und zu medizinischen Möglichkeiten aufräumen.

Wien. (est) "Es kommen immer weniger Kinder zur Welt." "Die niedrige Geburtenraten sind eine Folge der Berufstätigkeit der Frauen." Solche und ähnliche Ideen gelten mittlerweile als etabliert, Wissenschafter entlarven sie nun aber als Mythen. Ihre Studie "Zukunft mit Kindern" zum Thema Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben die Forscher am Montag in der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien präsentiert. Sie zeigt: Die Zahl der Neugeborenen ist eine Frage, wie man sie zählt.


In deutschsprachigen Ländern ist die Geburtenrate mit 1,4 Kindern pro Frau vergleichsweise niedrig. Der Wert messe jedoch nur die Geburtenhäufigkeit innerhalb eines Jahres, stelle somit eine reine Momentaufnahme dar, so die Wissenschafter. Messe man dagegen die "Kohortenfertilität", bei der die Kinderzahl aller um 1965 geborenen Frauen bis zum Ende ihrer Fruchtbarkeit erhoben wird, liege die durchschnittliche Kinderzahl bei 1,6. "Das ist ein Unterschied, der nicht ausreichend berücksichtigt wurde", sagte Studienleiter Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Menopause konstant mit 51
Niedrige Geburtenraten seien zudem nur teilweise auf eine wachsende Kinderlosigkeit zurückzuführen. Vor allem in Österreich sei der Grund im Rückgang von Mehrkindfamilien zu suchen, sagte Mitautorin Alexia Fürnkranz-Prskawetz vom ÖAW-Institut für Demografie. Ein Mythos sei auch das Argument, die niedrige Fertilität sei durch die erhöhte Erwerbstätigkeit von Frauen begründet. In Skandinavien oder Frankreich gebe es die höchste Erwerbstätigkeit von Frauen und die höchsten Geburtenraten, weil dort die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser geregelt sei.

Es gebe zudem gar nicht weniger Kinder als je zuvor: Zwar sei jede fünfte Frau, die um 1965 geboren wurde, kinderlos geblieben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hätten aber sogar 25 Prozent keine Kinder bekommen.

Medizinische Mythen, etwa dass durch die gestiegene Lebenserwartung Frauen länger Kinder bekommen könnten, seien falsch. Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, sinke weiterhin mit dem Alter, "das durchschnittliche Alter für die Menopause liegt konstant bei 51 Jahren", so Wolfgang Holzgreve, ärztlicher Direktor es Universitätsklinikums Bonn. Das öffentliche Bewusstsein sei bloß durch spektakuläre Einzelfälle beeinflusst. Es gebe zudem auch keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass sich die Spermienqualität, etwa durch Umweltbedingungen, wie man oft höre, verschlechtert habe.




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Dokument erstellt am 2013-01-14 16:38:02



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