• vom 25.11.2014, 16:55 Uhr

Mensch


Genomforschung

Das Genom im Netz




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  • Pionierprojekt von "Genom Austria" soll zur Diskussion über Möglichkeiten und Risiken in allen Lebensbereichen führen.

Cemm-Leiter Giulio Superti-Furgas (l.) DNA ist ab sofort im Netz einsehbar. Als Projektleiter von "Genom-Austria" fungiert Christoph Bock. - © apa/Herbert Pfarrhofer

Cemm-Leiter Giulio Superti-Furgas (l.) DNA ist ab sofort im Netz einsehbar. Als Projektleiter von "Genom-Austria" fungiert Christoph Bock. © apa/Herbert Pfarrhofer

Wien. Die erste Sequenzierung der menschlichen Erbsubstanz DNA, die im Jahr 2001 publik gemacht wurde, hatte etwa zehn Jahre gedauert. Heute schafft die Genomforschung mit ihren modernen Maschinen bereits innerhalb einer Woche die Aufschlüsselung eines Menschen.

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Mit einem provokanten Schritt versuchen nun heimische Wissenschafter, eine Diskussion über Möglichkeiten und Risiken der Verwendung von Genomdaten für alle Lebensbereiche anzukurbeln. Ein Teil des "Genom Austria"-Projekts ist die Zurschaustellung sequenzierter DNA im Internet.

20 Freiwillige gesucht
Die ersten Menschen, deren Erbsubstanz ins Netz gestellt wurde, sind die Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny und der Leiter des Zentrums für Molekulare Medizin (Cemm) in Wien, Giulio Superti-Furga. Bis Mitte 2015 werden 20 weitere gesunde Freiwillige gesucht, die nach entsprechender Aufklärung und Zustimmung ihr komplettes Genom sequenzieren und ins Netz stellen lassen.

Denn, "wer wir sind, das geht uns alle etwas an", betonte Superti-Furga am Dienstag im Rahmen der Projektpräsentation (www.genomaustria.at). Dies treffe insbesondere auf die Diskussion über die Akquirierung und die Verwendung von Genomdaten zu. "Es geht darum, dass wir darüber reden." Die Technik sei zu wichtig, um sich ein "Ready Made"-Programm überstülpen zu lassen. Eine demokratische Gesellschaft habe die Möglichkeit, selbstbestimmt mit dem Wissen über die Erbanlagen umzugehen, erklärte Superti-Furga.

Ähnlich äußerte sich auch Helga Nowotny. "Mein persönliches Motiv ist die Neugier, das biologische Selbst kennenzulernen", stellte die Forscherin fest. Im Rahmen der derzeit hektisch verlaufenden Diskussion über das geplante neue Fortpflanzungsmedizingesetz werde plötzlich eine mangelnde Diskussion von manchen Seiten beklagt. "Dazu hätte man 22 Jahre Zeit gehabt", merkte die Wissenschafterin an.

Die rund drei Milliarden Basenpaare umfassende DNA eines Menschen geben exakte Auskunft über persönliche Informationen, die Herkunft, Abstammung, aber auch mögliche Gesundheitsrisiken. Die Genomdaten sollen nicht nur wissenschaftlich ausgewertet werden, sondern auch als Diskussionsgrundlage zum Thema Genomforschung dienen. Es gelte, sich mit den biologischen, medizinischen, philosophischen, juristischen und sozialen Aspekten dieser Technik auseinanderzusetzen.

Die Genomdaten sollten als Möglichkeit für eine personalisierte und partizipative Medizin verstanden werden, betonte der Rektor der Medizinuni Wien, Wolfgang Schütz.

Drei Milliarden Basenpaare
Die Abfolge der rund drei Milliarden Basenpaare (Guanin, Cytosin, Thymin und Adenin - G, C, T, A) auf den beiden Strängen der DNA und deren Ablesen bestimmen Struktur und Funktion der Erbsubstanz. Die Möglichkeiten der Aufschlüsselung haben sich bis heute stark verändert. "Das Genom-Sequenzieren fand ehemals in den USA, Großbritannien, Japan und Deutschland in richtig großen Fabrikanlagen statt, in denen viele Menschen und viele Maschinen hart und repetitiv gearbeitet haben", erklärte Christoph Bock vom Cemm. "Im letzten Jahrzehnt sind aus diesen Anlagen schreibtischgroße Kästen geworden, die Millionen DNA-Fragmente parallel und automatisch sequenzieren."

Das "Genom-Austria"-Team besteht aus Experten des Cemm sowie der Medizinuniversität Wien und arbeitet unter dem Ehrenschutz von Margit Fischer. "Genetik als eine der Leitwissenschaften des 21. Jahrhunderts muss allen Bürgerinnen und Bürgern offen stehen und verständlich sein", schrieb die Frau von Bundespräsident Heinz Fischer den Initiatoren. Dazu sollte sich die Öffentlichkeit auch in Österreich viel intensiver mit dieser Thematik auseinander setzen.




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Dokument erstellt am 2014-11-25 16:59:04



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