• vom 02.08.2016, 16:30 Uhr

Mensch


Hülsenfrüchte

Aus der Hülse auf den Teller




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Grass

  • Bohne, Linse und Co. sind eine reichhaltige Eiweißquelle und prägen die Ernährung seit der Steinzeit.

In den vergangenen Jahren haben die Hülsenfrüchte ein Schattendasein geführt. - © Fotolia/Lukas Gojda

In den vergangenen Jahren haben die Hülsenfrüchte ein Schattendasein geführt. © Fotolia/Lukas Gojda

"Jedes Böhnchen ein Tönchen" - das ist wohl einer jener Gründe, die dem Menschen den Genuss von Hülsenfrüchten immer wieder verleiden. Aus ernährungsphysiologischer Sicht machen Bohne, Linse und Co. jedoch durchaus Sinn, denn deren Vorteile überwiegen die geruchsstarken Nachteile erheblich. Die Nutzung der besonders eiweiß- und ballaststoffreichen Früchte reicht gar bis in die Altsteinzeit zurück, und auch aus so manchem Märchen sind sie nicht mehr wegzudenken: So ist es ausgerechnet eine Bohnenranke, die Hans und seiner Mutter zu Reichtum verhelfen. Die eifrigen Tauben unterstützen Aschenputtel beim Verlesen der Linsen und eine Erbse enttarnt ein Mädchen als Prinzessin.

Relevanz in der Genetik
Aber nun zurück zur Realität: Auch in der Genetik spielt eine Hülsenfrucht eine ganz besonders wichtige Rolle: Mit seinen Erbsenkreuzungen Mitte des 19. Jahrhunderts legte der tschechische Ordenspriester und Naturforscher Gregor Mendel nämlich einen wesentlichen Grundstein für die heute für Mensch und Tier geltenden Vererbungsregeln.


So werden etwa die Blutgruppen A, B und 0 des Menschen sowie eine Vielzahl weiterer Merkmale bei Pflanzen und Tieren einschließlich vieler Erbkrankheiten nach den Mendelschen Regeln vererbt. Seine Versuche brachten dem Forschenden schließlich den Titel "Vater der Genetik" ein. Im deutschsprachigen Raum sind Linsen, Erbsen und Ackerbohnen bereits seit der Jungsteinzeit bekannt. Im klassischen Altertum und bei den Ägyptern spielten Leguminosen, wie Hülsenfrüchte auch vielfach genannt werden, eine wichtige Rolle für den Ackerbau und in der Ernährung. So schreibt der römische Historiker Plinius (23-79 nach Christus): "Der Boden, auf dem Ackerbohnen angebaut wurden, freut sich gleich, als ob er eine Düngung erhalten hätte."

Darmbakterien jubeln
Hülsenfrüchte sind für die Fruchtbarkeit der Böden in der Tat sehr wichtig. Traditionell gesehen gehören sie zur typischen Fruchtfolge, die auch heute noch für eine ökologische Landwirtschaft von Bedeutung ist. Leguminosen gehen eine Symbiose mit Bakterien ein und können dadurch den Stickstoff aus der Luft fixieren.

Im menschlichen Organismus wiederum freuen sich besonders die Darmbakterien über deren Zufuhr. Ihr besonders hoher Anteil an Ballaststoffen hat verdauungsfördernde Wirkung und hilft zudem, dass krebserregende Substanzen nicht in den Organismus gelangen, schildert Jürgen König vom Department für Ernährungswissenschaften der Uni Wien gegenüber der "Wiener Zeitung".

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-08-02 16:35:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Pentagon forschte heimlich nach UFO's
  2. Zigarrenförmiger Komet aus anderem Sonnensystem
  3. Maschinen entdecken Planeten
  4. Von der historischen Bibliothek zur Bibliothek der Zukunft
  5. Ist da jemand?
Meistkommentiert
  1. Massereiches Frühchen im All
  2. Wer will denn schon früh sterben?
  3. "Wir sind dabei, die Schlacht zu verlieren"
  4. Ist da jemand?
  5. Pentagon forschte heimlich nach UFO's

Werbung




Werbung


Werbung