• vom 02.09.2016, 16:32 Uhr

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Zika

Ein Drittel aller Länder gefährdet




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  • Viele Unbekannte des Zika-Virus erschweren Entscheidungen im Sinne der öffentlichen Gesundheit.

Mückenschwärme lassen sich nur durch Kleidung oder Anti-Mücken-Sprays abhalten.

Mückenschwärme lassen sich nur durch Kleidung oder Anti-Mücken-Sprays abhalten.© Getty Images/Galan Mückenschwärme lassen sich nur durch Kleidung oder Anti-Mücken-Sprays abhalten.© Getty Images/Galan

Paris/Miami/Wien. (gral) Gerade für Schwangere, aber auch Frauen mit Kinderwunsch scheint eine harte Zeit hereinzubrechen, denn die Gefahr durch das Zika-Virus wächst stetig an. Einer neuen Studie zufolge ist gar ein Drittel der Weltbevölkerung einer diesbezüglichen Bedrohung ausgesetzt. Indien sei potenziell besonders gefährdet, berichten Forscher der Universitäten Toronto und Oxford im Fachblatt "The Lancet Infectious Diseases".

Bestimmte Voraussetzungen seien auch in Ländern wie China, Indonesien, Nigeria, aber ebenso den USA gegeben. Die lokale Präsenz potenzieller Virusüberträger, passende klimatische Konditionen, große Bevölkerungsgruppen sowie eingeschränkte Gesundheitsvorkehrungen in einigen Staaten scheinen die Lage zusätzlich problematisch zu gestalten.


Neue Ausbrüche erwartet
Die Identifizierung und das Wissen darüber, wo und wann Populationen einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sein könnten, würde Entscheidungen im Sinne der öffentlichen Gesundheit beeinflussen, betonen die Studienautoren. Allerdings gebe es noch viele Unbekannte in Bezug auf das Zika-Virus und wie es sich verbreitet. Auch wisse man noch nicht, welche der vielen vorkommenden Mückenarten ganz besonders als Überträger des Erregers in Frage kommen, aber auch, ob vormals Infizierte tatsächlich ihr Leben lang immun gegen das Virus seien, schreibt Kamran Khan vom St. Michael’s Hospital in Toronto.

"Der Einfluss auf eine Bevölkerung hängt auch stark davon ab, welche Möglichkeiten ein Land aufweist, gesichert diagnostizieren und auf einen möglichen Ausbruch reagieren zu können", betont der Infektiologe. Die sich stetig erwärmende Temperatur in der nördlichen Hemisphäre würde zudem zu neuen Ausbrüchen außerhalb der schon betroffenen Länder beitragen. So ist jetzt erstmals in den USA das Zika-Virus in Moskitos festgestellt worden, teilte Floridas Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucher am Freitag mit. "Dieser Fund ist enttäuschend, aber keine Überraschung", hieß es.

Nach dem Auftauchen von Zika im sonnigen Miami Anfang August war das nun sichere Ergebnis schon vermutet worden. Die Insekten, deren Proben nun den Beweis lieferten, waren auch in Miami Beach gefangen worden. Die US-Gesundheitsbehörde CDC (Center for Disease Control and Prevention) rät daher Schwangeren offiziell von Reisen auch nach Miami Beach ab. Außerdem sollen Blutspenden in den USA ab sofort landesweit auf das Zika-Virus getestet werden.

Dieses hat sich nur binnen Monaten in Mittel- und Südamerika sowie der Karibik rasant ausgebreitet. Es wird vorwiegend über Mücken übertragen und verläuft bei Erwachsenen zumeist harmlos. Bei Schwangeren kann es aber dazu führen, dass Babys mit Mikrozephalie geboren werden. Die Kinder haben dabei einen ungewöhnlich kleinen Kopf, was zu schweren Entwicklungsschäden führen kann.

Nächste Station Singapur
Zuletzt waren auch vermehrt Infektionen aus Singapur gemeldet worden. Bereits mehr als 150 Zika-Fälle sind bekannt, darunter zwei Schwangere. Das CDC empfahl daher auch schon Singapur-Reisenden, vorzubeugen und sich gegen Mückenstiche zu schützen sowie beim Sex Kondome zu benutzen. Der Erreger kann nämlich auch beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.

"Als wichtige Voraussetzung für das Auftreten einer Epidemie ist das Vorhandensein einer immunologisch unbedarften Bevölkerung. Das ist die große Unbekannte in den Hochrisikoländern", betont Abraham Goorhuis von der Universität Amsterdam. Studien über das Vorhandensein von Antikörpern im Blut vormals Infizierter gebe es noch wenige. Impfstoffe gegen das Zika-Virus befinden sich schon in der Pipeline. Die ersten klinischen Studien sind in Vorbereitung.




Schlagwörter

Zika, Virus, Gesundheit, Schwangere, Studie

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Dokument erstellt am 2016-09-02 16:35:06



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