• vom 29.04.2016, 16:18 Uhr

Mensch


ERDgespräche in Wien

"Wir sind nur eine Spezies von vielen"




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Von Eva Stanzl

  • Mit Filmen über gefährdete Völker und Gebiete will die Meeresforscherin Céline Cousteau auf die Umwelt aufmerksam machen.

Céline Cousteau mit einem Kind vom Stamm der Marubo im Vale do Javari in Brasilien.

Céline Cousteau mit einem Kind vom Stamm der Marubo im Vale do Javari in Brasilien.© Vonderhaar/COFS Céline Cousteau mit einem Kind vom Stamm der Marubo im Vale do Javari in Brasilien.© Vonderhaar/COFS

Wien. Winzige Frösche, riesige Buckelwale und bunte Korallen: Die Weltmeere beheimaten unzählige Tiere und Pflanzen und sind grundlegend für das Leben auf der Erde. Die Filmemacherin Céline Cousteau, Enkelin des Pioniers der Meeresforschung Jacques Cousteau, dokumentiert die Rolle der Ozeane im Alltag von Völkern und Gemeinschaften. Bei den Erdgesprächen des Vereins Neongreen Network kommenden Dienstag referiert sie im Wiener Museumsquartier über ihr Engagement für die Umwelt. Mit der "Wiener Zeitung" sprach Cousteau vorab.

"Wiener Zeitung": Wie haben Sie die Arbeit Ihres Großvaters erlebt? Hat er Sie manchmal auf seine Expeditionen mitgenommen?

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Céline Cousteau: Wenn alle Familienmitglieder die Meere erforschen, ist man davon umgeben, selbst wenn man nicht immer mitfährt. Als mein Großvater seine Expeditionen unternahm, war das Reisen komplizierter als heute, doch mit neun Jahren nahm er mich an den Amazonas mit. Ich verbrachte zwei Wochen an Bord seines Boots "Calypso", während mein Vater und mein Bruder auf einem anderen Boot reisten und meine Mutter bei einer Landexpedition fotografierte - wir alle waren am Amazonas, machten aber nicht dieselbe Reise. Seitdem bin ich dem Regenwald sehr verbunden. Eltern sollten nicht die Stärke der Eindrücke unterschätzen, die sie ihren Kindern mitgeben.

Was war am beeindruckendsten?

Wir befanden uns auf einer Sandbank am Fluss und überall waren winzige Frösche. Damals war kaum jemand am Amazonas, doch als wir dann den Fluss weiter hinauffuhren, stand ein Mann mit Bananen am Ufer. Wir kauften welche und er lud uns zu sich nach Hause ein. Seine Frau kochte, aber wir wollten ihr nichts wegessen. Ich erinnere mich an die Güte in ihrer Geste, mit der sie uns einlud, ihr Angebot anzunehmen. Ihre Kinder spielten mit Stöckchen im Sand und hatten großen Spaß, und mein Sohn macht das heute zufällig auch. Mit ein bisschen Vorstellungskraft sind die Dinge sehr einfach.

Sie verschreiben sich dem Umweltschutz. Gab es einen Auslöser?

Es liegt an der lebenslangen Beobachtung der Arbeit meiner Familie. Zunächst habe ich Psychologie und Interkulturelle Beziehungen studiert. Danach organisierte ich die Filmlogistik für Expeditions-Dokus. Irgendwann landete ich dabei zufällig vor der Kamera, ein Forscher teilte mich bei einer Wal-Expedition in Alaska für ein Interview ein. Mitten in der Arktis wurde mir klar, dass mich persönliche Geschichten zur Umwelt interessieren, und dass ich vor Ort sein möchte, um die Berichte zurückzubringen. 2006 begann ich zusammen mit meinem Vater die Doku-Serie "Ocean Adventures".

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Dokument erstellt am 2016-04-29 16:23:06



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