• vom 13.05.2013, 16:55 Uhr

Mensch


Demenz

800 Milliarden für Parkinson&Co




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  • Rund ein Drittel der Aufwendungen des Gesundheitssystems fließt in neurologische Erkrankungen
  • Junge Disziplin der Hirnforschung steht vor explodierenden Erkrankungsraten.

230.000 Demenzpatienten könnte Österreich im Jahr 2050 zählen. Derzeit sind es 100.000.

230.000 Demenzpatienten könnte Österreich im Jahr 2050 zählen. Derzeit sind es 100.000.© apa 230.000 Demenzpatienten könnte Österreich im Jahr 2050 zählen. Derzeit sind es 100.000.© apa

Wien. (est) Eine vorgebeugte Halswirbelsäule, Zittern in den Händen und kleine, schlurfende Schritte: Jonas Parkinson beschrieb die Schüttellähmung erstmals 1817 in seiner Monographie "An Essay on the Shaking Palsy". Heute zählt der nach ihm benannte fortschreitende Verlust von Nervenzellen-Funktionen zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen überhaupt.

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"Obwohl Parkinson nach wie vor nicht heilbar ist, gehört sie zu den am besten behandelbaren neurodegenerativen Erkrankungen", betonte Werner Poewe, Direktor des Departments für Neurologie und Neurochirurgie der Medizinuniversität Innsbruck, am Montag bei einer Pressekonferenz anlässlich des im Mai stattfindenden "European Month of the Brain". Denn immerhin: Die Symptome können durch den medikamentösen Ersatz des Hormons Dopamin über Jahre unter Kontrolle gehalten werden. Eine vorbeugende Impfung, wie sie derzeit in Wien gegen die Alzheimer-Krankheit entwickelt wird, gibt es hingegen noch nicht.

Viele Grundlagen fehlen
In Österreich leiden 16.000 Menschen an Parkinson, jährlich kommen rund 2000 Neurerkrankte hinzu. Die junge Disziplin der Neurowissenschaften ist mit explodierenden Erkrankungsraten konfrontiert. Schuld ist das zunehmende Alter der Bevölkerung durch die demographische Entwicklung. Forscher suchen weltweit nach dem Schlüssel, mit dem sie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose in den Griff bekommen können.

Schätzungsweise 798 Milliarden Euro kostet die Behandlung von neurologischen Erkrankungen die EU, Norwegen, die Schweiz und Island jedes Jahr. An der Spitze stehen die Demenzen mit Jahreskosten von 105 Milliarden Euro, danach kommen Schlaganfälle mit 64,1 Milliarden Euro), Kopfschmerzen (43,5 Milliarden), Schlafstörungen (35,4 Milliarden), Kopfverletzungen (33 Milliarden), Multiple Sklerose (14,6 Milliarden) und schließlich Morbus Parkinson mit 13,9 Milliarden Euro. "Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass ein Drittel der Gesamtkosten für Gesundheit den Gehirnerkrankungen zuzuordnen ist. In Österreich wird sich den Berechnungen zufolge die Zahl der Demenzpatienten von derzeit 100.000 bis 2050 auf 230.000 erhöhen", sagte Regina Katzenschlager, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie und Neurologin am Donauspital in Wien.

Sinnvoll wäre eine frühere Abklärung potenzieller neurologischer Symptome. Wissenschafter erforschen in Studien, wie die Früherkennung verbessert werden und künftig sogar öfter zum Einsatz kommen könnte zur Vorbeugung gegen fortschreitende neurologische Krankheiten. "Wir wollen nicht nur Patienten mit Morbus Alzheimer möglichst gut behandeln, wir wollen auch Präventivmedizin betreiben", erklärte Poewe.

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Dokument erstellt am 2013-05-13 16:59:04



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