• vom 11.05.2017, 20:00 Uhr

Mensch

Update: 11.05.2017, 20:20 Uhr

Biologie

Supernase Mensch




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  • Manche Düfte riechen Menschen sogar besser als Hunde und Nagetiere.

Die verbreitete Meinung vom "schlechten menschlichen Geruchssinn" ist falsch. Der Mensch riecht sehr gut. Diese Nase am südlichen Donauufer der Wachau allerdings nicht. Die Installation stammt von der künstlergruppe Gelatin. - © APAweb / GELATIN

Die verbreitete Meinung vom "schlechten menschlichen Geruchssinn" ist falsch. Der Mensch riecht sehr gut. Diese Nase am südlichen Donauufer der Wachau allerdings nicht. Die Installation stammt von der künstlergruppe Gelatin. © APAweb / GELATIN

New Brunswick. Menschen haben viel feinere Nasen als angenommen. Sie können schnuppernd Spuren verfolgen, und manche Düfte riechen sie sogar besser als Hunde und Nagetiere. Die verbreitete Meinung vom "schlechten menschlichen Geruchssinn" gehe auf einen Mythos aus dem 19. Jahrhundert zurück, schreibt der US-Forscher John McGann im Fachblatt "Science".

Beim Menschen ist das Riechzentrum im Gehirn relativ gesehen kleiner als etwa bei Mäusen. Mit dieser Feststellung habe der französische Anatom Paul Broca im 19. Jahrhundert den Grundstein für das Vorurteil gelegt, der menschliche Geruchssinn sei unterentwickelt. Hinzu kamen entsprechende Abwertungen durch Psychologen wie Sigmund Freud.


McGann von der Rutgers University in New Brunswick hat nun jüngere Studienergebnisse in einem Überblicksartikel zusammengefasst. Demnach sind menschliche Nasen chronisch unterschätzt. Denn neue Studien weisen darauf hin, dass der sogenannte Bulbus olfactorius im Gehirn - der Riechkolben - die Ausnahme von der Regel darstellt, dass die relative Größe eines Hirnteils Rückschlüsse auf seine Leistungsfähigkeit zulässt. Die Zahl der Neuronen im Riechzentrum ist demnach über Speziesgrenzen hinweg relativ ähnlich, trotz erheblicher Unterschiede beim Körpergewicht.

Grundlagenforschung fehlt
Ähnlich ist es mit den Duftrezeptoren: Ihre Zahl ist beim Menschen mit 400 deutlich geringer als bei Hunden (800) oder Ratten (1000). Dies sage aber wenig über die Empfindlichkeit und Unterscheidungsfähigkeit des menschlichen Geruchssinns aus, betont McGann.

Zudem könne Unterscheidungsvermögen antrainiert werden, die Sensitivität aber nicht, ergänzt der Geruchsforscher Matthias Laska von der Uni Linköping in Schweden. "Ein Parfumeur übt viele Jahre, bis er 600 Düfte unterscheiden und exakt benennen kann. Aber das heißt nicht, dass er auch als Weintester arbeiten kann."

Beim Geruchssinn fehle Grundlagenforschung - auch im Vergleich von Hunde- und Menschennasen. "Der Hund gilt als Supernase. Aber bisher wurden bei ihnen erst 15 Düfte daraufhin getestet, ab welchem Schwellenwert sie wahrgenommen werden. Bei fünf dieser Düfte war der Mensch sensitiver."

Vieles bei Gerüchen laufe völlig unbewusst ab, so der Geruchsforscher Hans Hatt von der Ruhr-Universität Bochum. So verursache der blumige Duftstoff Hedion, der an einen menschlichen Pheromonrezeptor andockt, erstaunliche Verhaltensänderungen. Die Testpersonen reagierten freundlicher auf Freundlichkeit, aber unfreundlicher auf unfaires Verhalten als die Kontrollgruppe. Hedion lag dabei in nur minimalen, nicht wahrnehmbaren Mengen in der Luft.




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Dokument erstellt am 2017-05-11 17:03:08
Letzte ─nderung am 2017-05-11 20:20:50



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