• vom 26.12.2014, 15:39 Uhr

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Update: 30.12.2014, 13:29 Uhr

Religionsforschung

Migranten bringen Glauben mit




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Von Heiner Boberski

  • Der britische Politikwissenschafter Eric Kaufmann rechnet mit einem religiöser werdenden Europa.

Die Vielfalt von Religionen nimmt in Großstädten wie London zu. Auch Queen Elizabeth II. besuchte schon - ohne Schuhe - einen Sikh-Tempel in der britischen Metropole.

Die Vielfalt von Religionen nimmt in Großstädten wie London zu. Auch Queen Elizabeth II. besuchte schon - ohne Schuhe - einen Sikh-Tempel in der britischen Metropole.© Pool Photograph/Corbis Die Vielfalt von Religionen nimmt in Großstädten wie London zu. Auch Queen Elizabeth II. besuchte schon - ohne Schuhe - einen Sikh-Tempel in der britischen Metropole.© Pool Photograph/Corbis

Wien. Am Ende des 21. Jahrhunderts wird Europa möglicherweise religiöser sein als zu dessen Beginn. Diese Position vertritt der britische Politikwissenschafter und Religionsforscher Eric Kaufmann, der unlängst an einer Tagung in Wien teilnahm, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Wiener Zeitung": Wie kommen Sie zu der Ansicht, Europa könnte wieder religiöser werden?

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Eric Kaufmann: Grundlegend sehe ich einen Wettstreit. Es gibt Säkularisierung innerhalb der weißen Mehrheitsbevölkerung, aber gleichzeitig haben wir eine geringe Geburtenrate. Das Wachsen der Weltbevölkerung findet in jenen Regionen statt, wo über 95 Prozent der Menschen religiös sind. Diese Menschen strömen in die religiös relativ schwachen Regionen der Erde mit einer abnehmenden und alternden Bevölkerung. Religiöse Migranten ersetzen quasi säkulare Bevölkerungen. Wir erleben Säkularisierung, doch auch eine religiöse demographische Entwicklung. Mich interessiert die Balance dieser beiden Kräfte und welche sich langfristig als stärker erweist.

Also nicht die Enkel der heutigen Bevölkerung werden religiös sein, sondern jene der Immigranten?

Es gibt zwei Aspekte. Der eine ist, dass die Kinder der Immigranten weit weniger von ihrer Religion abrücken werden als die Kinder der Mehrheitsbevölkerung. Doch da gibt es noch etwas. Innerhalb der Mehrheitsbevölkerung bleibt eine Gruppe von Leuten, etwa fünf bis zehn Prozent, religiös motiviert. In Ländern, die seit langer Zeit Säkularisierung erleben, etwa in Skandinavien oder generell in protestantischen Ländern, ist zu beobachten, dass die Kurve abflacht. Die älteren Menschen sind dort nicht religiöser als die jungen. Ein Trend quer durch Europa ist, dass Frauen, die religiös sind, eine höhere Geburtenrate haben - etwa um 0,25 Kinder - als areligiöse Frauen. Nimmt man nur die Mehrheitsbevölkerung, ist die Säkularisierung stark, aber auch dann geht die Entwicklung aufgrund der Demographie nicht gegen null.

Welche Art von Religion kommt?

Die liberalen Kräfte verlaufen sich am schnellsten. Wachsen werden Nichtreligiöse, aber auch Fundamentalisten. Es läuft auf eine stärkere Polarisierung hinaus. Bei den Zuwanderern ist das anders. Die sind religiös, weil es ihre Eltern waren und sie zu einer ethnischen Community gehören. Das religiöse Bild wird noch viel pluralistischer: Muslime, Hindus, Sikhs, Buddhisten und viele andere, etwa Afrikaner, von denen viele Pfingstler sein werden. Das wird ein sehr gemischtes Bild. Vor allem in den Großstädten geht die Entwicklung dahin. Eine Metropole wie London besitzt die meisten säkularen Einwohner und ist zugleich der am meisten religiöse Ort in England. Der Punkt kommt, wo der Anteil der Säkularen, der gestiegen und gestiegen ist, wieder fallen wird.

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Dokument erstellt am 2014-12-26 15:44:06
Letzte ńnderung am 2014-12-30 13:29:00



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