• vom 29.05.2017, 16:37 Uhr

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Tierische Wasserverschmutzer




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  • Forscher nehmen Fäkalkeime unter die Lupe und erstellen Datenbank.

Wien/Krems. Mittels DNA-Tests versuchen heimische Forscher herauszufinden, vom wem - respektive welchem Tier - im Wasser befindliche Keime stammen. Dazu bauen sie eine Fäkal-Datenbank auf, die es erlauben soll, Verursacher der teils gefährlichen Verschmutzungen zu identifizieren, sowie die Gefährlichkeit der Erreger einzuschätzen.

Unter mit Fäkalkeimen verunreinigtem Wasser leiden rund 1,8 Milliarden Menschen. Pro Jahr erkrankt etwa eine halbe Million an schweren Krankheiten wie Cholera. Um gezielter dagegen vorzugehen, bräuchte es Analysemethoden, mit denen schnell und einfach auf die Quelle der Verunreinigung geschlossen werden kann.


"Der Nachweis von Fäkalien im Wasser basiert seit über 120 Jahren auf dem Darmbakterium Escherichia coli", so der Mikrobiologie Andreas Farnleitner von der Technischen Universität Wien und der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems. E.-coli-Konzentrationen alleine sagen aber nichts darüber aus, ob die Belastung etwa von Nutz- oder Wildtieren oder vom Menschen ausgeht. Darüber hinaus brauche es Methoden, um zu beurteilen, welche Arten von Krankheitserregern vorkommen können.

23 Millionen DNA-Sequenzen
Das Forscherteam arbeitet an einer anderen Herangehensweise: nämlich der Messung von sogenannten Bakterien, die für die Darmflora ihrer Wirte typisch sind. Nachweisen lassen sich diese "wirtsassoziierten abundanten Bakterien" aber oft nur anhand ihres Erbguts. "Im Prinzip kann man es sich ein wenig vorstellen wie in der DNA-Analyse bei der Verbrecherjagd. Wir analysieren die DNA von für uns relevanten Fäkalbakterien", so Farnleitner.

Um herauszufinden, ob eine Wasserprobe mit dem Kot von Nutz- oder Haustieren bzw. Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen aus aller Welt kontaminiert ist, erstellt das Team mit Hilfe von Forschern der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine Datenbank der dort typisch vorkommenden Mikroorganismen. So haben sie eine Fäkal-Datenbank aufgebaut, die Ausscheidungen von über 450 Tieren enthält.

Bisher hat die Forschungsgruppe um die 23 Millionen DNA-Sequenzen analysiert. Bei der Arbeit stellte sich heraus, dass das Unterscheiden zwischen den Tierarten "komplexer ist, als wir uns das vorgestellt haben", so der Forscher. Es zeige sich aber auch, dass manche Darmbakterien für ihren Wirt typisch sind, weil sie sich gemeinsam weiterentwickelt und aufeinander abgestimmt haben. Sie fungierten als Fingerabdrücke für die Tiergruppen, nach denen die Forscher mit neuen Feld- und Schnell-Nachweis-Verfahren suchen wollen, um deren Entwicklung ein regelrechtes Wettrennen ausgebrochen sei. Das Projekt ist vom FWF gefördert.




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Dokument erstellt am 2017-05-29 16:42:02



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