• vom 18.11.2016, 17:35 Uhr

Mensch

Update: 18.11.2016, 17:41 Uhr

Industrie 4.0

Das menschenlose Büro




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Von Eva Stanzl

  • Im Wettkampf mit Maschinen zieht der Mensch den Kürzeren: Auch qualifizierte Jobs fallen der Automatisierung zum Opfer.

Eine Zukunftsvision: Laptops rechnen still in Arbeitsnischen, überwacht von Robotern statt von Menschen. - © Getty/Nikolaevich

Eine Zukunftsvision: Laptops rechnen still in Arbeitsnischen, überwacht von Robotern statt von Menschen. © Getty/Nikolaevich

"My Burger" nennt McDonald’s Fast Food zum Selbermachen. An einem speziellen Terminal kann sich jeder seinen eigenen, ganz persönlichen Burger zusammenstellen. In einen Touchscreen gibt er "Fleisch" oder "vegetarisch" ein, Brötchen mit oder ohne Sesam, welchen Salat und welche Sauce, ob Gurke oder nicht, die Pommes-Größe und das Getränk. Bezahlt wird auch am Terminal. Nur bei der Essenausgabe stellt ein Mitarbeiter das fertige Menü auf die Budel, aber auch die Tage dieses Arbeitnehmers in der Restaurant-Uniform mit den zugenähten Taschen sind gezählt. Über kurz oder lang wird McDonald’s nämlich Roboter als Hamburger-Brater in die Küche stellen und alle Handgriffe darüber hinaus an die Kunden auslagern. Dann wird es nicht mehr heißen: Der Kunde ist König. Sondern: Danke für die Mitarbeit.

Sie kommt, so unaufhaltsam wie ein Lavastrom: die Automatisierungswelle. Seit Mitte der 1970er Jahre sind die Einkommen inflationsbereinigt gesunken, während die Produktivität zulegte und die Lebenshaltungskosten in die Höhe schnellten, warnt der US-Softwareunternehmer und Autor Martin Ford in seinem Buch "Rise of the Robots". Seit der Jahrtausendwende entstehen keine neuen Arbeitsplätze, dafür verdoppelt sich die Computer-Rechenleistung alle 18 bis 24 Monate. Nachdem die Industrie mehr als ein Jahrhundert lang auf menschlicher Arbeit aufbaute, wird nun der Mensch im Job immer weniger gebraucht. Roboter und Computer erledigen nahezu jede Arbeit viel billiger.


Ob dieser "nächsten industriellen Revolution", wie sie genannt wird, könnten ganze Gesellschaften in Existenzängste verfallen. Politiker und Ökonomen beschwichtigen mit den schönen Seiten der Veränderung: Die Bürger werden mehr Zeit haben, um all das zu tun, was sie immer schon tun wollen. Gesundheitsschädliche, körperlich anstrengende und gefährliche Arbeiten würden wegfallen, Maschinen außerdem nur Routinetätigkeiten übernehmen.

Stimmt nicht, warnt Ford, seit 25 Jahren Software-Entwickler im kalifornischen Silicon Valley, eine Geburtsstätte des technologischen Fortschritts. Routinejobs würden der Automatisierung bloß als Erste zum Opfer fallen. Danach würden aber garantiert auch mittel- und höherqualifizierte Aufgaben folgen. "Die Robotik steht an der Schwelle zu explosionsartigem Wachstum, denn die Hardware- und Software-Komponenten werden immer billiger und fähiger", warnte er bei einer Konferenz zur "Ökonomie des digitalen Wandels" des Infrastrukturministeriums Ende dieser Woche in Wien. Wer sich also heute händeringend fragt, woher in Zukunft Brot und Butter kommen sollen, hat durchaus recht. Wenn alles so kommt, wie Ford es erwartet, garantiert künftig nicht einmal eine Top-Ausbildung einen gut bezahlten Job.

Um die Jahrtausendwende, als internationale Konzerne ihre Produktionen nach Asien auslagerten und die Fabriksarbeiterjobs mitnahmen, schienen Politiker aller Richtungen sich einig: Nur Bildung und Qualifikation, Forschung und Innovation können dafür sorgen, dass der Standort überlebt. Die Menschen müssten geistig rege bleiben, um dem technischen Fortschritt, der Outsourcing nach China oder Indien ermöglichte, stets eine Nasenlänge voraus zu sein. Für einen Platz im sonnigen Mittelstand brauche man einen Universitätsabschluss und Kreativität, müsse flexibel und mobil sein und laufend seine Qualifikationen erweitern.

"Doch nun bedroht die Technolgisierung selbst die Flinksten und Flexibelsten unter uns und selbst jene mit den besten Ausbildungen", betonte Ford im Interview mit der "Wiener Zeitung" am Rande der Konferenz. Von Hausmeister bis zum Chirurgen macht die Automatisierung vor nichts und niemandem Halt. Inzwischen gibt nicht nur Roboter, die staubsaugen oder den Rasen mähen, sondern auch Software, die Texte verfasst, aus unstrukturierten Daten nützliche Informationen filtert oder Recherche- und Analyseaufgaben zu durchführt. Computer können administrieren, Reisen buchen und Finanzdienstleistungen erledigen, haben schon ihre ersten Musikstücke komponiert, ihre ersten Bilder gemalt und in wenigen Jahren sollen sie sattelfest in medizinischen Diagnosen sein.

Bald sollen Drucker Betonwände von Häusern "drucken" können - die Auswirkungen auf das Baugewerbe, das weltweit 110 Millionen Menschen beschäftigt, bleiben abzuwarten. Und selbstfahrende Autos, die niemand besitzt, aber jeder bei Bedarf über das Smartphone rufen kann, könnten der ohnehin marodierenden Taxi-Branche den Todesstoß versetzen. "Wenn die künstliche Intelligenz nur zehn bis 20 Prozent der Fachkräfte wegautomatisieren würde, wäre das bereits eine soziale Katastrophe, tatsächlich könnte diese Zahl in den nächsten zehn bis 20 Jahren aber durchaus auf 50 Prozent steigen", so Ford. Die Zahl deckt sich mit einer Studie von Carl Benedict Frey und Michael Osborne, "The Future of Employment" aus 2013. Die US-Ökonomen gehen von einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit aus, dass 47 Prozent der existierenden Berufe mittelfristig wegfallen.

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Dokument erstellt am 2016-11-18 17:38:05
Letzte nderung am 2016-11-18 17:41:04



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