• vom 04.05.2016, 07:00 Uhr

Mensch


Gesundheit

Herzen in Bewegung




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Körperliches Training verbessert Fitness und Lebensqualität bei Herzinsuffizienz.

Von moderatem Ausdauertraining können Patienten laut Ärzten enorm profitieren.

Von moderatem Ausdauertraining können Patienten laut Ärzten enorm profitieren.© Fotolia/Picture-Factory Von moderatem Ausdauertraining können Patienten laut Ärzten enorm profitieren.© Fotolia/Picture-Factory

Wien. (gral) Dass ein geschädigtes Herz Ruhe benötigt, war bis vor wenigen Jahren die gängige Meinung von Medizinern. Gerade bei einer sogenannten Herzinsuffizienz galten körperliche Anstrengungen für den Patienten als Tabu. Regelmäßige Bewegung kann jedoch nicht nur das Risiko senken, eine Herzmuskelschwäche zu entwickeln, sondern kommt auch jenen Menschen zugute, die schon darunter leiden. Darauf machten Experten am Dienstag anlässlich des Europäischen Tages der Herzinsuffizienz unter dem Motto "Herzen in Bewegung" aufmerksam.

In Österreich sind etwa ein bis zwei Prozent der Erwachsenen - also zwischen 70.000 und 140.000 Menschen - von der Erkrankung betroffen, lauten die offiziellen Zahlen. Möglicherweise sind es sogar 300.000 Betroffene, da die Symptome wie Atemnot oder verminderte Leistungsfähigkeit häufig als Alterserscheinung fehlinterpretiert werden und die Menschen nicht zum Arzt gehen, ergänzte hingegen Deddo Mörtl von der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft. "Fest steht, dass es sich um eine Erkrankung mit zunehmender Häufigkeit handelt." Die Spitalsaufnahmen mit dieser Diagnose hätten sich in den vergangenen drei Dekaden verdreifacht.

Werbung

Blutgefäße erweitern sich
Laut den Experten könnten gerade Patienten mit geschwächten Herzmuskeln von dosiertem Ausdauer- und moderatem Krafttraining enorm profitieren. Dabei verbessern sich nicht nur die Fitness-Werte, sondern auch die Lebensqualität, betonte Johann Altenberger, Leiter der Sonderkrankenanstalt Rehabzentrum Großgmain. Regelmäßiges Training führe zu einer Senkung der Herzfrequenz in Ruhe, wodurch das Pumporgan entlastet werde. Auch führe die körperliche Aktivität zu einer Erweiterung der Blutgefäße und damit zu einem geringeren Gefäßwiderstand, was ebenso zu einer Entlastung führt. Der Haupteffekt entstehe jedoch durch die Stärkung der Skelettmuskulatur. Denn aktive Muskeln nehmen Sauerstoff besser auf, können Nährstoffe besser verarbeiten und ersparen dem Herzen belastende Mehrarbeit, so Altenberger.

Der Fonds Gesundes Österreich empfiehlt Erwachsenen - verteilt auf mehrere Tage - mindestens 150 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche oder 75 Minuten mit höherer Intensität. Zu Bewegung mittlerer Intensität zählen Nordic Walking, Radfahren, Tanzen oder Gartenarbeit. Fußball Spielen, Rennrad Fahren und Laufen fallen in die Kategorie höhere Intensität.

Die Herzinsuffizienz ist eine Erkrankung mit hohem Leidensdruck durch eine Verminderung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit, mit akuten Verschlechterungen und einer hohen Sterberate. Insbesondere ohne adäquate Behandlung versterben 50 bis 80 Prozent der Patienten innerhalb von fünf Jahren nach Diagnosestellung. "Damit ist die Herzschwäche tödlicher als viele Krebserkrankungen", sagte Mörtl. Alleine mit medikamentöser Therapie ließe sich die Lebenserwartung verdreifachen. Auch Geräte wie implantierte Defibrillatoren würden die Prognose verbessern.

Bewegung wirke sowohl in der Primär- als auch in der Sekundärprävention, dennoch scheint es kein Einfaches zu sein, die Menschen zu motivieren, beklagte Mörtl. "Unsere Appelle in der klinischen Praxis gehen meistens ins Leere." Die Kardiologen setzen nun im Rahmen einer neuen Initiative auf den Spaßfaktor.

Körperliche Trägheit hat nämlich auch Einfluss auf das Thromboserisiko, wie eine Wiener Studie zeigt. Demnach haben Frauen mit geringer körperlicher Fitness eine signifikant höhere Thrombozyten-Aktivierung als jene mit guter Fitness. Die Aktivierung von Thrombozyten (Blutplättchen) kann zur Bildung potenziell lebensbedrohender Blutgerinnsel führen. Selbst moderates Training führe in vergleichsweise kurzer Zeit zu signifikant positiven Effekten, berichten die Forscher im Fachblatt "Medicine & Science in Sports & Exercise".




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-05-03 17:08:10
Letzte ─nderung am 2016-05-03 17:26:08



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Sitz der Eifersucht
  2. Hunde setzen Mimik möglicherweise bewusst ein
  3. Umweltwächter im All
  4. Die Dynamik des Alpenraums
  5. Die Urahnen des Internet
Meistkommentiert
  1. Hatschi!
  2. Frauen großzügiger als Männer
  3. Schmarotzer mit Feuerkraft
  4. Am Gängelband der Gestapo
  5. Hirse für die Welternährung

Werbung




Werbung


Werbung