• vom 28.12.2015, 21:02 Uhr

Mensch


Evolution

Das Erbe der alten Iren




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  • Genetische Zeitreise zeigt Migrationsbewegungen der Frühgeschichte.

Dublin/Wien. (est) Irische Forscher haben erstmals das Erbgut ihrer neolithischen Vorfahren sequenziert. Die Erkenntnisse beantworten zentrale Fragen zu den Ursprüngen der irischen Bevölkerung, berichten die Wissenschafter im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS).

Die Forscher des Trinity College in Dublin und der Queen’s University in Belfast haben das Genom aus Knochen einer steinzeitlichen Bäuerin, die vor 5200 Jahren in der Nähe von Belfast lebte, sequenziert. Auch das Genom dreier Männer, die vor 4000 Jahren auf der Insel Rathlin vor der Nordostküste Nordirlands wohnten und die in der Bronzezeit mit Metallwerkzeugen arbeiteten, wurde analysiert und mit jenem der Bäuerin verglichen.


Die irische Bevölkerung hat eine spezielle Genetik. Sie enthält die meisten Varianten für Laktoseverträglichkeit, für die westliche Form des männlichen Y-Chromosoms und für verschiedene genetisch bedingte Krankheiten, wie Hämochromatose, die eine exzessive Eisen-Speicherung zur Folge hat. Wenig ist jedoch über die Ursprünge dieses besonderen Erbes bekannt. Der einzige Weg, um mehr darüber zu erfahren, ist, das Genom der Vorfahren zu sequenzieren und somit eine Art genetische Zeitreise anzutreten.

Braune und blaue Augen
Migration wird unter Archäologen auf den Britischen Inseln kontrovers diskutiert. Die Debatte dreht sich um die Frage, ob die Entwicklung vom Nomadentum der Jäger und Sammler zur Sesshaftigkeit und von Stein- zu Metallwerkzeugen lokal entstand oder ob Zuwanderer die neuen Techniken mitbrachten. Die nun analysierten Genome der irischen Vorfahren sind laut den Forschern ein eindeutiger Hinweis auf eine Geschichte der Migration. So stamme ein Großteil der Ahnen der steinzeitlichen Bäuerin aus dem Nahen Osten, wo der Ackerbau erfunden wurde. Ein Drittel der Vorfahren der bronzezeitlichen Männer komme dagegen aus der Pontos-Steppe an der Südküste des Schwarzen Meeres. "Eine genetische Umwälzung rauschte in das bronzezeitliche Europa vom Schwarzen Meer her", berichtet Studienleiter Dan Bradley, Professor für Bevölkerungsgenetik am Trinity College: "Möglicherweise brachte dies auch noch andere Neuheiten, wie etwa die Ursprünge der keltischen Sprache."

Währen die Bäuerin mit ihren schwarzen Haaren und braunen Augen an eine Südeuropäerin erinnerte, codieren die genetischen Varianten der bronzezeitlichen Männer für das häufigste irische Y-Chromosom, für blaue Augen und die wichtigste Variante für Hämochromatose. Diese Mutation C282Y kommt bei Iren so oft vor, dass sie auch "keltische Krankheit" genannt wird. Mit der Entdeckung wurde erstmals eine wichtige Krankheitsvariante der Frühgeschichte identifiziert.




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Dokument erstellt am 2015-12-28 16:35:03



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