• vom 29.11.2016, 16:45 Uhr

Mensch


Psychologie

Wenn Strafe wirkt




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  • Innsbrucker Forscher untersuchten, was moralisches Verhalten begünstigt.

Innsbruck. Finanzielle Strafandrohungen können offenbar wahre Wunder vollbringen und scheinen wesentlich effektiver als Moralpredigten oder Aufklärungskampagnen zu sein. Dies haben Innsbrucker Wissenschafter in einer Versuchsreihe herausgefunden. Sie wollten wissen, wie man Menschen dazu bringen kann, sich an ethischen Normen zu orientieren.

In dem Experiment erhielten 700 Studienteilnehmer einen Geldbetrag und konnten entscheiden, ob sie das Geld der Kinderhilfsorganisation Unicef für Masernimpfstoffe spenden oder es selbst behalten. Dabei erhielten die Probanden einen realen Geldbetrag und die Spenden gingen auch tatsächlich an die Organisation, betonte der Ökonom und Erstautor Michael Kirchler von der Universität Innsbruck am Dienstag in einer Aussendung der Hochschule.

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Sein Team untersuchte drei mögliche Szenarien zur Unterstützung des moralischen Verhaltens: Aufklärung durch einen Mediziner, die Aufhebung der Anonymität sowie eine monetäre Bestrafung von unmoralischem Verhalten.

Im ersten Fall klärte ein Experte der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" die Studienteilnehmer über die drastischen Folgen von Masernepidemien und die Wirkung von Impfaktionen auf. Infolge dessen spendeten die Teilnehmer die gleichen Beträge, egal ob sie zuvor aufgeklärt wurden oder nicht.

Auswirkung der Anonymität
Sehr wohl Wirkung zeigte der Studie zufolge allerdings die potenzielle monetäre Bestrafung von geringer Spendenbereitschaft. Durch die Möglichkeit dieses finanziellen Einflusses stieg die Spendenbereitschaft nämlich deutlich an. "Schon in einer ersten Entscheidung zeigte sich moralischeres Verhalten, da die Probanden die Gefahr der Bestrafung in die Entscheidung integrierten", betonte Kirchler.

Unterschiedlich reagierten die Versuchspersonen, wenn sie nicht mehr anonym agieren konnten. "Wenn Personen allein entscheiden müssen, zeigt diese Maßnahme durchaus Wirkung", so der Ökonom. Im Marktumfeld hingegen mache die Aufhebung der Anonymität keinen Unterschied, zeigt die vom Wissenschaftsfonds FWF und dem Jubiläumsfonds der österreichischen Nationalbank unterstützte Studie.

Die Wissenschafter schließen aus den Ergebnissen, dass extrinsische Anreize stärker wirken als intrinsische. Die Daten zu den individuellen und marktgetriebenen Entscheidungen könnten helfen, Regeln für die Einhaltung von ethischen Normen und Standards sowohl in der Gesellschaft als auch in Unternehmen zu optimieren, betont Kirchler. Die Untersuchung wurde im Fachmagazin "Management Science" publiziert.




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Dokument erstellt am 2016-11-29 16:50:08



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