• vom 13.04.2015, 16:17 Uhr

Mensch


Schlaflosigkiet

Gehirntraining gegen Schlafstörungen




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  • Methode von Salzburger Forschern hilft bei Patienten mit moderaten Schlafproblemen.

Salzburg/Wien. Mit Neurofeedback-Training lassen sich bei Menschen mit moderaten Schlafstörungen Besserungen erzielen. Das zeigten Salzburger Psychologen in einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt. Diese Form des Gehirntrainings könnte eine Alternative zu Medikamenten darstellen. Personen mit länger andauernder oder stärker ausgeprägter Schlaflosigkeit sprachen auf das Gehirnwellentraining allerdings nicht an.

"Menschen mit Schlaflosigkeit, einer sogenannten Insomnie, befinden sich in einem Zustand des ,Hyperarousal‘, also der Übererregung. Der Griff zur Tablette liegt nahe", erklärte Manuel Schabus vom Zentrum für Kognitive Neurowissenschaften der Universität Salzburg in einer Aussendung. Wird dieser Erregungszustand im Gehirn medikamentös behandelt, bestehe die Gefahr von Nebenwirkungen, Abhängigkeiten oder Gewöhnungseffekten.


"Medikamente dämpfen häufig einfach die nächtlichen Gehirnaktivitäten und somit auch hilfreiche Funktionen wie die sogenannte ,Konsolidierung von Gedächtnisinhalten‘, also das nächtliche Einmeißeln von Informationen", berichtete der Psychologe, der für seine Forschung zu veränderten Bewusstseinszuständen, wie sie im Schlaf oder im Wachkoma auftreten, im vergangenem Jahr einen Start-Preis des FWF erhalten hat, die mit bis zu 1,2 Millionen Euro höchstdotierte Förderung für Jungforscher in Österreich.

Sensomotorischer Rhythmus
Das Team um Schabus testete das Neurofeedback-Training an Patienten mit Schlafstörungen zwischen 19 und 50 Jahren. Sie lernten ihre Gehirnaktivität gezielt zu verändern und ihre Gehirnschwingungen im Wachzustand auf einen bestimmten Frequenzbereich zwischen 12 und 15 Hertz zu bringen. Dieser sogenannte sensomotorische Rhythmus ist besonders wichtig für den Leichtschlaf und zeigt sich als Schlafspindeln im EEG vor allem beim Einschlafen. In zehn Lerneinheiten mussten sich die Studienteilnehmer bemühen, eine Kompassnadel am Bildschirm, die sich abhängig von ihrer Gehirnaktivität bewegte, allein durch die Kraft der mentalen Entspannung auf einen grünen Punkt zu lenken. Dabei lernten sie, ihren eigenen sensomotorischen Rhythmus am Computerbildschirm zu beobachten und zu steuern.

"Durch das Training gelang es uns, bei 16 von 24 leicht beeinträchtigten Patientinnen und Patienten den sensomotorischen Rhythmus im Wachzustand und die Schlafspindeln zu verstärken. Jene, die gut auf das Training ansprachen, wiesen eine verbesserte Schlafqualität auf", erklärte Schabus. Sein Resümee: "Ein gezieltes Training und ausreichende ,Schlafhygiene‘ fördern nicht nur das Wohlbefinden, sondern schützen auch neu gelernte Informationen vor störenden Einflüssen."




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Dokument erstellt am 2015-04-13 16:20:07



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