• vom 20.03.2017, 19:31 Uhr

Mensch


Gesundheit

Schlaganfälle meist erfolgreich behandelbar




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  • Neue Ausbildung soll die Palliativmedizin in der Neurologie vorantreiben.

Wien. (gral) Pro Jahr erleiden zwischen 20.000 und 25.000 Österreicher infolge einer plötzlichen Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn einen Schlaganfall. Dabei werden Nervenzellen von der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung abgetrennt. Die Folge sind ein Ausfall von Funktionen des Zentralnervensystems wie Lähmungen oder Sprachstörungen. Bei rechtzeitiger ärztlicher Versorgung - das Zeitfenster beträgt bis zu sechs Stunden - können solche Gerinnsel entweder durch die medikamentöse Auflösung der Blutpfropfen oder die mechanische Entnahme mittels Katheter erfolgreich beseitigt werden, betonte die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, Elisabeth Fertl, am Montag im Vorfeld der diese Woche stattfindenden Jahrestagung in Villach.

Österreich gut versorgt
Dabei seien die Österreicher gut versorgt: 38 sogenannte Stroke Units dienen über das Land verteilt als Anlaufstellen für Schlaganfallpatienten. Zudem stehen flächendeckend interventionelle Zentren zur Verfügung, in denen die oftmals rettenden Katheterbehandlungen stattfinden, so die Expertin.

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Ungefähr 2000 Menschen kommen pro Jahr für diese sogenannte endovaskuläre Thrombektomie in Frage. Dabei wird der entstandene Blutpfropfen (Thrombus) mit einem Katheter, der in der Leiste eingeführt und bis zum Gehirn geschoben wird, aus dem Gehirngefäß herausgezogen. Dies betrifft nur eine kleine Gruppe von Patienten, der aber mit der konventionellen medikamentösen Methode nur selten geholfen werden konnte. Und die Erfolge der Behandlung können enorm sein. "Man muss 2,6 Patienten behandeln, um bei einem ein Überleben ohne chronische Behinderung sicherzustellen", so Fertl. Das ist auch das Ziel jeder Schlaganfallbehandlung: ein Überleben ohne relevante Beeinträchtigung zu erreichen.

Bei der Jahrestagung der Gesellschaft soll auch eine Sparte in den Mittelpunkt gerückt werden, die sonst vor allem aus dem Bereich der Krebsmedizin bekannt ist - die Palliativmedizin. Sie nehme besonders in der Neurologie einen großen Stellenwert ein, betonte Peter Kapeller, Vorstand der Neurologischen Abteilung des Landeskrankenhauses Villach - und dabei gehe es um weit mehr als um ein "end of life treatment". Während bei Krebspatienten die Palliativmedizin meist erst knapp vor dem Ende des Lebens notwendig wird, können palliative Situationen in der Neurologie auch von langer, gar jahrelanger Dauer sein, wenn man an Krankheitsbilder wie die Demenz, Morbus Parkinson oder auch ALS (Amyotrophe Lateral Sklerose) denkt, betont der Mediziner. Ziel ist, die Lebensqualität der Betroffenen zu sichern oder zu erhöhen.

Vertieftes Fachwissen
Um das Bewusstsein in der Bevölkerung, aber auch innerhalb der Ärzteschaft über die Versorgung und Therapie dieser Menschen zu schärfen, arbeiten die auf diesem Gebiet beteiligten Fachgesellschaften - jene für Neurologie, Anästhesie, Innere Medizin, Pädiatrie und Hämato-Onkologie - derzeit auch an der Entstehung einer neuen, interdisziplinären Ausbildung für angehende Ärzte. Diese Spezialisierung in der Palliativmedizin soll das Fachwissen vertiefen und zu einer noch qualitätsvolleren Gesamtversorgung beitragen, betonte Kapeller.




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Dokument erstellt am 2017-03-20 16:50:06



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