• vom 22.02.2013, 15:53 Uhr

Mensch


Graham Warren

"So viel Qualität findet man nur an den besten Orten"




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  • Graham Warren feiert 65. Geburtstag und lobt den Wissenschaftsstandort Wien.

Graham Warren ist Spezialist für den Golgi-Apparat, das "Postamt" der Zelle.

Graham Warren ist Spezialist für den Golgi-Apparat, das "Postamt" der Zelle.© apa/Mair/Uni Wien Graham Warren ist Spezialist für den Golgi-Apparat, das "Postamt" der Zelle.© apa/Mair/Uni Wien

Wien. Das Geschenk ist ein Symposium mit den Wegbegleitern seiner Forschungskarriere, durchwegs international renommierten Forschern. Der wissenschaftliche Leiter der Wiener Max F. Perutz Laboratories (MFPL), Graham Warren, erhält es von seiner Forschungsgruppe und seiner Frau zu seinem 65. Geburtstag am Montag (25. Februar). Der Tagungstitel "40 Jahre Membrantransport" weist auf Warrens langjährige Beschäftigung mit dem sogenannten Golgi-Apparat hin: eine Art Postamt in der Zelle, wo neu gebildete Eiweißstoffe quasi frankiert und an die richtige Adresse innerhalb und außerhalb der Zelle geschickt werden.

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An dem Symposium an der Uni Wien nimmt etwa Kai Simons vom Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden teil, der den jungen Gruppenleiter Warren 1977 am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) dazu gebracht hat, am Golgi-Apparat zu forschen. Auch Francis Barr von der Universität Oxford kommt, der als Mitglied in Warrens Forschungsteam einen Eiweißstoff gefunden hat, der den ganzen Apparat zusammenhält.

"Sieht fantastisch aus"
Als Warren anfing, sich mit dem Golgi-Apparat zu befassen, habe man noch wenig darüber gewusst, das habe dieses Forschungsobjekt sehr attraktiv gemacht, sagte Warren im Gespräch mit der APA. "1974 bekam George Palade den Nobelpreis, weil er gezeigt hat, wie neu gebildete Eiweißstoffe in der Zelle transportiert werden; nämlich über das sogenannte Endoplasmatische Retikulum (ER) und den Golgi-Apparat, dann werden sie ausgeschüttet", erklärte er. Es sei aber nicht klar gewesen, was der Golgi Apparat dabei tut und wie das Ganze mit Membranproteinen funktioniert. Mit einigen "sehr guten Kollegen" fand Warren heraus, "dass diese Eiweißstoffe durch den Golgi-Apparat wandern und von dort nach außen gelangen".

"Außerdem sieht er im Mikroskop einfach fantastisch aus", begründet Warren sein Interesse am Golgi-Apparat. Seine Zisternen wären wie Fladenbrot übereinandergestapelt, die Eiweißstoffe kommen auf einer Seite hinein, wandern irgendwie durch diesen Stapel und kommen auf der anderen Seite wieder heraus. "Francis Barr hat in meinem Labor das Protein identifiziert, das diese Zisternen dazu bringt, sich eine über die andere zu schichten und aneinander zu haften", sagte Warren.

Die vergangenen 20 Jahre habe er untersucht, wie sich der Golgi-Apparat bei der Zellteilung verdoppelt, so Warren. "Beim Golgi-Apparat hat sich herausgestellt, dass er am Anfang der Zellteilung in tausende Kügelchen zerlegt wird, die sich in der Zelle verstreuen, dann teilt sich die Zelle und die Kügelchen setzen sich in den beiden Tochterzellen wieder selbst zusammen", sagte er.

Benannt wurde die Zellorganelle nach ihrem Entdecker Camillo Golgi, der 1906 den Medizin-Nobelpreis erhielt. In den späten 1930er Jahren fand man erste Hinweise, dass der Golgi-Apparat wichtig für die Ausschüttung von Eiweißstoffen sei. Und schließlich klärte der US-Forscher George Palade ihre Rolle als "intrazelluläre Poststelle" bei der Verteilung von Proteinen auf. Der Golgi-Apparat "beklebt" die Eiweißstoffe dabei mit kleinen Zuckerresten, die wichtig für die Verteilung sind.

Graham Warren war Professor an der Yale Medical School (USA), ehe er als Direktor der MFPL nach Wien kam. Die MFPL sind ein gemeinsam von der Uni Wien und der Medizinischen Universität Wien betriebenes Zentrum für molekulare Biologie. Warren wünscht sich mehr Selektion bei akademischen Karrieren, alle Vorlesungen in Englisch und lehnt eine Trennung von Forschung und Lehre ab. Mit seiner Wirkungsstätte ist er sehr zufrieden: "Die Umgebung, der ganze Campus ist extrem gut, so viel wissenschaftliche Qualität findet man weltweit nur an den besten Orten."




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Dokument erstellt am 2013-02-22 15:56:05



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