• vom 16.03.2017, 19:00 Uhr

Mensch


Anthropologie

Das Klima prägt die Form der Nase




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  • Forscher berichten, dass nicht nur die Selektion, sondern auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit das Aussehen des Riechorgans beeinflussen.


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Wien. (est) Ob sie groß, klein, breit oder schmal, lang oder kurz ist und sich Haken-, Himmelfahrts- oder Boxernase nennt: Die Form der Nase erben wir von den Eltern. Ihre Form geht allerdings auf einen langen Prozess zurück, bei dem das Klima eine entscheidende Rolle gespielt haben dürfte, berichtet ein internationales Wissenschafterteam im Fachjournal "Plos Genetics".

"Wir interessieren uns für die moderne Evolution des Menschen und die Hintergründe der Variationen bei Haut- und Haarfarbe und dem Gesicht", erklärt der Anthropologe Mark Shriver von der Pennsylvania State Universität in einer Aussendung zur Studie. "In diesem Zusammenhang haben wir uns auf die unterschiedlichen Nasenformen in verschiedenen Regionen der Erde konzentriert und diese geografischen Gebiete mit Hinblick auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit untersucht. Immerhin ist es eine wichtige Funktion der Nase, eingeatmete Luft zu filtern, bevor sie die Atemwege erreicht." Die Forscher untersuchten eine Reihe von physischen Merkmalen an Testpersonen. Mit 3D-Bildgebungsverfahren vermaßen sie die Breite der Nasenlöcher und den Abstand dazwischen, die Länge des Nasenrückens und dessen Hervorragen, sowie Fläche und Form der Nasenflügel.


Haken, Höker, lang oder breit
Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Form der Nase durch einen Prozess namens Gendrift beeinflusst wird. In der Populationsgenetik ist dies die zufällige Veränderung der Allelfrequenz innerhalb des Genpools einer Population, die sich zusätzlich zur natürlichen Selektion abspielt. Die Forscher konnten entdecken, dass sich für einen Gendrift allerdings die Breite der Nasenlöcher sowie die Nasenwurzeln zu stark von einander unterscheiden. Sie schlossen daraus, dass ausschließlich Variationen in der Selektion verschiedene Nasenformen zur Folge haben müssten. Um die Rolle des Klimas in der Selektion nachzuweisen, untersuchte das Team, wie und in welcher Kombination optische Merkmale geografisch verteilt sind, und verglichen diese Erkenntnisse mit den örtlichen Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit. Dabei entdeckten sie eine "starke Korrelation" zwischen der Breite der Nasenlöcher, der Temperatur und der absoluten Luftfeuchtigkeit, wie sie berichten.

"Viel deutet darauf hin, dass breitere Nasen häufiger in feuchteren, wärmeren Klimazonen und schmälere öfter in kälteren und trockeneren Gebieten vorkommen", so Shriver. Schmälere Riechorgane scheinen die eingeatmete Luft besonders effektiv zu befeuchten und zu erwärmen, wie er betont. Möglicherweise hätten "Langnasen" in kälteren Regionen zu Urzeiten eher überlebt, während Populationen mit breiten Nasen in Regionen nördlich des Äquators im Laufe der Zeit zurückgegangen sein könnten.

Bereits Ende der 1980er Jahre hatte der Evolutionsbiologe Artur Thompson die These aufgestellt, dass lange und schmale Nasen eher in kälteren, trockenen Gebieten, breitere dagegen in warmen, feuchten Zonen vorkommen. Diese sind allerdings die ersten Vermessungen an Testpersonen.

Shriver hebt hervor, dass das Klima nicht der einzige Einflussfaktor für die Evolution der Riechorgane im Gesicht sein könne. Auch die sexuelle Selektion spiele eine entscheidende Rolle. So würden Menschen ihre Partner unter anderem auch wegen ihrer schönen Nase auswählen. Wenn nun eine ganze Gruppe auf kleine Nasen steht, pflanzen sich Menschen mit großen Nasen seltener fort. Im Laufe der Zeit sinkt der Anteil der Langnasen. Möglicherweise gebe es auch eine Verbindung zwischen dem, was als schön empfunden wird, und der Anpassung an das Klima: Ökologische und sexuelle Selektion könnten einander verstärken.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-16 16:36:06
Letzte nderung am 2017-03-16 16:42:04



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