• vom 19.05.2017, 15:46 Uhr

Mensch

Update: 22.05.2017, 10:51 Uhr

Umwelt

Bald ohne Schatten




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Von Veronika Eschbacher

  • Die Südkalifornier lieben ihren urbanen Wald. Ein Baumsterben bedroht diesen nun massiv.

Der Verlust des grünen Dachs hat Konsequenzen für Gesundheit und Umwelt.

Der Verlust des grünen Dachs hat Konsequenzen für Gesundheit und Umwelt.© Eschbacher Der Verlust des grünen Dachs hat Konsequenzen für Gesundheit und Umwelt.© Eschbacher

Los Angeles. Mehr als zwei Stunden bereits sind acht Männer in knallgelben Warnwesten in einer abgesperrten Seitenstraße im Norden von Los Angeles lautstark zugange. Mithilfe von mehreren Motorsägen, zwei Kränen und vielen Seilen rücken sie einer 35 Meter hohen Amerikanischen Platane zuleibe, die direkt aus dem Gehsteig eng an einer Glasfassade emporwächst und den auf und ab spazierenden Anrainern seit mehr als 40 Jahren Schatten spendet. Doch damit ist nun Schluss. Und je mehr Äste krachend auf die Straße fallen, desto sichtbarer wird, wieso: Anstelle eines weißlich-hellgelben, geradlinigen, gesunden Stammes ist das Bauminnere von schwarzen, rundlich verlaufenden, hohlen Kreisen durchbohrt. Der innerste Kern schimmert rosarot.

Platane von Pilz befallen
Der durch Käfer übertragenen Pilzbefall dieser Platane ist in Südkalifornien schon lange kein Einzelfall mehr. Botaniker kommen hier aktuell kaum mehr damit nach, befallene Bäume zu zählen - sie beobachten ein Baumsterben in bisher ungekannter Geschwindigkeit. Alleine etwa im Tijuana River Valley Regionalpark im Bezirk San Diego zerstört Schädlingsbefall mehr als 100.000 Weiden. Auf dem Campusgelände der University of California in Irvine sind mehr als 2.000 Bäume infiziert, mehrere hundert wurden bereits entfernt.

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Eine erste Untersuchung der US-Forstverwaltung, die versucht, sich eine Übersicht über die Gesamtlage zu verschaffen, bestätigt schlimme Befürchtungen: Alleine eine Käferart, der Polyphagous Holzbohrer, bedroht ihren Schätzungen zufolge in den vier Bezirken Los Angeles, Orange, Riverside und San Bernadino 27 Millionen Bäume. Das sind 38 Prozent des Baumbestandes in einem Gebiet, in dem zwanzig Millionen Menschen leben.

Dabei ist dieser eine Käfer nur eine der Gefahren. Seit Ende 2011 bis Anfang dieses Jahrs herrschte in Kalifornien eine ungewöhnlich starke und lange Dürrephase. Botaniker geben zu bedenken, dass viele der Bäume, die im sehr stark besiedelten und bebauten Südkalifornien über Jahrzehnte als "urbaner Wald" gepflanzt und kultiviert wurden, eigentlich für gemäßigtes Klima gedacht sind. Der Stress der Dürre, damit verbundene jahrelange Wasserrestriktionen, höherer Salzgehalt in wiederaufbereitetem Wasser, Wind und neue importierte Schädlinge setzten den Bäumen massiv zu.

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Dokument erstellt am 2017-05-19 15:51:06
Letzte ńnderung am 2017-05-22 10:51:04



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