• vom 08.06.2016, 22:27 Uhr

Mensch


Anthropologie

"Hobbit" war doch kein moderner Mensch




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  • Der nur einen Meter große Frühmensch Homo floresiensis lebte früher als angenommen und zählte zur Gattung Homo erectus.

Ähnlich, aber nicht der gleichen Art: Schädel des Homo floresiensis (links) und des Homo sapiens.

Ähnlich, aber nicht der gleichen Art: Schädel des Homo floresiensis (links) und des Homo sapiens.© ap/str Ähnlich, aber nicht der gleichen Art: Schädel des Homo floresiensis (links) und des Homo sapiens.© ap/str

Jakarta. (dpa/est) Vorfahren der oft scherzhaft "Hobbit" genannten Menschenart Homo floresiensis zählen nicht zu den modernen Menschen. In der Evolution traten sie nämlich viel früher auf als bisher angenommen. Vermutlich lebten die maximal 1,20 Meter großen Frühmenschen bereits vor 700.000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores. Das schließt ein japanisch-australisches Forscherteam aus einer Analyse von Zähnen und Knochen, die 2014 auf der Insel Flores gefunden wurden.

"Diese neue Studie belegt eindeutig, dass es sich beim "Hobbit" nicht um einen modernen Menschen mit einer Fehlbildung handeln kann, weil es den Homo sapiens vor 700.000 Jahren noch gar nicht gab", erklärt Jean-Jacques Hublin, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der an der Studie nicht beteiligt war.


Homo floresiensis war in der Regel einen Meter groß und hatte ein Gehirn von der Größe einer Orange. Im Jahr 2003 wurden erstmals Überreste der Frühmenschen-Art in einer Höhle in Liang Bua auf Flores entdeckt, die 70 Kilometer vom jetzigen Fundort entfernt liegt. Seitdem rätselt die Wissenschaft über den Stammbaum der nach den Hauptfiguren in J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe" benannten "Hobbits". Denn die versteinerten Skelett-Teile eines Frühmenschen aus der "Hobbit-Höhle" in Liang Bua sind nur 60.000 bis 100.000 Jahre alt. Ob es sich um einen krankhaft veränderten Homo sapiens oder eine eigene Menschenart handelt, ist daher unter Experten strittig.

Der jetzige Fundort, der 2014 entdeckt wurde, liegt 70 Kilometer entfernt in Mata Menge. Neben den Fossilien ausgestorbener Tiere fanden Archäologen dort ein Unterkiefer-Fragment und sechs Zähne, die sie mindestens einem Mann und zwei Kindern zuordnen. In der Region wurden auch Steinwerkzeuge entdeckt, die eine Million Jahre alt sein sollen.

Die Wissenschafter um Yousuke Kaifu vom Nationalmuseum der Naturwissenschaften in Tokio und Adam Brumm von der Griffith University im australischen Queensland haben ihre Funde mit den Daten anderer ausgestorbener Menschenarten sowie mit denen des modernen Menschen Homo sapiens verglichen. Die Anthropologen datieren ihre Fossilien auf ein Alter von 700.000 Jahren und sie gehen davon aus, dass es sich bei den "Hobbit"-Menschen um kleinwüchsige Nachfahren des asiatischen Homo erectus handelt, berichten sie im Fachblatt "Nature".

Homo erectus lebte bereits vor etwa einer Million Jahren in Indonesien. Während der Eiszeiten lag der Meeresspiegel zeitweise niedriger als heute. Inseln wie Java oder Sumatra waren daher immer wieder mit dem Festland verbunden, was den Frühenschen ermöglichte, zu wandern.

Rätselhafte Schrumpfung
Die Ergebnisse belegten aber nicht nur, dass der Hobbit schon lange auf der Insel lebt. Sondern sie zeigen auch, dass er sich in relativ kurzer Zeit vom bis zu 1,80 Meter großen Homo erectus zum Zwerg entwickelt hat, erklärt Max-Planck-Direktor Hublin: "Erstaunlich ist, dass sich diese Entwicklung in einem sehr kurzen Zeitraum abgespielt hat." Der Grund für die rapide Schrumpfung liege vermutlich in der isolierten Lebensweise auf der Insel.

Erst mit weiteren Funden könne geklärt werden, ob der Zwergenmensch in den 600.000 Jahren zwischen den nun entdeckten Ahnen und ihrem zuvor gefundenen Verwandten in seiner Gestalt weitestgehend unverändert blieb. Einen ersten Hinweis gibt es: Die etwa 700.000 Jahre alten untersuchten Zähne und der Kiefer aus Mata Menge gleichen jenen des Homo floresiensis aus Liang Bua.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-08 16:26:04
Letzte Änderung am 2016-06-08 18:03:08



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