• vom 07.02.2013, 16:30 Uhr

Mensch


Komplexitätsforschung

Evolutionsbiologie im Onlinespiel




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  • Frauen und Männer organisieren virtuelle Netzwerke ganz unterschiedlich.

Wien. Mit Hilfe eines Online-Spiels wollen Wissenschafter der Medizinischen Universität Wien mehr über das menschliche Sozialverhalten herausfinden. Die Komplexitätsforscher Stefan Thurner und Michael Szell können auf Daten über das soziale, wirtschaftliche, politische oder aggressive Handeln von rund 300.000 Spielern zurückgreifen. Im Fachblatt "Scientific Reports" wurden nun ihre Resultate darüber publiziert, wie unterschiedlich Frauen und Männer in dem Spiel agieren.


Szell hatte das Spiel "Pardus" ursprünglich aus spielerischem Interesse online gestellt. Dort ringen nun seit etwa acht Jahren "Händler, Piraten, Schmuggler und andere Piloten verschiedenster Rassen und Zugehörigkeiten um Wohlstand und Ehre im Weltall", heißt es auf der Homepage des Spiels (www.pardus.at). "Wir haben jede Aktion von jedem Spieler aufgezeichnet vorliegen. Wir haben also von einer zwar künstlichen, aber menschlichen Gesellschaft vollständige Information - das gibt es sonst nicht", erklärte Thurner im Gespräch mit der APA.

Die Forscher wissen, welche Geschäfte die Spieler abschließen, mit wem sie interagieren, wohin sie reisen oder wie sie Streit beginnen und beenden. So weit kann man laut Thurner "nicht einmal in den wildesten Fantasien von George Orwell" in gesellschaftliche Abläufe blicken.

Frauen wirtschaften besser
"Die Forscher analysierten dabei, wie sich Frauen und Männer im virtuellen Raum bewegen. "Das Spannendste, was wir sehen, ist, dass Frauen ihre Netzwerke viel dichter machen." Das heißt nicht, dass Frauen mehr Freunde haben oder mehr kommunizieren, sondern "sie schauen sehr darauf, dass die Leute, mit denen sie reden, untereinander auch reden", so Thurner. Männern sei das weit weniger wichtig. "Die männlichen Netzwerke sind viel ausgefaserter", die der Frauen "kompakter und sozial viel stabiler".

"Wenn eine Frau einer anderen Frau sagt: ,Ich bin deine Freundin‘, dann antwortet die andere darauf relativ schnell mit: ,Du bist auch meine Freundin‘", so Thurner. Unter Männern dauert das viel länger, oft kommt auch keine Antwort. Tritt aber eine Frau an einen Mann heran, zeigen Männer die schnellsten Reaktionen überhaupt. "Wir hätten nie gedacht, dass wir so starke Unterschiede sehen", betonte der Forscher. "Was ich wirklich toll finde, ist, dass wir eventuell Evolutionsbiologie in einem Computerspiel des 21. Jahrhunderts sehen."

Frauen sind zudem wirtschaftlich erfolgreicher als Männer, gehen aber auch weniger Risiko ein. Den wirtschaftlichen Abläufen im Spiel wollen sich die Forscher künftig stärker zuwenden.




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Dokument erstellt am 2013-02-07 16:32:06



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