• vom 15.09.2015, 14:35 Uhr

Mensch

Update: 15.09.2015, 15:11 Uhr

Landwirtschaft

Böden zwingen zu Abwanderung




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  • UN-Bericht warnt vor zerstörerischer Landwirtschaft - Riesenverluste und viele Flüchtlinge erwartet.

Die Degradierung derBöden ist etwa in Äthiopienschon ganz massiv vorangeschritten. GIZ

Die Degradierung derBöden ist etwa in Äthiopienschon ganz massiv vorangeschritten. GIZ Die Degradierung derBöden ist etwa in Äthiopienschon ganz massiv vorangeschritten. GIZ

Bonn/Wien. Zurzeit stehen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Aussichtslosigkeit im Mittelpunkt der medialen Berichterstattung. In einer aktuellen UN-Studie wird allerdings ein weiterer Aspekt hervorgehoben, der weltweit viele Menschen zur Flucht bewegen könnte - die Zerstörung der Böden. Denn jedes Jahr gehen nicht nur Unsummen verloren, weil ökologisch wertvolle Flächen versiegelt oder durch intensive Landwirtschaft zerstört werden. In den nächsten zehn Jahren werden 50 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil der Boden sie nicht ernähren kann, heißt es in der Studie. Die verlorenen Werte können Ernteerträge sein, aber auch sauberes Wasser.

Herkömmlich Landwirtschaft ist eine Minusrechnung
Denn unsere Böden geben uns Nahrung, speichern Wasser, sorgen für die Regulierung des Klimas und beherbergen neben dem Menschen Millionen von Arten. Zwar werden die Böden bewirtschaftet, um Nahrung hervorzubringen, doch es zeige sich, dass herkömmliche Landwirtschaft für die Volkswirtschaft eine Minusrechnung darstellt, betont Mark Schauer, einer an der Studie beteiligten Forscher von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

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"Der Boden wird degradiert und die Ökosysteme drumherum eben auch. Zum Beispiel durch Überdüngung oder Überweidung. Wir graben uns selber das Wasser ab. - Unsere Botschaft ist, dass sich nachhaltige Landwirtschaft wirklich lohnt", so der Wissenschafter.

Ein besonderes Problem sei, dass Metropolen häufig in besonders fruchtbaren Gebieten lägen, weil sich eben dort vor langer Zeit die ersten Pioniere angesiedelt hätten. Jetzt breiteten sich die Städte immer weiter aus und verschlängen fruchtbares, ökologisch wertvolles Land. Intensive Landwirtschaft habe oft verheerende langfristige Folgen. In dem westafrikanischen Land Benin etwa sei der Baumwollanbau ein großes Problem. "Das ist extrem nährstoff- und wasserintensiv, und davon profitieren nur sehr wenige Menschen, die Volkswirtschaft leidet sehr darunter", betont Schauer.

Der UN-Bericht "The Value of Land", der von der Economics of Land Degradation (ELD) bei der EU-Kommission in Brüssel vorgestellt wurde, bezifferte den wirtschaftlichen Verlust auf weltweit umgerechnet 5,6 bis 9,4 Billionen Euro pro Jahr. Das entspricht 10 bis 17 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts.

Die Studie beschäftigt sich aber auch damit, was gegen diese Entwicklung getan werden kann. Von Land zu Land könnten das ganz unterschiedliche Strategien sein, erklärt der Forscher, abhängig von den jeweiligen regionalen und ökologischen Gegebenheiten.

Ökosysteme effizient und kosteneffektiv nutzen
In Deutschland werden jeden Tag Bodenflächen in der Größe von mehr als 100 Fußballfeldern überbaut, wie aus dem sogenannten Bodenatlas hervorgeht. Ein Viertel der Ackerflächen sei zudem von Bodenerosion betroffen. Gleichzeitig werden den Angaben zufolge Agrar- und Verbrauchsgüter importiert, deren Produktion mit 80 Millionen Hektar mehr als das Doppelte der hiesigen Landesfläche in Anspruch nimmt. Der Atlas war Anfang des Jahres unter anderem von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Nachhaltigkeitsinstitut IASS in Berlin vorgestellt worden.

"Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis und von nichts den Wert" - auf dieses Zitat von Oscar Wilde macht UN-Sekretärin Monique Barbut aufmerksam. "Wenn wir auf unsere Landressourcen blicken, ist das auf jeden Fall wahr", urteilt Barbut, "wir schätzen sie nicht." Es sei an der Zeit, unser Land und die Ökosysteme effizient und kosteneffektiv zu nutzen, um unsere Bedürfnisse und Lebensgrundlage zu schützen.

Die Vereinten Nationen haben im Übrigen das Jahr 2015 zum "Internationalen Jahr der Böden" ausgerufen, um auf deren grundlegende Bedeutung aufmerksam zu machen und nach und nach mögliche Lösungsansätze aufzuzeigen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-09-15 14:38:04
Letzte nderung am 2015-09-15 15:11:04



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