• vom 29.11.2016, 16:44 Uhr

Mensch


Soziale Medien

Die Logik der meisten "Likes"




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Von Eva Stanzl

  • Selfies und Selbstvermarktung online: Forscher erwarten, dass sich ein sinnvoller Umgang mit sozialen Medien einpendeln wird.

Paparazzi in eigener Sache : "Generation Selfie" besteht größtenteils aus jungen Menschen.

Paparazzi in eigener Sache : "Generation Selfie" besteht größtenteils aus jungen Menschen.© selfiecity.net Paparazzi in eigener Sache : "Generation Selfie" besteht größtenteils aus jungen Menschen.© selfiecity.net

Wien. "Machen Sie ihr van der selfie!: Egal wo, egal wann, ein Selfie mit Alexander Van der Bellen ist ab jetzt immer möglich." Diesen Wahlkampfgag bietet das Team des Kandidaten auf seiner Website an. "Sie können aus sechs verschiedenen Motiven des Präsidentschaftskandidaten wählen: staatsmännisch, hemdsärmelig, beim Wandern oder im Tiroler Kaunertal." Zu sehen sind Beispiele von Fotomontagen, die Van-der-Bellen-Fans mit ihrem Wunschpräsidenten "in Szene" setzen. Zwar erinnern die Bilder ein bisschen an Porträts mit Pappkamerad und der Effekt hat etwas von einem Steckdenkopfdurchfoto, aber die Sache hat Schmäh. Ob sie erfolgreich ist, wird sich am 4. Dezember weisen. Schon jetzt aber verdeutlicht sie die Funktion fotografischer Selbstporträts im Wandel.

Früher türmten sich Schüler in Passfoto-Automaten, um ihre Köpfe briefmarkengroß zu verewigen. Jede/r auf dem Foto behielt ein oder zwei der lustigen Gruppen-Passbilder, steckte sie ein oder klebte sie zur Erinnerung daheim an die Wand. Heute fotografieren wir uns selbst mit oder ohne Freunde, Kollegen oder berühmte Gesellschaft von zu Hause oder von unterwegs mit dem Zweck, die Bilder zu veröffentlichen. Was immer wir tun, denken oder gerade darstellen wollen, gilt es zu dokumentieren und im Netz mit Freunden, Bekannten und der Welt zu teilen.

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"Wir alle sind unterwegs als Paparazzi in eigener Sache", betonte der Herausgeber des Jugendmagazins "Xing", Bernhard Seyringer, einleitend zum "Science Talk" des Wissenschaftsministeriums am Montagabend in Wien zum Thema der "Generation Selfie". Diese setzt sich größtenteils aus jungen Menschen im Alter von 22,7 bis 25 Jahren und aus mehr Frauen als Männern zusammen, wie eine Instagram-Analyse von Forschern um den US-Informatiker Lev Manovich zeigt. "Selfiecity" heißt das datengetriebene Projekt, für das mit dem Handy aufgenommene Selbstporträts gesammelt wurden, um zu analysieren, wie eine Stadtbevölkerung in die Linse schaut. Das Resultat sind fünf "Stadtporträts", die mit je 640 Aufnahmen an den Oberflächen von Bangkok, Berlin, Moskau, New York und Sao Paolo schürfen. Die Bilder zeigen, dass Selfies sogar nationale Muster haben: Etwa fotografieren sich die Moskowiten öfter als die Einwohner anderer Städte, lächeln dabei aber seltener als Selbstporträtisten in Bangkok oder in Sao Paolo.

Und was tun mit diesem Wissen? Zunächst einmal es unter die Lupe nehmen, um zu schauen, ob nicht doch mehr dahintersteckt. Es steckt: "Früher verfolgten junge Menschen in ihrer Selbstdarstellung eine provokante Ästhetik. Heute hingegen arrangieren sie sich mit den Normen und arbeiten an der Selbst-Vermarktung", sagte Beate Großegger, wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien.

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Dokument erstellt am 2016-11-29 16:50:12



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