• vom 03.02.2017, 19:12 Uhr

Mensch

Update: 03.02.2017, 19:13 Uhr

Biomedizin

Fabelwesen als Ersatzteillager




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Von Alexandra Grass

  • Die Organzüchtung in Chimären bleibt vorerst ein Traum.

Eignen sich Mischwesen als Organspender? - Dieser Frage gingen Forscher nach.

Eignen sich Mischwesen als Organspender? - Dieser Frage gingen Forscher nach.© Fotolia/Michael Rosskothen Eignen sich Mischwesen als Organspender? - Dieser Frage gingen Forscher nach.© Fotolia/Michael Rosskothen

Wien. Nicht alle Menschen sind zu Organspenden bereit - das wäre aber nötig, um den Bedarf abdecken zu können. Forscher machen sich daher seit langer Zeit Gedanken darüber, wie sie Herz, Darm oder Bauchspeicheldrüse künstlich herstellen könnten, um das kranke Pendant im Menschen entweder zu revitalisieren oder gar zu ersetzen. Dafür wurden bisher zwei Wege in Erwägung gezogen: Nämlich die Herstellung sogenannter Organoide - also Mini-Hirne oder Mini-Mägen - in der Petrischale, oder die Idee, Organe in Tieren nachzuzüchten. Letztere Variante geht mit der Herstellung sogenannter Chimären - also Mischwesen - einher, die zuletzt für ein großes Medienecho gesorgt hat.

"Forscher erschaffen Chimäre zwischen Mensch und Schwein", hieß es da. Ein kurzer Gedanke streift dabei in die Welt der Mythologie ab. Handelt es sich um Fabelwesen ähnlichen Geschöpfen mit dem Körper eines Schweins und dem Kopf eines Menschen - oder umgekehrt? Doch wie sich herausstellt, ist diese Vorstellung um viele Schritte zu weit gedacht und zudem auch noch völlig unrealistisch.

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Rattenzellen in Mäusen
Forschern um Juan Carlos Izpisua Belmonte vom Salk Institute im kalifornischen La Jolla ist es zwar gelungen, menschliche Zellen in Schweine-Embryonen einzubringen, die Krönung dieses wissenschaftlichen Erfolgs bleibt dennoch aus. Warum, erklärt Ulrich Elling, Forschungsgruppenleiter am Institut für Molekulare Biotechnologie (Imba) in Wien, der "Wiener Zeitung" und dringt dabei zu den Details der im Fachblatt "Cell Press" veröffentlichten Publikation des Wissenschafterteams vor.

Embryonale Stammzellen haben grundsätzlich das Potenzial, sich zu jedem Gewebetyp des Körpers entwickeln zu können. Diese Kapazität machen sich die Forscher zunutze, indem sie diese Zellen am richtigen Ort platzieren - nämlich in der Blastozyste, jenem Zellhaufen, der am Beginn jedes Lebens steht. Im Embryo entwickeln sich diese Zellen dann weiter.

Auf diese Art und Weise haben die Forscher Mischwesen aus Ratte und Maus produziert - mit dem Ziel, Bauchspeicheldrüsen nachzubilden. Das Blatt geht dabei aber offenbar nur teilweise auf. So ist es den Forschern zwar gelungen, in einer Maus eine Pankreas aus Rattenzellen heranreifen zu lassen, doch die zweite Seite der Medaille verhindert einen durchschlagenden Erfolg. Denn die Blutgefäße, die die Bauchspeicheldrüse durchziehen, seien weiterhin jene der Maus, erklärt Elling. Bei einer Transplantation würde dies sofort in eine Abstoßungsreaktion münden.

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Dokument erstellt am 2017-02-03 16:29:05
Letzte ─nderung am 2017-02-03 19:13:28



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