• vom 15.12.2015, 17:03 Uhr

Mensch

Update: 15.12.2015, 18:15 Uhr

Demografie

65 ist zwar nicht mehr jung, aber noch keineswegs alt




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  • Demografen legen nahe, dass die Pensionen anders berechnet werden müssten.

Die Altersverteilung in Österreich ab 1981.

Die Altersverteilung in Österreich ab 1981. Die Altersverteilung in Österreich ab 1981.

Laxenburg. (est) Angesichts der steigenden Lebenserwartung, des medizinischen Fortschritts und der Diskussionen zur Erhöhung des Pensionsantrittsalters mag es verwunderlich erscheinen. Dennoch ist es Praxis: In den westlichen Industriestaaten gelten Menschen ab 65 hochoffiziell als alt.

Der Altenquotient ist ein Begriff aus der Demografie. Er gibt das Verhältnis der Anzahl älterer Menschen zur Anzahl jüngerer Menschen in einer Gesellschaft an und dient als Kenngröße bei Pensions- und Gesundheitskostenberechnungen. Allerdings hat er den Schönheitsfehler, dass in diesen Kalkulationen "Alter" mit dem Antritt der Pension, also mit 60 bis 65 Jahren, beginnt. Dabei sind heute immer mehr Menschen bis Ende 60 oder Anfang 70 völlig gesund. Erst in den letzten Lebensjahren, die sich nach hinten verschieben, fallen erhebliche Gesundheitskosten an. Berechnungen zu künftigen Kosten für das Sozialsystem, die diesen Faktor außer Acht lassen, seien daher viel zu hoch angesetzt und somit falsch, warnen Forscher des Instituts für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg.


In einer im Fachjournal "Population and Development Review" veröffentlichten Studie schlagen Warren Sanderson und Sergei Scherbov vor, den Altenquotienten anders zu berechnen. "Die Alterung ist ein mehrdimensionales Phänomen. Es gibt bessere Messgrößen für alle Aspekte davon", schreibt Sanderson in einer Aussendung zu der Studie.

In Zukunft wird es mehr ältere Menschen geben und sie werden länger leben. Sie werden geistig fitter und vermutlich gebildeter sein und dynamischer altern. Immer gleich bleibende Berechnungsgrundlagen würden daher falsche Annahmen über die Zukunft erzeugen, so die Forscher. Sie sind dafür, dass Faktoren wie der Unterschied zwischen der Pension und dem Lebensabend und das gestiegene Medianalter miteinbezogen werden. Als Lebensabend definiert sich der Zeitpunkt, ab dem man noch höchstens 15 Jahre zu leben hat. Während die Schwelle zum Lebensabend in Europa 1960 noch bei dem Alter von 63,3 Jahren lag, war sie 68,3 im Jahr 2010 und soll sie 2050 bei 72,4 liegen. Das mediane Alter von 45,7 Jahren soll dann mit einer höheren Rest-Lebenszeit verbunden sein als 1960, als der Median der Bevölkerung 30,3 Jahre alt war.

Damit die jüngere Generation nicht länger ins Pensionssystem einzahlt, aber weniger herausbekommt, schlagen die Forscher keine Erhöhung des Pensionsalters, sondern einen einheitlichen Prozentsatz des eingezahlten Einkommens für alle als Rente vor.




Schlagwörter

Demografie, Inneres, Alter, IIASA

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Dokument erstellt am 2015-12-15 17:08:06
Letzte ─nderung am 2015-12-15 18:15:12



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