• vom 10.12.2013, 13:47 Uhr

Mensch

Update: 10.12.2013, 13:52 Uhr

Immunzellen reparieren Muskeln nach Überbelastung




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  • "Ergebnisse untermauern, dass Muskelschädigung nach Ausdauerbelastung zu Interaktionen zwischen Immunzellen und Muskulatur führt"

Wien. Das Immunsystem kämpft nicht nur gegen Krankheitserreger, es hilft auch Muskelschäden auszubessern, die beim Laufen und Radfahren entstehen. Wiener Forscher haben nun herausgefunden, dass Muskel- und Immunzellen tagelang zusammenarbeiten, damit die Muskeln repariert, verstärkt und an die Belastung angepasst werden, berichten sie im Fachblatt "Journal of Applied Physiology".

Zunächst fanden die Forscher der Universität Wien im Blut von Ironman-Teilnehmern Hinweise, dass belastungsbedingte Schäden der Skelettmuskeln vor allem weiße Blutkörperchen (neutrophile Leukozyten) auf den Plan rufen und ihre Mobilisierung in die Blutzirkulation beeinflussen, erklärte Oliver Neubauer, der nach Angaben der Uni selbst viermal das Ziel eines Ironman-Triathlons erreichte, vom Department für Ernährungswissenschaften in einer Aussendung der Uni.


Schließlich ließen sie acht junge Sportler zwei Stunden lang am Laufband und Fahrrad-Ergometer trainieren, und nahmen von ihnen vor der Belastung und bis zu vier Tagen danach Blut- und Muskelproben (Biopsien). Mittels Gen-Chips untersuchten sie nun die Aktivitäten von 27.000 Genen in den Muskelzellen und den weißen Blutkörperchen. Diese Studie wurde gemeinsam mit australischen Forschern durchgeführt.

Hinweise auf neuen Signalweg
Sie fanden heraus, dass bestimmte Gene in den weißen Blutkörperchen durch Muskelproteine angeschaltet werden, die in den Blutkreislauf übergetreten sind. Man habe auch Hinweise auf einen neuen Signalweg gefunden, über den die weißen Blutkörperchen rasch beitragen zu verhindern, dass der ganze Körper mit einer Entzündungsreaktion antwortet.

"Während auf Organismus-Ebene Entwarnung gegeben wird, wandern Neutrophile gemeinsam mit Monozyten in die Muskulatur ein", erklärten die Forscher. Die Genaktivitäten in den Muskelzellen würden zeigen, dass die weißen Blutkörperchen dort bis zu vier Tage nach einer Ausdauerbelastung aktiv sein können und die muskuläre Regeneration somit nicht so schnell abgeschlossen ist. "Die Immunzellen kommunizieren mit Hilfe von Chemokinen, das sind kleine Signalproteine, mit dem Muskelgewebe und sind entscheidend an Reparatur, Neubildung und Adaptation der Muskulatur beteiligt", so Neubauer.

"Die Ergebnisse untermauern, dass eine moderate Muskelschädigung nach einer Ausdauerbelastung zu nachhaltigen Interaktionen zwischen Immunzellen und Muskulatur führt", meint der Forscher.



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Dokument erstellt am 2013-12-10 13:47:22
Letzte nderung am 2013-12-10 13:52:04



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