• vom 15.08.2016, 21:02 Uhr

Mensch


Impfstoffforschung

Zika-Forschung mit Präzision




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Von Alexandra Grass

  • Der Wiener Standort des Impfstoffherstellers Valneva widmet sich dem Zika-Virus. Ein Blick hinter die Kulissen.

Der Weg zum Impfstoff ist ein aufwendiges Verfahren.

Der Weg zum Impfstoff ist ein aufwendiges Verfahren.© Valneva Der Weg zum Impfstoff ist ein aufwendiges Verfahren.© Valneva

Wien. Nur durch eine Schleuse mit Zugangsberechtigung und mit entsprechender Schutzbekleidung darf jener Raum im dritten Stock der österreichischen Niederlassung des Impfstoffherstellers Valneva am Campus Vienna Biocenter betreten werden, in dem mit dem Zika-Virus hantiert wird. Dort werden auf zuvor kultiviertem Virussubstrat (Vero-Zellen) die aktiven Erreger aufgetragen, um sie im weiteren Arbeitsverlauf mit einigen Reinigungs- und Filterprozessen zu einem inaktiven Rohimpfstoff verarbeiten zu können.

Am Ende des Tages halten die Forscher einen hochreinen Impfstoff in der Hand, der das Potenzial besitzt, vor Zika zu schützen. Die mehrfachen Tests an Mäusen würden zeigen, dass die Tiere im Blut die dafür nötigen Antikörper in ausreichender Menge bilden und bei Kontakt mit dem Erreger das Virus auslöschen können, schildert Valneva-Forscher Mario Nebenführ bei einem Laborrundgang mit der "Wiener Zeitung".

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Risiko- versus massentauglich
Was sich recht einfach anhört, ist ein technisch und wissenschaftlich hoch ausgereifter Prozess, der aus der Produktion des bereits erfolgreich gegen die Japanische Enzephalitis eingesetzten Impfstoffes Ixiaro des Unternehmens übernommen werden konnte. Bei beiden Erregergruppen handelt es sich um sogenannte Flaviviren, wobei Zika und die Japanische Enzephalitis zusätzlich noch der ähnliche Übertragungsweg eint - beide werden nämlich über Moskitos weitergegeben.

Zugute kam dem Unternehmen hinsichtlich der Entwicklungen rund um Zika auch die Produktprofilvorgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wie Geschäftsführer Thomas Lingelbach im Gespräch erläuterte. Denn anvisiert werden grundsätzlich zwei Einsatzgebiete. Erstens gehe es um den Schutz der durch Zika am meisten Gefährdeten, nämlich Schwangeren und Frauen, die in absehbarer Zeit eine Schwangerschaft beabsichtigen. Inzwischen gilt es ja als erwiesen, dass das Virus bei einer Infektion von Schwangeren zu schweren Schädelfehlbildungen der Kinder führen und weitere neurologische Schäden auslösen kann. Zweitens soll, so die Vorgabe der WHO, parallel an einem Massenimpfstoff geforscht werden.

Die Konzentration Valnevas liegt in ersterem Weg, der "exakt das Profil unseres Ixiaros" darstelle. Das Resultat ist demnach eine hochreine inaktivierte Vakzine, die allerdings bei Einmalgabe vermutlich den Nachteil einer geringeren Schutzdauer mit sich trägt und daher vorwiegend für die Notfallsituation geeignet sei. Für eine längere Wirkung müsste, so wie etwa bei der FSME-Impfung, eine regelmäßige Auffrischung stattfinden. Ein Lebendimpfstoff hingegen mit funktionsfähigen Erregern würde einen viel längeren - mitunter sogar lebenslangen - Schutz bieten, bei geringeren Gesamtkosten, erklärte Lingelbach.

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Dokument erstellt am 2016-08-15 16:05:09
Letzte nderung am 2016-08-15 16:33:37



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